Die Bremer Stadtradler

In Bremen fahren viele Bürgerinnen und Bürger mit dem Fahrrad: Was schon gut klappt ­– und was noch besser werden kann.

18. Januar 2022
3 Minuten

Der aktuelle Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zeigt: In Sachen Fahrradsicherheit gibt es in deutschen Städten noch einiges zu tun. Damit sich Radfahrende wohl fühlen und sicher unterwegs sein können, ist vor allem eine qualitativ gute und sichere Radinfrastruktur und ein lückenloses Netz wichtige Grundvoraussetzung. Die Hansestadt Bremen geht mit gutem Beispiel voran und setze in den vergangen Jahren Maßnahmen um, die den Radverkehr sicherer machten – und es ist noch einiges in Planung.

In Bremen dreht sich das Rad

Flach ist es in Bremen, das ist ein Vorteil, ganz klar. Aber das ist nicht der Hauptgrund, warum Fahrradfahren in der norddeutschen Stadt Spaß macht und beliebt ist. Dabei ist es egal, ob die Sonne scheint oder das norddeutsche Schietwetter seinem Namen alle Ehre macht: Ein Drittel aller Bremerinnen und Bremer nutzt laut ADFC das Fahrrad jeden Tag. 

Jeden Tag fahren die Bremerinnen und Bremer im Durchschnitt 3,1 Kilometer mit dem Rad. An mehreren Stellen in der Stadt werden sie gezählt, zum Beispiel an der Wilhelm-Kaisen-Brücke. An Wochentagen überqueren etwa 9.000 Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer die breite Brücke über die Weser, die die Bremer Neustadt und die Altstadt miteinander verbindet.

ADFC Fahrradklima-Test

Der Fahrradklima-Test wird in der Regel alle zwei Jahre vom ADFC durchgeführt und vom gefördert. Die nicht repräsentative Umfrage misst die Zufriedenheit der Radfahrenden in Deutschland und thematisiert das Fahrrad- und Verkehrsklima, den Stellenwert des Radverkehrs, die Sicherheit und den Komfort beim Radfahren sowie die Infrastruktur und das Radverkehrsnetz.

Mitten ins Zentrum führen die Radwege, bis zum historischen Rathaus, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt und neben dem eine berühmte Skulptur an das Märchen der Bremer Stadtmusikanten erinnert. Es ist diese Nähe und gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die die Radfahrenden laut ADFC Fahrradklima-Test besonders an Bremen schätzen.

Doch besonders sicher sind Bremens Radfahrende bisher leider nicht unterwegs: Im Bundesland Bremen, zu dem neben der Stadt Bremen auch die Stadt Bremerhaven gehört, kamen im Jahr 2020 auf 100.000 Einwohner 171 verunglückte Radfahrende. In keinem anderen Bundesland waren es mehr. Zwar sinkt die Zahl der verunglückten Radfahrenden in Bremen kontinuierlich, doch der Blick in die Statistik zeigt auch: Die Zahl der Unfälle unter Beteiligung von Pedelecs steigt. Für Fahrradtypen wie Lastenrädern und Pedelecs, die breiter und schneller als gewöhnliche Fahrräder sind, sieht der ADFC daher auch Nachholbedarf bei dem Ausbau der Radwege. Um die Zahl der Fahrradunfälle weiter zu senken, hat Bremen in den vergangenen Jahren einige Maßnahmen umgesetzt, die wichtigsten hier im Überblick:

Gute Radwege und lückenlose Netze

1.               Einbahnstraßen-Regelung für Radverkehr aufgehoben

Alle Einbahnstraßen im Bremer Stadtgebiet sind für Radfahrende in beide Richtungen geöffnet.Das macht viele Wege mit dem Fahrrad deutlich einfacher und kürzer – und Radfahrende sind in der Stadt so oft schneller am Ziel als mit dem Auto.  

2.              Präsent im Straßenverkehr

Innerhalb der Stadt sind Radfahrende als Verkehrsteilnehmende mit einem Anteil von knapp 25 % am Gesamtverkehr sehr präsent im Verkehrsbild. Zum Vergleich: Autofahrende haben einen Anteil von rund 40 Prozent, Fußgängerinnen und Fußgänger von knapp 21 Prozent. „Radfahrende haben in Bremen ein gutes Standing, sie sind akzeptiert, die Autofahrenden achten auf sie“, sagt Frauke Maack vom Bremer ADFC.

