Unter Strom: sicher unterwegs mit dem E-Auto

Das A und O beim E-Auto: Fahren im Winter oder Verhalten beim Unfall – worauf Sie in Sachen Sicherheit achten sollten.

13. Juni 2022
4 Minuten

Damit Sie mit Elektroantrieb sicher im Straßenverkehr unterwegs sind, gibt „Runter vom Gas“ Tipps rund um Technik, Fahrverhalten und was bei einem Unfall zu beachten ist

Die E-Mobilität findet Gehör in Europa: Um E-Autos noch sicherer zu machen für zu Fuß Gehende und Radfahrende, trat am 1. Juli 2021 eine EU-Verordnung in Kraft. Diese besagt, dass unter anderem alle neuen Hybrid- und E-Autos über ein „Acoustic Vehicle Alerting System“ – kurz AVAS bzw. „Fahrzeug-Warngeräusch-Generator“ – verfügen müssen.

Hierbei handelt es sich um ein künstlich erzeugtes Geräusch, welches dem eines Verbrennungsmotors ähnelt und andere Verkehrsteilnehmende akustisch auf die Anwesenheit eines sonst geräuscharmen Elektrofahrzeugs aufmerksam machen soll. Das AVAS muss bis zu einem Tempo von 20 km/h und beim Rückwärtsfahren greifen, wird bei zunehmender Geschwindigkeit lauter und unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Ab höheren Geschwindigkeiten sind die Signale nicht mehr nötig, da die Abrollgeräusche der Reifen ausreichend laut sind.

Klingt gut! Doch was können Sie als Fahrerin oder Fahrer eines E-Autos darüber hinaus tun, um sicher mit einem E-Auto unterwegs zu sein?

Drei Tipps für Ihre gute Fahrt

Grundsätzlich fahren sich E-Autos wie Verbrenner. Dennoch gibt es gewisse Unterschiede im Fahrverhalten. Verkehrsteilnehmende müssen sich vor dem Kauf oder der ersten Fahrt mit einem E-Auto aber keine Sorgen machen: Wir laden Sie hier mit den richtigen Informationen auf:

1. Vorausschauend planen – entspannt und sicher ankommen

Wer mit einem Elektroauto unterwegs ist, muss die Fahrt manchmal etwas anders als mit einem Verbrenner planen – denn gerade längere Fahrten sind meist nur mit einem Zwischenstopp an einer Ladestation realisierbar.

Deshalb sollten Sie sich stets frühzeitig über Ladestationen entlang der Strecke informieren und ausreichend Zeit für das Aufladen des Akkus einplanen, um das Liegenbleiben – besonders auf der Autobahn – zu verhindern. Das ist nämlich nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich und zieht laut Straßenverkehrsordnung ein Bußgeld und einen Punkt in Flensburg nach sich.

E-Autofahrende können die Planung aber relativ gelassen angehen, denn es entstehen immer mehr Ladepunkte! Durch Ausschreibungen, Förderungen und Gesetze unterstützt das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland, sodass laut Bundesnetzagentur zum 1. Februar 2022 47.111 Normalladepunkte und 8.094 Schnellladepunkte in Betrieb waren. Im Vergleich: Anfang 2018 waren es insgesamt noch 10.811.

Mehr Wissen rund um lange Strecken mit dem E-Auto finden Sie hier.

Ladestationen schnell und einfach finden

Die interaktive „Ladesäulenkarte“ der Bundesnetzagentur bietet eine Übersicht aller öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten. Auch frei verfügbare Apps erleichtern die Suche nach einer Ladestation.

2. Damit Sie cool bleiben: angepasstes Fahrverhalten im Winter

Im Winter und bei kaltem Wetter sollten Sie sich als Verkehrsteilnehmender immer – egal, ob Sie mit dem Auto, Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind – den Witterungsbedingungen angemessen verhalten und entsprechende Vorkehrungen treffen.

Wenn Sie in der kalten Jahreszeit elektrisch unterwegs sind, dann sollten Sie zudem berücksichtigen, dass die Reichweite eines E-Autos im Winter um bis zu 30 Prozent sinken kann. Da die Erwärmung des Innenraums, der Scheiben und des Akkus selbst elektrisch über die Antriebsbatterie erfolgt – und nicht über die Abwärme des Motors – ist die Luftheizung einer der Hauptgründe für den höheren Energieverbrauch. Aber nicht nur die Reichweite, sondern auch der Ladeprozess leidet unter den kalten Temperaturen jenseits der 0 Grad. Im Winter sollten Sie deshalb mehr Zeit für den Ladevorgang einplanen.

