Vorfahrt/Vorrang

Vorfahrtsfehler sind zweithäufigste Ursache für Unfälle mit Personenschaden.

15. September 2020

Die große Mehrheit (91,4 Prozent) aller Unfälle mit Personenschaden im Jahr 2020 war auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Das geht aus den Auswertungen des Statistischen Bundesamts hervor. Die häufigsten Fehler traten beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren auf. Zweithäufigste Unfallursache war das Missachten der Vorfahrt beziehungsweise des Vorrangs. 43.378 solcher Fehler machten Verkehrsteilnehmer bei Unfällen mit Personenschaden bzw. 274 bei Unfällen mit Getöteten.

Die meisten Vorfahrts- und Vorrangunfälle ereignen sich innerorts

Vorfahrts- und Vorrangunfälle sind vor allem ein innerstädtisches Problem: 43.378 Fehler dieser Art machten Verkehrsteilnehmer 2020, davon 32.732 innerorts – 75,5 Prozent! Außerdem sind Vorfahrtsverletzungen die zweithäufigste Unfallursache innerorts. In etwa jede siebte Unfallursache (15 Prozent) innerhalb geschlossener Ortschaften war ein Vorfahrts- oder Vorrangfehler. 


228 Radfahrer starben bei Unfällen mit Pkw und Lkw

Immer wieder stehen Vorfahrts- und Vorrangunfälle zwischen motorisierten Verkehrsteilnehmern und Fahrradfahrern im Fokus der Öffentlichkeit. Laut Statistischem Bundesamt lag 2020 bei Fahrradunfällen mit Personenschaden in rund 81 Prozent der Fälle die Hauptschuld bei Fahrern des Güterkraftfahrzeugs, bei Unfällen zwischen Pkw und Fahrrädern zu rund 75 Prozent bei den Pkw-Fahrern. Insgesamt kamen bei Zusammenstößen mit Pkw-Fahrern und Fahrern von Güterkraftfahrzeugen 228 Radfahrer ums Leben.

45- bis 54-Jährige verursachen die meisten Vorfahrts- und Vorrangunfälle

Beim Blick auf die Altersgruppen fallen die 45- bis 54-Jährigen auf. 6.992 Mal registrierte die Polizei bei ihnen einen Vorfahrts- oder Vorrangfehler, der zu einem Unfall mit Personenschaden führte. Allerdings stellt diese Altersgruppe auch den größten Anteil an der Bevölkerung. An zweiter Stelle stehen die 55- bis 64-Jährigen (6.892 Vorfahrts- oder Vorrangfehler), gefolgt von den 25-34-Jährigen (6.194). Größere Unterschiede gab es 2020 bei den Arten der Verkehrsbeteiligung: Die meisten Vorfahrts- oder Vorrangfehler begangen Pkw-Fahrer (34.649). 4.834 Verfehlungen nahm die Polizei bei Radfahrern auf, 2.097 bei Fahrern von Güterkraftfahrzeugen.

Die drei häufigsten Vorfahrts- und Vorrangfehler aller Fahrer bei Unfällen mit Personenschaden

  • Nichtbeachten der die Vorfahrt regelnden Verkehrszeichen (30.196)
  • Nichtbeachten der Verkehrsregelung durch Polizeibeamte oder Lichtzeichen (5.630)
  • Nichtbeachten der Regel „rechts vor links“ (5.179)

Tipps für Kraftfahrer

  • Viele Unfälle mit Todesfolge ereignen sich an Kreuzungen. Deshalb sollten Sie besonders beim Rechtsabbiegen das Tempo reduzieren, den mehrmaligen Schulterblick nicht vergessen und auf Radfahrer und Fußgänger achten, die sich im toten Winkel befinden können.
  • Wenn Sie innerorts mit dem Lkw unterwegs sind, kann ein elektronischer Abbiegeassistent Unfälle vermeiden helfen. Blicken Sie beim Abbiegen mehrfach in die Spiegel, um sicherzugehen, dass sich kein Verkehrsteilnehmer im toten Winkel befindet.
  • Nutzen Sie beim Einordnen in den fließenden Verkehr, beim Abbiegen, beim Fahren entlang einer abknickenden Vorfahrtstraße, beim Überholen und Herausfahren aus einem Kreisverkehr immer den Blinker. So tragen Sie zur Vermeidung von Vorfahrtsunfällen bei. Achten Sie beim Ausfahren aus Kreisverkehren auf Fußgänger und Radfahrer.
  • Drosseln Sie an Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) grundsätzlich ihr Tempo und seien Sie dort besonders bremsbereit.

