Leben retten? Das können alle.

Für viele liegt der Erste-Hilfe-Kurs einige Jahre zurück. Zeit, das Wissen aufzufrischen.

23. November 2022
8 Minuten

2021 wurden im Straßenverkehr 323.129 Personen leicht oder schwer verletzt. Um noch am Unfallort und vor dem Eintreffen der Rettungskräfte Hilfe leisten zu können, sollten Ersthelfende wissen, was zu tun ist. Ob Druckverband oder stabile Seitenlage: Wer hier die richtigen Kenntnisse hat, kann Leben retten. Deswegen ist es wichtig, das eigene Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen. In einem Gewinnspiel hat „Runter vom Gas“ fünf Erste-Hilfe-Auffrischungen mit einer Rettungskraft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) verlost.

„Leider trauen sich viele Menschen nicht, zu helfen, da ihnen das Wissenfehlt und sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Dabei kann jede Unterstützung einen Unterschied machen“, erzählt Jan Lenarz vom Deutschen Roten Kreuz. Tatsächlich leisten lediglich 56 Prozent der Laien bei einem Unfall Erste Hilfe, da ihnen das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fehlt. 

Als ehrenamtlicher Sanitäter und zertifizierter Erste-Hilfe-Ausbilder ist Jan Lenarz auf Großveranstaltungen im Einsatz und hilft Autofahrenden sowie Führerscheinanwärterinnen und -anwärtern, sich mit den wichtigsten Handgriffen und Verbänden für den Ernstfall zu wappnen.  

Als geschulter Ausbilder ist Jan Lenarz routiniert darin, Unfallabsicherung und Erste Hilfe verständlich zu machen.

Das Deutsche Rote Kreuz geht davon aus, dass bei 80 Prozent der Autofahrenden der letzte Erste-Hilfe-Kurs mehr als 15 Jahre zurückliegt. Viel zu lang, bestätigt Lenarz: „Ich empfehle immer, die eigenen Kenntnisse jährlich oder maximal im zweijährigen Rhythmus aufzufrischen. Nur so ist man im Ernstfall gut vorbereitet.“  

Übung ist das A und O. 

Um Defiziten entgegenzuwirken, hat „Runter vom Gas“ eine Erste-Hilfe-Auffrischung in Berlin verlost. Während bei den beiden jüngeren Gewinnenden Lars (25) und Christin (23) der letzte Kurs zwei beziehungsweise fünf Jahre zurücklag, waren es bei den älteren Kursteilnehmenden teils mehr als 20 Jahre.  

Auch die Erwartungen an den Kurs waren unterschiedlich: „Ich möchte vor allem etwas über Reanimation lernen“, sagt Annette (65) aus Bad Salzuflen. Sie war selbst als Betriebssanitäterin für die erste Versorgung in ihrem Unternehmen zuständig, möchte ihr Wissen aber auch in der Rente auf den neuesten Stand bringen. 

Nach dem Kurs weiß Annette nicht nur sicher, wie eine Reanimation funktioniert, sondern auch wie man einen Finger richtig verbindet.

„Ich bin schon älteren Semesters und mein Freundes- und Bekanntenkreis auch. Wenn da mal etwas passieren sollte, möchte ich helfen können“, verrät Uwe (66) aus Wiefelstede. 

In dem dreistündigen Kurs lernten die Teilnehmenden die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen kennen, wie zum Beispiel die Herzdruckmassage, Druckverbände und den Einsatz eines Defibrillators. Dieser setzt z. B. beim Kammerflimmern einen so großen Stromimpuls ab, dass der Herzmuskel wieder zu einem gesunden Rhythmus findet. 

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Es muss nicht schön sein, aber es muss wirken: Jan Lenarz zeigt, wie ein Kopfverband sitzen sollte.
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Unfallstelle richtig sichern: Am wichtigsten ist, dass die Helfenden nicht zu Schaden kommen.
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Jan Lenarz demonstriert der Gruppe die Herzdruckmassage an der Puppe.
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Selbst Hand anlegen: Schon nach kurzer Zeit darf Christin selbst an der Puppe üben.
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Für die angemessene Erstversorgung bei Unfällen ist die Kenntnis des für Pkw verpflichtenden Verbandkastens essenziell.
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Es muss nicht schön sein, aber es muss wirken: Jan Lenarz zeigt, wie ein Kopfverband sitzen sollte.
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Unfallstelle richtig sichern: Am wichtigsten ist, dass die Helfenden nicht zu Schaden kommen.

Viel wichtiger als die Theorie ist aber die Praxis. Die Gewinnenden übten in Gruppen oder an einer Puppe. „Man muss die Handgriffe immer und immer wiederholen, bis sie sitzen. In dem ganztägigen Erste-Hilfe-Kurs gebe ich meinen Schülerinnen und Schülern über eine Stunde Zeit, die Herz-Lungen-Wiederbelebung an der Puppe zu üben. Danach sind alle fix und fertig, aber auch etwas besser für den Ernstfall vorbereitet“, sagt Jan Lenarz.  

Wo kann ich mein Erste-Hilfe-Wissen auffrischen?

Wer das eigene Erste-Hilfe-Wissen auffrischen möchte, hat dafür viele Möglichkeiten. Neben Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz und dem Arbeiter-Samariter-Bund gibt es auch verschiedene private Anbieter.  

Schnelle Hilfe vor Ort ist das Wichtigste. 

Wie wichtig es ist, schnell angemessene Hilfe zu leisten, wird bei dem Thema Reanimation deutlich. Wenn eine Person bewusstlos ist und nicht mehr atmet, geht es um wenige Minuten, erklärt Lenarz. Eine Mund-zu-Mund-Beatmung, kombiniert mit einer Herz-Rhythmus-Massage, sollte beim Aussetzen der Atmung unverzüglich begonnen werden, und zwar so lange, bis das Fachpersonal des Rettungsdienstes eintrifft und übernehmen kann. Selbst in dicht besiedelten Gebieten dauert es meist ungefähr acht Minuten, bis der Rettungsdienst am Zielort eingetroffen ist. Bleibt eine bewusstlose Person in dieser Zeit ohne Sauerstoffversorgung, kann das zu irreversiblen Schäden oder sogar zum Tod führen. Es braucht also rasches Reagieren, zielorientiertes Handeln und Kenntnisse in Erster Hilfe. Was zunächst anspruchsvoll klingt, wird mit regelmäßigen Kursen aber immer leichter. Und: Perfektionismus hat in Notsituationen nichts verloren: „Auch wenn der Verband nicht schön aussieht, er hilft trotzdem“, lacht Uwe, als er seinen Kopfverband im Spiegel betrachtet. 

Die Teilnehmenden konnten in entspannter Atmosphäre alle ihre Fragen stellen.

Am Ende waren alle Teilnehmenden begeistert von dem, was sie in der kurzen Zeit des Crash-Kurses gelernt haben. „Das war sehr informativ und ich habe viel mitgenommen. Ich wünschte, mehr Leute würden sich regelmäßig in Erster Hilfe fortbilden – damit die Handbewegungen im Notfall sitzen“, findet Annette.  

Auch wenn sich niemand gerne in seiner Freizeit mit Unfällen, Reanimation und Beatmung auseinandersetzt, zeigt sich in der Praxis: Auffrischen lohnt sich immer wieder! 

Bilder: Florian Manz

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