Elektrisierende Aussichten

Um die Klimaziele im Bereich Verkehr zu erreichen, sollen nach Plänen der Bundesregierung bis 2030 bis zu 14 Millionen E-Fahrzeuge in Deutschland unterwegs sein. Dafür fördert die Bundesregierung den Kauf von E-Autos durch den „Umweltbonus“. Bis Ende 2022 wird der „Umweltbonus“ sogar durch die sogenannte „Innovationsprämie“ ergänzt: So können Interessierte beispielsweise bis zu 9.000 Euro Förderung für Elektrofahrzeuge unter 40.000 Euro Nettolistenpreis beantragen.

Um die Rutschgefahr bei glatter Fahrbahn durch Eis oder Schnee während der Fahrt mit einem E-Auto zu reduzieren, sollten Sie das Fahrzeug – falls vorhanden – in den Eco-Modus schalten. Das spart nicht nur Energie, sondern bewirkt auch, dass das Auto langsamer beschleunigt und verhindert so ein Durchdrehen der Reifen beim Anfahren.

Zudem sollten Sie die Rekuperationsstufe Ihres E-Autos niedrig einstellen, um ein Ins-Rutschen-Kommen durch einen unvorhergesehenen Bremsimpuls zu verhindern.

Rekuperation kurz erklärt

Geht man bei einem E-Auto vom Gaspedal, macht sich direkt ein Bremsprozess bemerkbar – sogar dann, wenn das Bremspedal nicht betätigt wurde. Durch diesen leichten Widerstand im Bremsprozess wird Strom erzeugt, der die Akku-Reichweite positiv beeinflusst. E-Autos können also Energie durch Bremskraft rückgewinnen. Das nennt sich Rekuperation.

3. Unfall mit dem E-Auto – „Rettungskarte“ bereithalten

Das Wichtigste zuerst: E-Autos stehen Autos mit Verbrennermotor in Sachen Sicherheit in Nichts nach, und auch der Akku – der mit Hochvoltsystem arbeitet – bedeutet prinzipiell kein erhöhtes Risiko.

Denn kommt es zu einem Defekt im System, wird der Stromfluss der Batterie automatisch sofort unterbunden. Ersthelferinnen und Ersthelfer müssen demnach keine Angst haben, ein beschädigtes E-Auto zu berühren und dadurch einen Stromschlag zu bekommen.

Sollte bei einem schweren Unfall jedoch die Batterie beschädigt worden sein, ist es für die Rettungskräfte aus Sicherheitsgründen wichtig zu wissen, wo sie mit ihren Schneidewerkzeugen gefahrlos ansetzen können, ohne gegebenenfalls nicht automatisch ausgeschaltete Starkstromleitungen zu durchtrennen. Denn die Spannung in Elektroautos liegt bei 400 Volt und mehr und ist damit lebensgefährlich – zum Vergleich: Strom kommt bei uns mit 230 Volt aus den Steckdosen.

Um hier deshalb für maximale Sicherheit zu sorgen, helfen sogenannte „Rettungskarten“ den Rettungskräften die technisch richtigen Schnittpunkte eines Fahrzeugs schnell zu finden, indem sie unter anderem das Hochvoltsystem des E-Autos abbilden. Der ADAC empfiehlt deshalb, einen Ausdruck einer „Rettungskarte“ – übrigens auch bei Verbrennern – hinter der Sonnenblende des Fahrersitzes aufzubewahren. Dies ist der Ort, an dem Einsatzhelfer für gewöhnlich als Erstes suchen. Die Rettungskarten für Ihr Automodell – auch Rettungsdatenblätter, Rettungsinformationen oder Einsatzblätter genannt – finden Sie auf der Homepage Ihres Autoherstellers.

Orange? Finger weg!

Hochvoltkabel sind in jedem E-Auto übrigens durch ihre orange Farbe gut erkennbar. Es gilt: Hier darf nur ein Profi ran!

Bilder: Shutterstock

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