Tipps für Radfahrer und Fußgänger

  • Beachten Sie, dass Sie auf dem Fahrrad beim Nutzen eines Zebrastreifens keine Vorfahrt haben. Sie müssen absteigen und das Fahrrad über den Fußgängerüberweg schieben.
  • Autofahrer und besonders Führer von Güterkraftwagen haben nur einen sehr eingeschränkten Rundumblick. Wollen Fahrer rechts abbiegen, sollten Sie als geradeaus fahrende Radfahrer oder Fußgänger im Zweifel auf den Vorrang verzichten bzw. Blickkontakt aufbauen und sich vergewissern, dass Sie von den abbiegen Fahrzeugführern wahrgenommen wurden.
  • Sorgen Sie als Radfahrer oder Fußgänger dafür, dass Sie insbesondere bei Dunkelheit für andere Verkehrsteilnehmer gut zu sehen sind – durch Kleidung oder Zubehör aus reflektierendem und fluoreszierendem Material und durch funktionierende Beleuchtung am Rad.
  • Achten Sie beim Radfahren auf kombinierten Rad- und Fußwegen auf Fußgänger, insbesondere auf ältere Menschen und Kinder. Rechnen Sie stets damit, dass diese auf den Radweg treten.

So werden Unfalldaten erhoben

Polizeibeamte tragen die Ursachen eines Verkehrsunfalls in ein sogenanntes Erhebungspapier ein. Dabei greifen sie auf ein seit 1975 geltendes Ursachenverzeichnis zurück. Wichtig: Die Beamten können pro Unfall zwei allgemeine Ursachen angeben, beispielsweise Straßenverhältnisse, Witterungseinflüsse oder Hindernisse. Ebenso können sie dem Hauptverursacher und einem weiteren Beteiligten jeweils bis zu drei personenbezogene Fehler zuschreiben. Dieses sogenannte personenbezogene Fehlverhalten umfasst beispielsweise das Missachten der Vorfahrt, Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit und falsche Straßenbenutzung. Pro Unfall sind demnach bis zu acht Unfallursachen möglich. Das erklärt, warum die Statistik 2020 mehr personengebundene Verfehlungen von Beteiligten (320.946) als Unfälle mit Personenschaden (264.499) aufweist. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erhält und erfasst alle Daten aus den Bundesländern und erstellt die bundesweite Verkehrs- und Unfallstatistik.

Begriffsdefinitionen

  • Unfälle mit Personenschaden ...

... sind Alleinunfälle oder Zusammenstöße, bei denen Personen verletzt oder getötet werden.

  •  Schwerwiegende Unfälle mit Sachschaden ...

... sind Unfälle, bei denen als Unfallursache eine Ordnungswidrigkeit (Bußgeld) oder Straftat vorliegt und bei denen gleichzeitig ein Kraftfahrzeug aufgrund eines Unfallschadens von der Unfallstelle abgeschleppt werden muss. Das gilt z. B. auch für Fälle, bei denen der Fahrer unter dem Einfluss berauschender Mittel steht.

  • Verunglückte ...

... sind Personen (auch Mitfahrer), die bei einem Unfall verletzt oder getötet werden. Verunglückte werden auch als Verkehrsopfer oder Unfallopfer bezeichnet.

  • Getötete ...

... sind Personen, die innerhalb von 30 Tagen an den Folgen eines Unfalls sterben.

  • Schwerverletzte ...

... sind Personen, die unmittelbar für mindestens 24 Stunden zur stationären Behandlung in einem Krankenhaus aufgenommen werden.

  • Leichtverletzte ...

... sind Personen mit allen anderen Arten von körperlichen Schäden, die durch einen Unfall verursacht werden.

  • Beteiligte ...

... werden alle Fahrzeugführer oder Fußgänger genannt, die selbst (oder deren Fahrzeug) Schaden erlitten oder hervorgerufen haben. Verunglückte Mitfahrer zählen demnach nicht zu den Unfallbeteiligten.

  • Vorfahrtunfälle …

… sind Unfälle, bei denen ein Fahrzeugführer einem anderen an sich kreuzenden Fahrbahnen oder Einmündungen die Vorfahrt nimmt.

  • Vorrangunfälle …

… sind Unfälle, bei denen ein Fahrzeugführer den Vorrang eines anderen
Verkehrsteilnehmers missachtet, beispielsweise ein Pkw-Fahrer ein
Schienenfahrzeug an einem Bahnübergang.

Weitere Informationen zum Thema Vorfahrt/Vorrang gibt es auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, des Deutschen Verkehrssicherheitsrats und der Deutschen Verkehrswacht.

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