Fehler beim Abbiegen

Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Ein- und Anfahren sind die häufigste Ursache bei Unfällen mit Personenschaden.

15. September 2020

264.499 Verkehrsunfälle mit Personenschaden ereigneten sich 2020 in Deutschland. Häufigstes Fehlverhalten der Unfallbeteiligten war fehlerhaftes Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie Ein- und Anfahren (49.470 Fälle). Dabei starben 287 Menschen. 86 Prozent dieser Unfälle ereigneten sich innerorts. Das geht aus den Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Unterlassenes Blinken, fehlender Schulterblick


Während die Zahl der Verkehrstoten 2020 um etwa 10,7 Prozent auf insgesamt 2.719 Personen sank, hat sich ebenfalls die Zahl der polizeilich erfassten Verkehrsunfälle auf insgesamt 2.245.245 reduziert – ein Minus von 16,4 Prozent gegenüber 2019. Für die weiterhin hohe Zahl an Unfällen und Getöteten machen Unfallforscher mehrere Ursachen verantwortlich: Viele Verkehrsteilnehmer sind im Straßenverkehr abgelenkt, oft durch das Nutzen eines Smartphones. Trotz Verbots benutzen zahlreiche Autofahrer ihr Handy ohne Freisprechanlage. Außerdem missachten viele Fahrer grundlegende Regeln: So unterlassen sie beim Abbiegen den vorgeschriebenen Schulterblick. Das kann gerade in unübersichtlichen Verkehrssituationen fatale Folgen haben: Parkende Pkw und eine wachsende Zahl von Lieferfahrzeugen schränken innerorts vor allem an Kreuzungen und Einmündungen die Sicht zu Fußgängern und Radfahrern ein. Hinzukommt, dass auch Fußgänger oft unaufmerksam sind.

Abbiegeunfälle mit schwächeren Verkehrsteilnehmern


Radfahrer, Fußgänger und Kraftradfahrer sind besonders durch Abbiegeunfälle gefährdet, da sie sich weitestgehend ungeschützt im Verkehr bewegen. Insgesamt starben 41 Verkehrsteilnehmer im Jahr 2020 bei Abbiegefehlern nach rechts, 133 Personen kamen aufgrund von Abbiegefehlern nach links ums Leben.


Keine Altersgruppe sticht heraus


Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren: Verfehlungen dieser Art registrierte die Polizei 49.470 Mal bei Unfällen mit Personenschaden. Von diesen Fehlern gingen 7.998 auf das Konto der 45- bis 54-jährigen Fahrer. Allerdings repräsentiert diese Altersgruppe auch den größten Anteil in der Bevölkerung. An zweiter Stelle stehen die 55-64-Jährigen (7.848), gefolgt von den 25-34-Jährigen (7.792). Größere Unterschiede gibt es bei der Art der Verkehrsbeteiligung: So listet die Statistik bei Pkw-Fahrern die meisten Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren (38.585). 5.296 Fehler dieser Art hat die Polizei bei Radfahrern registriert, 3.123 bei Fahrern von Güterkraftfahrzeugen.

Die drei häufigsten Fehler in dieser Kategorie waren 2019 bei Unfällen mit Personenschaden über alle Altersgruppen und Verkehrsmittel hinweg:

  • Abbiegen nach links (18.778)
  • Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr (13.301)
  • Abbiegen nach rechts (9.396)

So vermeiden Auto- und Lkw-Fahrer Abbiegeunfälle

  • Wenden Sie als Autofahrer beim Rechtsabbiegen stets den Schulterblick an. Achten Sie dabei auf Fußgänger sowie von hinten herannahende Radfahrer. Setzen Sie rechtzeitig vor dem Abbiegen den Blinker, damit hinter Ihnen fahrende Verkehrsteilnehmer bremsbereit sind. Denken Sie auch an abknickenden Vorfahrtstraßen und bei der Ausfahrt aus einem Kreisverkehr stets ans Blinken.
  • Bleiben Sie beim Abbiegen bremsbereit und rechnen Sie jederzeit mit herannahenden Radfahrern und Fußgängern.
  • Schauen Sie als Lkw-Fahrer vor jedem Abbiegen in alle Spiegel. Nehmen Sie beim Abbiegen an Kreuzungen Blickkontakt mit Fußgängern und Radfahrern auf. Ein elektronischer Abbiegeassistent kann Unfälle vermeiden, verlassen Sie sich aber niemals ausschließlich auf die Technik.
  • Fahrzeuge, die über 3,5 Tonnen wiegen, dürfen nur in Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen. Bei Missachtung droht ein Bußgeld in Höhe von 70 Euro und ein Punkt im Fahreignungsregister.
  • Vermeiden Sie das Wenden über mehrere Fahrspuren hinweg. Hierbei kommt es immer wieder zu Unfällen mit dem Gegenverkehr oder mit anderen geradeaus fahrenden Fahrzeugen.
  • Konzentrieren Sie sich auf den Verkehr. Der Griff zum Smartphone ist am Steuer verboten.

