Schnee, Dunkelheit und Glätte – der Winter stellt Verkehrsteilnehmende jedes Jahr vor besondere Herausforderungen. Doch mit der richtigen Vorbereitung und einem angepassten Fahrstil können Sie unangenehme und gefährliche Situationen vermeiden. Hier finden Fußgängerinnen und Fußgänger, Rad- und Autofahrende die wichtigsten Tipps, mit denen sie sicher unterwegs sind.
Zu Fuß und auf dem Rad: die eigene Sichtbarkeit erhöhen
In den Wintermonaten sind die Tage kürzer. Dunkelheit und schlechte Sichtverhältnisse durch Nebel, Regen und Schneefall machen es erheblich schwerer, andere Verkehrsteilnehmende zu erkennen. Besonders gefährdet sind zu Fuß Gehende und Radfahrende, die ohne Knautschzone und oft nur unzureichend beleuchtet unterwegs sind. Für sie gilt deshalb ganz besonders: Wer selbst gut sichtbar ist, reduziert das Unfallrisiko deutlich.
Denn die Gefahr wird häufig unterschätzt: Dunkel gekleidete zu Fuß Gehende sind bei schlechter Sicht oft erst aus wenigen Metern Entfernung zu erkennen – zu spät für Autofahrende, um noch rechtzeitig zu reagieren. Besonders kritisch wird es, wenn sich schlechte Sicht mit verlängerten Bremswegen auf Schnee und Eis verbindet.
Als besonders sicher gelten sogenannte retroreflektierende Accessoires: Retroreflektierend bedeutet, dass Licht – etwa aus einem Autoscheinwerfer – exakt zur Quelle reflektiert wird. Warnwesten, Blinklichter oder Reflektoren erhöhen die Sichtbarkeit enorm und können im Ernstfall lebensrettend sein. Warnwesten sind im Auto längst Pflicht und sollten auch für den Weg zu Fuß oder mit dem Rad selbstverständlicher werden.
Beim Radfahren im Winter wichtig: Profil der Reifen genau prüfen und das Rad bei kritischen Sicht- und Witterungsverhältnissen besser stehen lassen. Zu Fuß Gehende und Radfahrende sollten zusätzlich darauf achten, Straßen wenn möglich nur an gut einsehbaren und beleuchteten Stellen zu überqueren. Fahrende hinterm Steuer sollten besondere Rücksicht nehmen, geduldig bleiben und damit rechnen, dass Menschen vorsichtiger und gegebenenfalls langsamer unterwegs sind.
Tipps fürs Auto: Darauf müssen Sie bei Ihrer Beleuchtung achten
- Stellen Sie Ihre Scheinwerfer regelmäßig ein, am besten in einer Fachwerkstatt. So garantieren Sie, dass die Lichtkegel auch tatsächlich den richtigen Bereich ausleuchten.
- Beachten Sie, dass schwere Lasten Einfluss auf den Winkel der Scheinwerfer haben. Anhänger oder Gepäck im Kofferraum drücken das Heck nach unten und die Scheinwerfer nach oben. Das kann entgegenkommende Verkehrsteilnehmende blenden und zu Unfällen führen. Denken Sie daran, die Scheinwerfereinstellung im Fahrzeug anzupassen (Schalter meist links in der Nähe der Lenksäule).
- Reinigen Sie Ihre Scheinwerfer regelmäßig von Schmutz, Eis und Schnee.
- Bei Regen, Nebel oder Schneefall blendet das Abblendlicht aufgrund seines Abstrahlwinkels weniger als Tagfahrlicht und ist daher die bessere Wahl. Außerdem sind dann auch die Rückleuchten an. Nebelschlussleuchte darf nur bei Sichtweiten unter 50 Metern eingesetzt werden.
- Halten Sie die Heck- und Windschutzscheibe sauber. Verdreckte und schmierige Scheiben – sowohl innen als auch außen – beeinträchtigen die Fahrsicherheit durch Blendeffekte und Schlieren erheblich. Eine regelmäßige, gründliche Reinigung ist im Herbst und Winter daher dringend zu empfehlen.
Passen Sie im Winter Fahrstil und Bremsverhalten an
Die größte Gefahr im Winterverkehr ist und bleibt der verlängerte Bremsweg. Glätte, Nässe, Rollsplitt oder Schneematsch können die Haftung der Reifen drastisch reduzieren – mit potenziell fatalen Folgen.
Die Zahlen sprechen für sich: Auf Schnee kann der Bremsweg bis zu viermal so lang sein wie auf trockener Fahrbahn, auf Eis beträgt er im schlimmsten Fall sogar das Zehnfache. Das verdeutlicht: Wer im Winter nicht deutlich langsamer fährt und ausreichend Abstand hält, riskiert die eigene Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmender.
Als Faustregel gilt bei guter Sicht und guten Fahrbedingungen die Zwei-Sekunden-Regel: Der Mindestabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ist die Distanz, die das eigene Fahrzeug bei aktueller Geschwindigkeit innerhalb von zwei Sekunden zurücklegt. Bei schlechten Sicht- und Wetterverhältnissen sollte dieser Abstand jedoch noch größer sein, eher drei bis vier Sekunden. Fahren Sie vorausschauend, um rechtzeitig auf Veränderungen reagieren zu können. Besonders tückisch ist Schneematsch, da er die Bodenhaftung drastisch verändert und Reifen blitzschnell den Grip verlieren lässt.
Wer in besonders winterlichen Landschaften unterwegs ist und Schneeketten montiert hat, sollte beachten, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit mit Schneeketten bei 50 km/h liegt.