3.              Bundesweit erstes Fahrradmodellquartier

Bremen hatte bundesweit das erste Fahrradmodellquartier. Dieses Quartier wurde als Fahrradzone fahrradfreundlich geplant, dort haben Fahrräder Vorrang vor Autos, es gibt Fahrradstellplätze und Carsharing-Angebote, eine gute ÖPNV-Anbindung, und es gilt Tempo 30. Mit dieser ersten Fahrradzone Deutschlands hat Bremen den Deutschen Fahrradpreis 2018 gewonnen, und es gibt inzwischen sogar ein eigenes Verkehrsschild dafür: Nummer 244.3. Derzeit gibt es in Bremen zwei Fahrradquartiere, weitere sind geplant. 

4.              Geschützte Radspur

Eine Maßnahme wird im Moment viel diskutiert: An zwei Orten in der Stadt gibt es Versuchsstrecken für eine geschützte Fahrradspur. Die Idee wird auch in anderen Städten ausprobiert. In Bremen wird dafür ein Teil der Fahrbahn für den Radverkehr reserviert. Widerstand gebe es zum Beispiel von Vertreterinnen und Vertretern des Einzelhandels, sagt Frauke Maack vom Bremer ADFC. „Die autoarme Innenstadt wird sehr kontrovers diskutiert. Da können wir noch viel von den Niederländern und den Dänen lernen, die setzen das um.“

Radfahrende haben in Bremen einen Anteil von knapp 25 Prozent am Gesamtverkehr.

5.              Großes Radwegenetz

Es gibt viele Radwege in Bremen, insgesamt ist das Radwegenetz der Stadt Bremen 720 Kilometer lang. Nicht alle Radwege entsprechen modernen Standards: Sie sind oft schmaler als moderne Radwege, die heutzutage so geplant werden, dass Fahrerinnen und Fahrer von Lastenrädern, Fahrrädern mit Anhängern und auch mit schnelleren E-Bikes dort gemeinsam mit anderen Fahrradfahrern bequem unterwegs sein können. Ein Ausbau ist geplant, genauso wie Radschnellwege. Einzelne Abschnitte gibt es bereits, nur sind sie noch nicht vollständig miteinander verbunden. Sie führen auch über die Landesgrenze hinein nach Niedersachsen. Außerdem gibt es in Bremen mehrere Fahrradstraßen. Dort haben Radfahrende stets Vorrang vor Autofahrenden.

6.              Sichere und trockene Fahrradstellplätze

In der Innenstadt gibt es sehr viele Fahrradstellplätze, auch breitere für Lastenräder oder Fahrräder mit Anhängern. Eine Besonderheit für Pendlerinnen und Pendler ist das Fahrradparkhaus am Bremer Hauptbahnhof, das es bereits seit 1981 gibt. Es war das erste seiner Art in Deutschland. Und auch in der Innenstadt gibt es einige Parkhäuser, die extra Bereiche für Fahrräder haben. Für Radfahrende gibt es einen gesonderten Eingang, sie können ihre Räder im Parkhaus trocken und sicher abstellen. Dieses Angebot soll weiter ausgebaut werden. 

Es bleibt einiges zu tun

Die sechs beschriebenen Maßnahmen zeigen, dass die Entscheiderinnen und Entscheider der Hansestadt gewillt sind, in Fahrradsicherheit zu investieren. So stehen weitere Planungen an bzw. sind schon weitere Maßnahmen in der Umsetzung:

1.              Parken von Pkw nur für Anwohnerinnen und Anwohner

Auch in Bremen ärgern sich Radfahrende über zugeparkte Fahrradwege. Eine Lösung soll das Parken für Anwohnerinnen und Anwohner sein. Sie können einen Parkausweis beantragen. Wer nicht in dem Viertel wohnt, in dem er parken will, muss deutlich mehr für einen Parkplatz zahlen als bisher. So bleiben die Parkplätze für die Anwohnerinnen und Anwohner frei, weniger Pkw-Fahrende weichen zum Parken auf unzulässige Flächen ­– also beispielsweise Radwege – aus.

2.              Verbot für Lkw ohne Abbiegeassistenten

Fahrradfahren in Bremen soll sicherer werden. Eine typische Gefahrensituation für Radfahrende ist folgende: Ein Lkw oder ein anderes großes Fahrzeug will rechts abbiegen, der Fahrradfahrende geradeaus weiterfahren. In solchen Situationen kommt es oft zu schweren Unfällen, in Bremen endete 2020 einer davon tödlich. Es gibt viele Ansätze, die Zahl dieser Unfälle zu verringern. Eine Erwägung ist, nur noch Lkw in die Stadt zu lassen, die über einen Abbiegeassistenten verfügen, um solche Rechtsabbiege-Unfälle in Zukunft zu verhindern. Inzwischen sind in der Stadt die neueren Busse und die Müllautos mit Abbiegeassistenten ausgestattet.

Bilder: Shutterstock, BMDV

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