Runter vom Gas - Logo
BMVI - LogoDVR - Logo

Ablenkung am Lenkrad

Unaufmerksamkeit ist die Hauptursache bei mindestens zehn Prozent aller Unfälle mit Personenschaden.

15. September 2020

Laut einer repräsentativen Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT), 2016, gehört Ablenkung während der Fahrt zu den häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr. Bei mindestens zehn Prozent aller Unfälle mit Personenschaden ist Ablenkung die Hauptunfallursache, bei rund 30 Prozent aller Unfälle spielt sie zumindest eine Rolle.

Da die Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes „Ablenkung“ nicht als Unfallursache führt, existieren keine jahresaktuellen Zahlen zu den Unfällen und Verunglückten aufgrund von Ablenkung im Straßenverkehr. Jedoch bestätigen verschiedenste Studien die enorme Gefahr, die von unaufmerksamen Fahrern ausgeht. Die Autoren der Studie des AZT haben Autofahrer in Deutschland zu Tätigkeiten befragt, die sie während der Fahrt ablenken. Die Ergebnisse (Mehrfachnennungen waren möglich): 84 Prozent aller Fahrer sagen, dass sie schon einmal durch Stress mit dem Beifahrer, die Beschäftigung mit Kindern oder anderen Interaktionen abgelenkt gewesen seien. Fast jeder zweite Autofahrer (46 Prozent) gibt an, unterwegs am Steuer das Handy zu nutzen. 41 Prozent essen, trinken oder rauchen. Fast jeder Dritte (30 Prozent) schnallt sich erst nach dem Losfahren an oder stellt während der Fahrt den Spiegel oder den Sitz ein.

Dabei erhöhen selbst „scheinbar harmlose Aktivitäten“ die Unfallgefahr, so Jörg Kubitzki, Unfallforscher am AZT. Schon indirekte Ablenkung, etwa durch telefonierende oder im Internet surfende Beifahrer, könne die Aufmerksamkeit des Fahrers binden und nachweislich die Unfallgefahr erhöhen. Die Experten des AZT errechneten, dass etwa jeder zehnte Verkehrstote auf Ablenkung zurückgeht.

Eine Sekunde Ablenkung, viele Meter Blindfahrt

  • Bei Tempo 50 bedeutet eine Sekunde Ablenkung 14 Meter Blindfahrt. 
  • Bei Tempo 100 bedeutet eine Sekunde Ablenkung 28 Meter Blindfahrt. 
  • Bei Tempo 130 bedeutet eine Sekunde Ablenkung 36 Meter Blindfahrt. 

Junge Fahrer lassen sich besonders häufig ablenken


An der Untersuchung nahmen rund 1.000 Fahrer aus Deutschland teil. Der Vergleich von Fahrern, die Unfälle angegeben hatten und Fahrern ohne Unfälle, zeigt: Die befragten Autofahrer, die laut eigener Einschätzung öfter abgelenkt sind, hatten im Erhebungszeitraum auch häufiger Unfälle als die nach eigenen Angaben weniger abgelenkten Fahrer. Ein weiteres Ergebnis: Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren lassen sich besonders häufig im Straßenverkehr ablenken. Und: Männer nehmen im Straßenverkehr häufiger das Telefon zur Hand als Frauen. Während 58,7 Prozent der befragten Fahrer erklären, dass sie am Steuer niemals ein Handy in der Hand halten, behaupteten das nur 48,7 Prozent der befragten Männer. Mehr als jeder zweite männliche Autofahrer greift also verbotenerweise zum Telefon.

Die häufigsten Ablenkungsfaktoren

Ablenkung durchHäufigkeit in Prozent
Interaktion mit anderen Personen im Auto84
Benutzung von Fahrzeugtechnik außer Navi (z. B. Radio, Bordcomputer, MP3-Player, Kamera)74
Benutzung Navigationssystem63
Telefonieren (Handy mit Freisprechanlage)49
Mobiltelefon oder Tablet nutzen mit Verstoß gegen §23 Abs. 1a StVO46

Autofahrer halten Mobiltelefone für größte Gefahrenquelle


Laut einer repräsentativen Umfrage mit 2.500 Teilnehmern über 18 Jahren in Deutschland, die das Meinungsforschungsinstitut Kantar TNS im August 2017 im Auftrag von „Runter vom Gas“ durchgeführt hat, stufen 92 Prozent der Befragten den Gebrauch von Mobiltelefonen im Straßenverkehr als gefährlich ein. Fast jeder Dritte (29 Prozent) hält das Bedienen von Mobiltelefonen am Steuer sogar für die größte Gefahrenquelle.


Ältere Autofahrer weniger von elektronischen Geräten abgelenkt


Mit zunehmendem Alter sinkt die Nutzung elektronischer Geräte während der Fahrt. Die AZT-Studie fand heraus: 27,5 Prozent der Befragten über 65 Jahre telefonieren am Steuer, bei den 25- bis 64-Jährigen sind es 54,3 Prozent und in der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren sogar 61,4 Prozent.

