Motorrad fahren verbindet ein besonderes Fahrerlebnis mit Verantwortung. Auf dieser Seite finden Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer Antworten auf zentrale Fragen: von der Fahrerlaubnis (Klasse B196, A1, A2, A) über den Saisonstart und die Winterpause bis zu Sicherheitstraining, Schutzkleidung und Gruppenfahrten. Damit alle ihre Tour genießen – und ohne Unfall nach Hause kommen.
- Führerschein: Mehrere Fahrerlaubnisklassen ermöglichen die Mobilität auf dem Motorrad. Klasse A ist der komplette Motorradführerschein. Mit A2 können Sie kleinere Maschinen bewegen, mit A1 schon ab 16 Jahren fahren – und mit der Schlüsselziffer 196 den Autoführerschein für bestimmte Motorräder erweitern.
- Winterpause: Die meisten Motorräder stehen im Winter. Diese Pause sollten sie in einer Garage oder unter einem speziellen Überzug verbringen – mit ausgebauter Batterie oder verbunden mit einem Batterieerhaltungsgerät. Trotz Schutz: Führen Sie einen technischen Check durch, wenn Sie Ihr Motorrad aus dem Winterschlaf holen.
- Saisonstart: Nach monatelanger Pause sollten Bikerinnen und Biker ihr Comeback vorsichtig angehen. Ein Tipp: Fahren Sie die ersten Kilometer bestenfalls abseits vom regulären Verkehr. Belegen Sie idealerweise ein Motorradsicherheitstraining. Für den ersten Ausflug sollten Sie eine kurze Tour wählen.
Warum Motorrad fahren besondere Aufmerksamkeit erfordert
Motorrad fahren ist für viele vor allem eines: echte Leidenschaft. Fahrtwind, Kurven, das unmittelbare Zusammenspiel von Körper und Maschine und das Gefühl von Freiheit machen den besonderen Reiz aus.
Wie gefährlich ist Motorrad fahren?
Motorradfahrende gehören zu den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmenden. Sie haben keine Knautschzone und verunglücken häufiger schwer bei Unfällen.
Die aktuellen Zahlen aus der Verkehrsstatistik von 2025 zeigen: Im Jahr 2024 kamen 513 Menschen, die auf einem Motorrad unterwegs waren, ums Leben. Hinzu kamen 41 Getötete auf Krafträdern mit Versicherungskennzeichen, also Mofas oder Roller bis 50 cm3Hubraum. Die meisten Motorradunfälle ereignen sich im Frühling und im Sommer. Von November bis Februar passiert kaum etwas – weil kaum Motorräder unterwegs sind.
Darf man mit dem Autoführerschein Motorrad fahren?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen berechtigt der Pkw-Führerschein zum Motorrad fahren. Dies betrifft Menschen, die vor dem 1. April 1980 eine Fahrerlaubnis der Klasse 2, 3 oder 4 erworben haben – beziehungsweise eine entsprechende Fahrerlaubnis der ehemaligen DDR. Sie sind heute dazu berechtigt, Leichtkrafträder der Klasse A1 mit bis zu 125 cm3 Hubraum zu führen. Diese etwas kleineren Motorräder werden auch „125er-Motorräder“ genannt.
Führerschein für Motorrad: Was ist die Schlüsselziffer 196?
Auch Inhaberinnen und Inhaber eines neuen Pkw-Führerscheins können vereinfacht an einen „kleinen Motorradführerschein“ kommen. Sie können die Fahrerlaubnis der Klasse B um die Schlüsselziffer 196 erweitern. Mit B196 dürfen sie innerhalb Deutschlands ebenfalls Motorräder bzw. Motorroller der Klasse A1 (bis 125 cm3) fahren.
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Die Voraussetzungen, um die Klasse-B-Fahrerlaubnis um die Schlüsselziffer 196 zu erweitern:
- Mindestalter 25 Jahre
- Fahrerlaubnis Klasse B seit mindestens fünf Jahren
- Teilnahme an einer Schulung von mindestens 13,5 Zeitstunden, die neun theoretische und praktische Einheiten umfassen
Eine Fahrlehrerin oder ein Fahrlehrer muss den erfolgreichen Abschluss der Schulung bestätigen. Eine Prüfung ist hingegen nicht erforderlich. Ist die Schlüsselziffer 196 dann eingetragen, darf die Inhaberin oder der Inhaber des Führerscheins allein ein „125er-Motorrad“ steuern.
Gemeinsam Motorrad fahren ist beliebt
B196: Welche Einschränkungen gibt es fürs Motorradfahren mit Autoführerschein?
