Auf Autobahnen sind Fahrzeuge mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs. Stockender Verkehr, ein unvorhergesehener Stau oder Unfallstelle können dabei schnell gefährlich werden. Die mit 9.203 Fällen häufigste Unfallart bei Unfällen mit Verunglückten auf Autobahnen sind Zusammenstöße mit einem anderen Fahrzeug, das vorausfährt oder wartet. Dabei verunglückten im Jahr 2024 16.340 Menschen, 107 davon tödlich. Besonders gefährdet sind Menschen, die sich an einer Pannenstelle oder nach einem Unfall außerhalb ihres Fahrzeugs aufhalten. Doch mit dem richtigen, vorausschauenden Vorgehen schützen Sie sich und andere.
Wenn der Verkehr stockt: richtiges Verhalten im Stau
Ein Stau kündigt sich nicht immer an. Beim Führen eines Kfz müssen Sie stets aufmerksam sein und schnell sowie überlegt handeln können, um zum Beispiel einen Auffahrunfall am Stauende zu verhindern.
- 1.Geschwindigkeit reduzieren und Warnblinker einschalten: Sobald Sie merken, dass der Verkehr vor Ihnen langsamer wird oder zum Stehen kommt, nehmen Sie den Fuß vom Gas, bremsen Sie sanft und schalten Sie sofort den Warnblinker ein. So warnen Sie nachfolgende Fahrzeuge frühzeitig.
- 2.Abstand halten: Halten Sie ausreichend Abstand zum vorderen Fahrzeug. So haben Sie im Notfall Zeit, zu reagieren, und können eine Rettungsgasse bilden. Eine hilfreiche Faustregel, um ausreichend Reaktionszeit zu gewährleisten, ist die Zwei-Sekunden-Regel: Merken Sie sich einen Punkt am Straßenrand und zählen Sie, bis das vorausfahrende Fahrzeug diesen passiert hat. Zählen Sie dann „einundzwanzig, zweiundzwanzig“ oder „ein Elefant, zwei Elefanten“. Wenn Sie den Punkt erreichen, bevor Sie bis zweiundzwanzig gezählt haben, ist Ihr Abstand zu gering.
- 3.Rettungsgasse bilden: Das ist die wichtigste Regel bei stockendem Verkehr auf der Autobahn. Sobald der Verkehr zum Erliegen kommt oder nur noch mit Schrittgeschwindigkeit fährt, müssen Sie eine Rettungsgasse bilden.
So bilden Sie eine Rettungsgasse auf der Autobahn
- Wo? Zwischen der linken und der direkt danebenliegenden rechten Fahrspur, also meist zwischen Überholspur und mittlerer Spur. Wenn Sie aufgrund von Platzmangel keine Rettungsgasse bilden können, dürfen Sie den Seitenstreifen nutzen. Dies gilt auch, wenn die Polizei Sie gezielt dorthin lenkt.
- Wie? Fahrzeuge auf der linken Spur fahren so weit wie möglich nach links, alle anderen Fahrzeuge fahren so weit wie möglich nach rechts.
- Warum? Die Rettungsgasse ist der freie Weg für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Jede Sekunde zählt, wenn Menschenleben in Gefahr sind. Ein blockierter Weg kann über Leben und Tod entscheiden.
Denken Sie daran: Ihr Verhalten bei Stau ist entscheidend für die Sicherheit aller und kann Menschenleben retten. Bleiben Sie aufmerksam, auch wenn es langsam vorangeht.
Wenn es kracht oder das Fahrzeug streikt: sicher an Pannen- und Unfallstellen
In einen Unfall verwickelt zu sein oder mit einem Fahrzeugschaden auf der Autobahn liegen zu bleiben sind Schockmomente. Doch gerade dann ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und die richtigen Schritte zu unternehmen, um die Gefahrenstelle abzusichern.
- 1.Fahrzeug sicher abstellen: Lenken Sie Ihr Fahrzeug, wenn möglich, auf den Seitenstreifen und schalten Sie den Warnblinker ein.
- 2.Warnweste anziehen: Bevor Sie das Fahrzeug verlassen, ziehen Sie sofort Ihre Warnwestean. Diese macht Sie für andere Verkehrsteilnehmende besser sichtbar.
- 3.Fahrzeug sicher verlassen: Steigen Sie immer auf der dem Verkehr abgewandten Seite aus (wenn möglich, Beifahrerseite). Bringen Sie sich und alle Mitfahrenden umgehend hinter die Schutzplanke oder in sicheren Abstand zum Fahrbahnrand. Der Seitenstreifen ist keine sichere Zone!
- 4.Warndreieck aufstellen: Sichern Sie die Unfall- oder Pannenstelle ab. Stellen Sie das Warndreieck in mindestens 100 Metern (besser 200 Metern) Entfernung zur Gefahrenstelle auf. Gehen Sie dabei immer hinter der Schutzplanke oder am äußersten Fahrbahnrand entgegen der Fahrtrichtung.
- 5.Hilfe rufen: Verständigen Sie umgehend die Polizei (110) und/oder den Pannendienst bzw. Rettungsdienst (112). Geben Sie genaue Angaben zum Standort (Kilometerangabe, Fahrtrichtung, Autobahnnummer).
Sicher an Unfallstellen vorbeifahren: Darauf müssen Sie achten
Stellen Sie sich vor, Sie selbst stehen nach einem Unfall auf dem Seitenstreifen. Sie sind ungeschützt und kaum sichtbar für den vorbeirasenden Verkehr. Genau diese Perspektive sollten Sie einnehmen, wenn Sie an einer Gefahren- oder Unfallstelle vorbeifahren.
- Aufmerksamkeit erhöhen und Geschwindigkeit reduzieren: Wenn Sie eine Unfallstelle, eine Pannenstelle oder eine Baustelle passieren, in der Menschen arbeiten oder sich aufhalten, sollten Sie Ihre Geschwindigkeit deutlich reduzieren. Achten Sie auf Personen, die sich außerhalb von Fahrzeugen bewegen, insbesondere auf Kinder am Straßenrand. Diese Menschen sind besonders gefährdet und auf Ihre Rücksicht angewiesen.
- Empathie zeigen: „Das könnte auch ich sein.“ Dieser Gedanke sollte Sie leiten. Alle Verkehrsteilnehmenden können in die Situation kommen, auf dem Seitenstreifen zu stehen. Ihr umsichtiges Fahren schützt nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Rettungskräfte, die in diesen gefährlichen Bereichen im Einsatz sind.
Rettungskräfte weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, die Rettungsgasse freizuhalten und an Unfallstellen besonders vorsichtig und achtsam zu sein. Damit schützen Sie nicht nur die Einsatzkräfte, sondern auch Unfallopfer und sich selbst vor Folgeunfällen.
Ihr Handeln macht den Unterschied
Ob ein Stau auf der Autobahn oder eine unerwartete Gefahrenstelle – die Sicherheit auf unseren Straßen hängt maßgeblich vom verantwortungsbewussten Verhalten jedes Verkehrsteilnehmenden ab. Handeln Sie vorausschauend und zeigen Sie Empathie für andere.
Indem Sie die Rettungsgasse bilden, Ihr Fahrzeug im Fall einer Panne oder eines Unfalls korrekt absichern und an Gefahrenstellen besonders aufmerksam sind, tragen Sie aktiv dazu bei, schwere Unfälle zu verhindern und Leben zu retten.
Ihr umsichtiges Handeln ist der beste Selbstschutz – und der beste Schutz für alle Mitmenschen. Fahren Sie sicher und kommen Sie gut an!
Bilder: Shutterstock