Verfügbarkeit elektronischer Geräte im Auto in Prozent

18-24 J.25-64 J.älter als 64 J.
Mobiltelefon (insgesamt)969277
Smartphone777029
einfaches Handy262954
Freisprechanlage554523
Tragbare akustische Abspielgeräte311811
Eingebaute akustische Abspielgeräte816946
Navigationssystem666448
Bordcomputer (insgesamt)384023
mit Touchscreen282614
mit Drehregler253623
mit Tasten666177
Autoradio769191
Fahrerassistenzsystem (Warnfunktion)454024

Kinder imitieren Verhalten ihrer Eltern


Die AZT-Studie zeigt außerdem, wie das Verhalten von Erwachsenen im Straßenverkehr Kinder beeinflusst. So haben die Autoren beispielsweise festgestellt, dass Kinder von Eltern, die sich erst während der Fahrt anschnallten, dieses Verhalten übernehmen. „Eltern sollten sich im Klaren sein, dass sie mit ihrem eigenen Verhalten auch das Sicherheitsbewusstsein ihrer Kinder beeinflussen“, so Kubitzki.

Das können Sie gegen Ablenkung tun

  • Viele ablenkungsbezogene Unfälle werden durch scheinbar harmlose Handlungen ausgelöst. Dazu zählen beispielsweise das Einstellen von Innen- und Außenspiegeln sowie der richtigen Sitzposition. Das sollten Sie alles erledigen, bevor die Fahrt beginnt. Gleiches gilt für das Anlegen des Sicherheitsgurts.
  • Geben Sie Ihre Route für den Tag inklusive aller Zwischenziele schon vor Abfahrt in das Navigationssystem ein. Beachten Sie: Das Hantieren mit Smartphones, MP3-Playern, Tablets und anderen tragbaren elektronischen Geräten während der Fahrt ist für den Fahrer verboten, weil es nachweislich vom Fahrgeschehen ablenkt.
  • Heben Sie während der Fahrt keine heruntergefallenen Gegenstände auf.
  • Kuscheltiere und Trinkflaschen von Kindern sollten Sie so unterbringen, dass sie nicht im Auto herumfliegen können. Üben Sie spielerisch das Anschnallen des Kuscheltiers, damit Ihr Kind die Regeln für Sicherheit im Auto früh erlernt.
  • Nehmen Sie sich die Zeit für eine Fahrpause, wenn Sie mit Ihrem Beifahrer oder einem Anrufer wichtige Dinge besprechen möchten. Auch das Telefonieren über eine Freisprechanlage lenkt ab. Das gilt insbesondere für emotionale Themen.
  • Schalten Sie Ihr Handy in den Flugmodus oder ganz aus, damit es Sie nicht ablenken kann.
  • Bitten Sie Ihre Beifahrer gegebenenfalls, Aktivitäten wie lautes Telefonieren, die Sie vom Fahrgeschehen ablenken können, zu vermeiden.

Begriffsdefinitionen

  • Unfälle mit Personenschaden ...

... sind Alleinunfälle oder Zusammenstöße, bei denen Personen verletzt oder getötet werden.

  •  Schwerwiegende Unfälle mit Sachschaden ...

... sind Unfälle, bei denen als Unfallursache eine Ordnungswidrigkeit (Bußgeld) oder Straftat vorliegt und bei denen gleichzeitig ein Kraftfahrzeug aufgrund eines Unfallschadens von der Unfallstelle abgeschleppt werden muss. Das gilt z. B. auch für Fälle, bei denen der Fahrer unter dem Einfluss berauschender Mittel steht.

  • Verunglückte ...

... sind Personen (auch Mitfahrer), die bei einem Unfall verletzt oder getötet werden. Verunglückte werden auch als Verkehrsopfer oder Unfallopfer bezeichnet.

  • Getötete ...

... sind Personen, die innerhalb von 30 Tagen an den Folgen eines Unfalls sterben.

  • Schwerverletzte ...

... sind Personen, die unmittelbar für mindestens 24 Stunden zur stationären Behandlung in einem Krankenhaus aufgenommen werden.

  • Leichtverletzte ...

... sind Personen mit allen anderen Arten von körperlichen Schäden, die durch einen Unfall verursacht werden.

  • Beteiligte ...

... werden alle Fahrzeugführer oder Fußgänger genannt, die selbst (oder deren Fahrzeug) Schaden erlitten oder hervorgerufen haben. Verunglückte Mitfahrer zählen demnach nicht zu den Unfallbeteiligten.

  • Vorfahrtunfälle …

… sind Unfälle, bei denen ein Fahrzeugführer einem anderen an sich kreuzenden Fahrbahnen oder Einmündungen die Vorfahrt nimmt.

  • Vorrangunfälle …

… sind Unfälle, bei denen ein Fahrzeugführer den Vorrang eines anderen
Verkehrsteilnehmers missachtet, beispielsweise ein Pkw-Fahrer ein
Schienenfahrzeug an einem Bahnübergang.

Weitere Informationen zum Thema Ablenkung im Straßenverkehr gibt es auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Verkehrswacht.

RvG LogoBMVI LogoDVR Logo