So vermeiden Radfahrer und Fußgänger Abbiegeunfälle

  • Autofahrer und besonders Führer von Güterkraftwagen haben nur einen sehr eingeschränkten Rundumblick. Deshalb sollten Sie als Radfahrer vermeiden, sich im toten Winkel aufzuhalten bzw. im Zweifel auf die Vorfahrt verzichten. Sie sollten defensiv agieren und fahren erst an Fahrzeugen rechts vorbei, wenn Sie – möglichst durch Blickkontakt – sichergestellt haben, dass Sie wahrgenommen wurden. Das gilt auch für Fußgänger.
  • Benutzen Sie den Radweg und fahren Sie in der vorgegebenen Richtung. Autofahrer rechnen selten mit entgegenkommenden Radfahrern auf ihrer Seite.
  • Bei Dunkelheit und schlechter Sicht hilft Ihnen als Radfahrer oder Fußgänger Kleidung oder Zubehör mit reflektierenden und fluoreszierenden Materialien. 
  • Auch als Radfahrer oder Fußgänger gilt: volle Konzentration auf den Verkehr. Lassen Sie Ihr Smartphone in der Tasche.

So werden Unfalldaten erhoben

Polizeibeamte tragen die Ursachen eines Verkehrsunfalls in ein sogenanntes Erhebungspapier ein. Dabei greifen sie auf ein seit 1975 geltendes Ursachenverzeichnis zurück. Wichtig: Die Beamten können pro Unfall zwei allgemeine Ursachen angeben, beispielsweise Straßenverhältnisse, Witterungseinflüsse oder Hindernisse. Ebenso können sie dem Hauptverursacher und einem weiteren Beteiligten jeweils bis zu drei personenbezogene Fehler zuschreiben. Dieses sogenannte personenbezogene Fehlverhalten umfasst beispielsweise das Missachten der Vorfahrt, Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit und falsche Straßenbenutzung. Pro Unfall sind demnach bis zu acht Unfallursachen möglich. Das erklärt, warum die Statistik 2020 mehr personengebundene Verfehlungen von Beteiligten (320.946) als Unfälle mit Personenschaden (264.499) aufweist. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erhält und erfasst alle Daten aus den Bundesländern und erstellt die bundesweite Verkehrs- und Unfallstatistik.

Begriffsdefinitionen

  • Unfälle mit Personenschaden ...

... sind Alleinunfälle oder Zusammenstöße, bei denen Personen verletzt oder getötet werden.

  •  Schwerwiegende Unfälle mit Sachschaden ...

... sind Unfälle, bei denen als Unfallursache eine Ordnungswidrigkeit (Bußgeld) oder Straftat vorliegt und bei denen gleichzeitig ein Kraftfahrzeug aufgrund eines Unfallschadens von der Unfallstelle abgeschleppt werden muss. Das gilt z. B. auch für Fälle, bei denen der Fahrer unter dem Einfluss berauschender Mittel steht.

  • Verunglückte ...

... sind Personen (auch Mitfahrer), die bei einem Unfall verletzt oder getötet werden. Verunglückte werden auch als Verkehrsopfer oder Unfallopfer bezeichnet.

  • Getötete ...

... sind Personen, die innerhalb von 30 Tagen an den Folgen eines Unfalls sterben.

  • Schwerverletzte ...

... sind Personen, die unmittelbar für mindestens 24 Stunden zur stationären Behandlung in einem Krankenhaus aufgenommen werden.

  • Leichtverletzte ...

... sind Personen mit allen anderen Arten von körperlichen Schäden, die durch einen Unfall verursacht werden.

  • Beteiligte ...

... werden alle Fahrzeugführer oder Fußgänger genannt, die selbst (oder deren Fahrzeug) Schaden erlitten oder hervorgerufen haben. Verunglückte Mitfahrer zählen demnach nicht zu den Unfallbeteiligten.

  • Vorfahrtunfälle …

… sind Unfälle, bei denen ein Fahrzeugführer einem anderen an sich kreuzenden Fahrbahnen oder Einmündungen die Vorfahrt nimmt.

  • Vorrangunfälle …

… sind Unfälle, bei denen ein Fahrzeugführer den Vorrang eines anderen
Verkehrsteilnehmers missachtet, beispielsweise ein Pkw-Fahrer ein
Schienenfahrzeug an einem Bahnübergang.

Weitere Informationen zum Thema Abbiegen gibt es auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Verkehrswacht.

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