Vorsicht: Mit B196 sind Touren durch Österreich oder Dänemark tabu. B196 gilt generell nur in Deutschland. Inhaberinnen und Inhaber müssen außerdem auf die technischen Details ihres Zweirads achten. Wer mit der Schlüsselziffer 196 unterwegs ist, darf Leichtkrafträder (plus Beiwagen) fahren
- mit einem Hubraum von maximal 125 cm3,
- mit einer Motorleistung bis 11 kW,
- mit einem Verhältnis von Motorleistung zum Gewicht des Leichtkraftrads von maximal 0,1 kW pro kg.
Die Schlüsselziffer 196 entspricht nicht der Führerscheinklasse A1, die junge Fahrende bereits ab 16 Jahren erwerben können. Weil es keinem A1-Führerschein entspricht, ist die Erweiterung auf die Klasse A2 ausgeschlossen.
Die Führerscheinklassen für Motorräder im Überblick
| Klasse | Mindestalter | Fahrzeuge | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| AM | 16 | Bis 50 cm3, max. 45 km/h | Moped, Roller mit Versicherungskennzeichen |
| A1 | 16 | Bis 125 cm3, max. 11 kW Leistung | Verhältnis Leistung/Gewicht max. 0,1 kW/kg |
| A2 | 18 | Bis 35 kW | Verhältnis Leistung/Gewicht max. 0,1 kW/kg, nach 2 Jahren Aufstieg zu A möglich |
| A | 20 Jahre (wenn A2 seit 2 Jahren), 24 | Alle Motorräder ohne Begrenzung | Fahrerlaubnis für alle Motorräder |
| B196 | 25 | Wie A1, nur in Deutschland gültig | Erweiterung des Autoführerscheins (Klasse B) |
| Mofa | 15 | Max. 25 km/h | Keine Fahrerlaubnis erforderlich, stattdessen Prüfbescheinigung |
Wie fährt man bei Regen oder Nässe sicherer Motorrad?
Wer auch bei Regen Motorrad fahren möchte oder muss, sollte vor allem die Ruhe bewahren. Nicht schnell raus aus dem Regen – lieber nass, aber dafür sicher ankommen. Beim Fahren auf nasser Fahrbahn gilt:
- Wählen Sie bei modernen Motorrädern den entsprechenden Fahrmodus, zum Beispiel „Rain“ (engl.: Regen).
- Machen Sie sanfte Gas-, Brems- und Lenkbewegungen.
- Halten Sie mehr Abstand und fahren Sie noch vorausschauender.
- Meiden Sie Bitumenstreifen, Gullydeckel und Fahrbahnmarkierungen – sie werden rutschig.
Nach der Regenfahrt oder wenn man das Motorrad im Regen stehen lassen musste, lohnt es sich, die Bremsen im Trockenen anzuziehen, um restliches Wasser zu entfernen.
Motorrad fahren im Winter: Was Motorradfahrende beachten sollten
Bei Schnee und Eis gehören Motorräder in die Garage. Unabhängig von der Saison – aber insbesondere im Winter – gilt vor dem Motorradfahren:
- Reifendruck und Profil prüfen: Kälte verhärtet den Reifengummi. Die Haftung geht verloren, sodass behutsames Fahren noch wichtiger ist. Fahren Sie insbesondere in der Kälte nicht mit abgenutzten Reifen.
- Kleidung nach dem Zwiebelprinzip tragen: Hier eignen sich Funktionsunterwäsche, eine wärmende Zwischenschicht und wind- und wasserdichte Motorradkleidung. Dazu Winterhandschuhe, wasserdichte Stiefel und ein Helm mit beschlaggeschütztem Visier tragen.
- Fahrtechnik anpassen: Langsam und vorausschauend fahren, größere Sicherheitsabstände einhalten und extreme Schräglagen vermeiden. Besondere Vorsicht gilt an Brücken, schattigen Stellen und Waldrändern – dort droht Glätte.
- Für Sichtbarkeit sorgen: Kleidung und Zubehör mit reflektierendem und fluoreszierendem Material tragen. Abblendlicht, Fernlicht, Bremslicht und Blinker vor jeder Fahrt kontrollieren.
Wann beginnt die Motorradsaison?
Der Saisonstart liegt meist zwischen März und April, abhängig von den Wetterbedingungen. Wenn im Frühjahr die Tage wärmer werden, zieht es Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer wieder auf ihre Maschinen.
Nach Monaten ohne Fahrpraxis sollten Bikerinnen und Biker vorsichtig sein: Viele müssen sich erst langsam wieder an das Motorrad und seine Fahreigenschaften gewöhnen. Dafür ist auch die persönliche Vorbereitung unerlässlich: Nach der Pause sollten sich auch langjährige Zweiradprofis wieder physisch, psychisch und kognitiv aufs Motorrad fahren einstellen.
Fit in die Motorradsaison
Ausführliche Tipps für den Beginn der Saison: So starten Motorradfahrende sicher durch.
