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Mit Sicherheit die Umwelt schonen

DVR-Experte Kay Schulte erklärt im Interview, warum Eco-Driving positiv für Mensch und Umwelt ist.

 

24.04.2020

Es ist kein Geheimnis: CO₂- und Schadstoff-Emissionen und große Mengen an verbrauchten fossilen Energieträgern sind eine Schattenseite des heutigen Straßenverkehrs. Eine günstige und effektive Methode, diese negativen Folgen zumindest zu begrenzen, ist das sogenannte „Eco-Driving“. Was es damit auf sich hat und wie jeder einzelne Verkehrsteilnehmer etwas gutes für die Umwelt und gleichzeitig für die Verkehrssicherheit tun kann, erklärt Kay Schulte, Referatsleiter beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) im Interview.

Kay Schulte arbeitet seit über 25 Jahren beim DVR, setzt sich für umsichtiges Fahren im Straßenverkehr ein und entwickelt hierfür neue Programme, Trainings und Aktionen.

Herr Schulte, was bedeutet „Eco Driving“ genau?

Es ist der moderne Weg vor allem sicher ans Ziel zu kommen, und dabei noch Kraftstoff zu sparen. Unter der Prämisse „Sicherheit geht vor“ ermöglicht die Anwendung einiger Regeln ein cleveres und entspanntes Fahren bei größtmöglicher Umweltverträglichkeit. Besonders das Fahren mit hohen Drehzahlen, vermeidbares ständiges Beschleunigen und Bremsen sowie ein verschwenderischer Umgang mit elektrischen Verbrauchern lassen den Kraftstoffverbrauch überproportional ansteigen.

Bisher dachte man immer, dass das Fahren mit niedrigen Drehzahlen eher schädlich ist.

Hochtouriges Fahren und Fahren im mittleren Drehzahlbereich verbraucht immer mehr Kraftstoff als Fahren im niedertourigen Drehzahlbereich ¬– egal bei welcher Geschwindigkeit. Daher wird ein möglichst schnelles Hochschalten in einen möglichst hohen Gang empfohlen. Unnötige Beschleunigungsspitzen und abruptes Bremsen steigern nicht nur den Spritverbrauch, sondern erhöhen auch den Stressfaktor.

Wie kann man gelassener und damit sicherer durch den Verkehr kommen?

Grundsätzlich sollte man versuchen, durch vorausschauendes Fahren seinen Schwung zu nutzen. Systematisch den Abstand zu vergrößern, dient auch der Sicherheit. Ein entsprechend vergrößerter Sicherheitsabstand von etwa drei Sekunden zum Vorausfahrenden maximiert die zusätzlichen Handlungsoptionen. Als Erstes den Fuß vom Gas nehmen, wenn sich der Verkehrsfluss verlangsamt oder ein Anhalten, zum Beispiel vor einer Ampel, eingeplant werden muss.

Was raten Sie den Fahrenden während Ihres Sicherheits-Trainings im öffentlichen Straßenverkehr?

Erstens: Ausrollen lassen mit eingelegtem Gang. Die Geschwindigkeit des Fahrzeugs wird so durch die „Motorbremse“ reduziert. Dies ist bei Bergabfahrten unter Verwendung des richtigen Gangs zwingend notwendig, um unerwünschtes Beschleunigen zu verhindern. Diese Technik ist vor allem bei einer verbauten und in diesem Drehzahlbereich wirkenden Schubabschaltung und bei hohen Geschwindigkeiten, eine gute Möglichkeit Kraftstoff zu sparen und sicher ans Ziel zu kommen. Und Zweitens: Rollen lassen ohne Gang, also im Leerlauf, oder mit getretener Kupplung. Im Rollen mit Leerlaufdrehzahl lässt sich bei der Annäherung auf ein Hindernis, beziehungsweise einen identifizierten Haltepunkt, die Bewegungsenergie des Fahrzeuges länger ausnutzen – da keine Bremswirkung durch den Motor einsetzt. So können bei relativ konstant bleibender Geschwindigkeit große Strecken ohne zusätzliche Beschleunigung durchrollt werden. Sie haben ihr Ziel viel sicherer im Auge und sparen außerem Kraftstoff.

Wie kann der Fahrer Eco-Driving aktiv vorbereiten?

Vor jeder Fahrt kann man unnötigen Ballast entfernen: Schon 20 Kilogramm zusätzliches Gewicht lassen den Spritverbrauch um gut ein Prozent ansteigen. Also regelmäßig den Kofferraum entrümpeln und unnötiges Gewicht entfernen bringt schon eine ganze Menge. Dazu gehören Gepäckträger, Dachboxen oder Fahrradhalter. Dazu noch ein wichtiger Hinweis: Beim Transport von Dach- oder Hecklasten mit angemessen geringer Geschwindigkeit fahren

Wie sieht es mit der Bereifung des Autos aus?

Es sollte immer der optimale Reifendruck eingestellt und regelmäßig kontrolliert werden: Ist der Reifendruck zu niedrig, erhöht sich der Kraftstoffverbrauch und somit der Verschleiß des Autos. Deshalb sollte nach Beladungszuständen auch der Reifendruck angepasst werden. Außerdem sollten die Reifen immer wieder auf Beschädigungen untersucht werden. So kann man einer unschönen Panne vorbeugen.

Was geben Sie Ihren Teilnehmenden mit auf den Weg für ihr zukünftiges Fahrverhalten?

Wer Stil hat und etwas auf sich hält, geht das Autofahren gelassen an. Entspannt und cool bleiben, relaxt durch den Verkehr gleiten und auf einen zeitgemäßen und nachhaltigen Fahrstil setzen. Cool fahren heißt nicht, langsam zu sein. – Wer entspannt fährt, behält jederzeit den Überblick und kommt umweltbewusst, energiesparend und vor allem sicher durch den Straßenverkehr. Das macht nicht nur eine Menge Spaß, sondern entspannt auch alle Mitfahrende und andere Straßenverkehrsteilnehmende.

Bilder: DVR, shutterstock

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