Im Winter ist vorausschauendes und vorsichtiges Fahren essenziell
Beim Fahrstil gilt: weniger ist im Winter mehr. Vermeiden Sie unnötige und hektische Spurwechsel, insbesondere wenn sich Schneewülste zwischen den Fahrspuren gebildet haben. Ein kleines Manöver kann hier schnell zum Ausbruch des Fahrzeugs führen.
Besondere Vorsicht ist bei Fahrzeugen mit Heckantrieb geboten. Sie neigen bei Glätte leichter zum Übersteuern, da das Heck ausbrechen kann. Wer mit Heckantrieb unterwegs ist, sollte Geschwindigkeit und Fahrweise entsprechend anpassen. Hilfreiche Tipps: Bei Glätte niedertourig in hohen Gängen fahren und behutsam im zweiten Gang anfahren, um ein Durchdrehen der Reifen zu vermeiden. Bei Automatikfahrzeugen ist es auch möglich im manuellen Modus im zweiten Gang anzufahren, es gilt auf schnelles Anfahren zu verzichten und die Traktionskontrolle einzuschalten. Zudem sind viele Neufahrzeuge mit einem speziellen Wintermodus ausgestattet, der das Durchdrehen der Räder verhindern soll.
Sie sind mit einem Elektroauto unterwegs?
Alle wichtigen Tipps, wie Sie auch elektrisch sicher durch den Winter kommen, finden Sie hier.
Keine voluminöse Winterkleidung unter dem Sicherheitsgurt
Dicke Winterjacken oder -mäntel schränken nicht nur Ihre Bewegungsfreiheit am Steuer ein, sondern können auch die optimale Funktion der Sicherheitsgurte beeinträchtigen. Der Grund: Der Gurt liegt nicht eng genug am Körper an, sodass er im Falle eines Aufpralls nicht optimal wirken kann. Legen Sie voluminöse Kleidung daher vor Fahrtantritt ab und achten Sie darauf, dass der Sicherheitsgurt so eng wie möglich am Körper anliegt. Sie können Ihre dicke Jacke auch nach dem Anschnallen über dem Gurt wieder tragen.
Große, dicke Winterschuhe vor Fahrtantritt lieber gegen Sneaker oder andere feste Schuhe tauschen. Im Sommer wie im Winter ist es hilfreich ein paar Schuhe im Fahrzeug zu haben, mit denen Sie gut und sicher fahren können.
Reifendruck prüfen und gegebenenfalls anpassen
Der Reifendruck ist im Winter besonders wichtig, wird jedoch oft vergessen. Bei niedrigen Temperaturen sinkt der Luftdruck in den Reifen – als Faustregel etwa 0,07 bis 0,14 bar pro 10 Grad Temperaturabfall.
Ein zu niedriger Reifendruck hat gravierende Folgen: Er reduziert den Grip und die Fahrstabilität erheblich, verlängert den Bremsweg und erhöht zudem den Reifenverschleiß sowie den Kraftstoffverbrauch. Prüfen Sie den Reifendruck daher regelmäßig. Die genauen Angaben für Ihr Fahrzeug finden Sie in der Bedienungsanleitung, am Tankdeckel oder an der Fahrertür.
In Deutschland gibt es eine sogenannte „situative Winterreifenpflicht“. Das bedeutet, dass Fahrzeughalterinnen und -halter bei winterlichen Witterungsbedingungen Winter- oder Ganzjahresreifen aufgezogen haben müssen. Seit dem 01. Oktober 2024 sind darüber hinaus nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol erlaubt.
Nehmen Sie Rücksicht auf Winterdienstfahrzeuge
Räum- und Streufahrzeuge sind im Winter unverzichtbar. Sie arbeiten oft unter extremen Bedingungen, um unsere Straßen befahrbar und sicherer zu machen. Ihre Arbeit ist essenziell für die Verkehrssicherheit – und genau deshalb verdienen sie unsere besondere Aufmerksamkeit und Rücksicht.
Begegnen Sie einem Winterdienstfahrzeug, heißt es: Ruhe bewahren, die Geschwindigkeit reduzieren und vorsichtig sein, besonders wenn Sie außerorts unterwegs sind. Sie sollten Räumfahrzeuge nicht überholen, da die Fahrbahn vor dem Fahrzeug oft noch glatt und verschneit ist.
Halten Sie ausreichend Abstand zum Räumfahrzeug und fahren Sie nicht parallel zur Schaufel. Das schützt Sie nicht nur vor aufgewirbeltem Streugut, das Lack und Scheiben beschädigen kann, sondern verschafft Ihnen auch einen besseren Überblick über die Verkehrslage. Bedenken Sie dabei: Der Schneepflug kann deutlich breiter sein als das Fahrzeug selbst, was bei Gegenverkehr leicht unterschätzt wird. Reduzieren Sie in solchen Situationen die Geschwindigkeit, fahren Sie möglichst weit rechts und lassen Sie ausreichend Platz.
Übrigens: Winterdienstfahrzeuge haben Sonderrechte und dürfen laut § 35 Abs. 6 StVO auf allen Straßen und Straßenteilen in jeder Richtung fahren.
Wer sein Fahrzeug also sorgfältig auf die kalte Jahreszeit vorbereitet und seinen Fahrstil den winterlichen Bedingungen anpasst, kann viele unangenehme und gefährliche Situationen vermeiden.
Bleiben Sie achtsam, fahren Sie vorausschauend und kommen Sie unfallfrei durch den Winter. Für Ihre eigene Sicherheit und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden!
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