So werden Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer fit für die neue Saison
Das Motorradfahren im Winter ist möglich. Doch bei den meisten überwintert das Bike in der Garage. Um zum Start in die neue Saison wieder ein Fahrgefühl für das Motorrad aufzubauen, empfehlen Fachleute mindestens einige Motorradübungen auf einem Verkehrsübungsplatz, einem geeigneten Gelände oder noch besser eine Teilnahme an einem Motorradsicherheitstraining.
Vor der ersten großen Tour des Jahres sollten Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer zunächst kürzere Fahrten unternehmen. Auf kurzen Fahrstrecken lässt sich behutsam wieder ein Gefühl für sicheres Fahren aufbauen. Hierzu gehören vorausschauendes Fahren und ein guter Rundumblick: Auf was fahre ich zu, was passiert neben und hinter mir? Zusätzlich sollten alle, die aufs Motorrad zurückkehren, auf ihre Fitness achten. Einfache Übungen wie Liegestütze, Kniebeugen und Sit-ups für mehr Kraft und Beweglichkeit helfen, Maschinen besser zu kontrollieren.
Wie werden Gruppenausfahrten mit dem Motorrad sicherer?
Motorrad in der Gruppe fahren: innerorts 15 Meter Abstand, außerorts halben Tachowert in Metern.
Bei Gruppenausfahrten ganz wichtig:
- Besprechen Sie vor Antritt der Fahrt Regeln, die in der Gruppe gelten sollen.
- Fahren Sie lieber in kleinen Gruppen, um die Übersicht zu wahren.
- Überholen Sie sich nicht gegenseitig, weil dies häufig zu Unfällen führt.
- Halten Sie sich an Tempolimits und bleiben Sie stets bremsbereit.
Tipps für sichere Motorradkleidung
Helme sollten der „ECE 22-05“-Norm entsprechen. Ihr Helm sollte eng anliegen, ohne zu drücken, und für optimalen Schutz ein Vollvisier bieten. Tauschen Sie den Helm nach einem Unfall sofort aus!
Bedecken Sie den gesamten Körper mit Kleidung. Lederanzüge bieten exzellenten Schutz vor Abrieb und Stürzen.
Tragen Sie integrierte, CE-zertifizierte Protektoren an Schultern, Ellbogen und Knien. Hüft- und Rückenprotektoren bieten zusätzlichen Schutz. Handschuhe sind ein Muss und sollten Verstärkungen an Handballen, Fingerknöcheln und Innenhand haben. Ihre Stiefel sollten angenehm zu tragen sein, damit Sie Bremse und Schalthebel sicher bedienen können.
Eine weitere wirksame Sicherheitsfunktion: der automatische Notruf nach einem Unfall. Sogenannte eCall-Systeme sind bei neuen Pkw inzwischen Standard. Der eCall für Motorräder ist hingegen keine Pflicht, jedoch in vielen Fällen nachrüstbar. Das System ruft die nächste Rettungsleitstelle, auch wenn die Fahrerin oder der Fahrer alleine unterwegs ist und nicht mehr in der Lage ist, zu telefonieren.
eCall fürs Motorrad
Winterpause: So ist das Motorrad gut geschützt
Wenn sich der Winter nähert, endet die Motorradsaison. Um Stand- und Wetterschäden an der Maschine während der kalten Jahreszeit zu vermeiden, helfen folgende Maßnahmen:
- Trockene Garage: das Bike geschützt vor Wind und Wetter unterstellen
- Plane bei Außenlagerung: Eine atmungsaktive Abdeckung schützt vor Umwelteinflüssen
- Batterie ausbauen: kühl lagern und Pflegehinweis des Herstellers beachten oder
- Ein Batterieerhaltungsgerät anschließen: hält die Batterie über den Winter automatisch auf optimalem Ladestand
- Ölwechsel vor dem Winterlager
- Reifendruck erhöhen
Was muss man am Motorrad nach dem Winter prüfen?
Bevor Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer in die neue Saison starten, sollten sie ihr Bike einem Technik-Check unterziehen:
- Verschleißteile: Sind alle in Ordnung?
- Beleuchtung und Bremsen: Funktionieren sie einwandfrei?
- Elektronik: Reagieren Kill- und Kupplungsschalter?
- Füllstände: Reichen Öl, Kühl- und Bremsflüssigkeit sowie Batterieladung?
- Reifen: Haben sie die gesetzlich vorgeschriebene Profiltiefe? Diese beträgt mindestens 1,6 Millimeter an der am stärksten abgefahrenen Stelle. Besser sind mindestens 3 Millimeter, bei Touren in kaltem Wetter sogar 4 Millimeter.
- Reifendruck: Ist er wie vom Hersteller empfohlen?
Tipp zum Motorradölstand prüfen: Stellen Sie die Maschine auf ebenen Untergrund und warten Sie zehn Minuten. Ist der Motor heiß, warten Sie 20 Minuten. Lesen Sie den Ölstand am Schauglas oder Messstab ab. Er sollte zwischen Minimum und Maximum liegen.
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