Sicher in den Wohnmobil-Urlaub

Lust auf Camping-Urlaub? Mit diesen Tipps und Hinweisen gelingt die Reise mit dem Camper.

15. Juli 2021
3 Minuten

Sonnenbrand, schmelzendes Eis und laue Nächte: Die warmen Monate stehen bevor und mit ihnen auch die neue Wohnmobilsaison. Doch während des Winters und nach längeren Standzeiten haben sich möglicherweise Mängel und Schäden am Wohnmobil eingeschlichen. Bleiben sie unbemerkt, beeinträchtigen sie unter Umständen die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs. Wer die folgenden Tipps und Hinweise beachtet, startet unbeschwert in die Freiheit auf vier Rädern.

Die Technik-Checkliste

Auch wenn sich das Fernweh bereits meldet und man am liebsten sofort losfahren würde, gilt es, das Wohnmobil vorher auf seine Verkehrstauglichkeit zu überprüfen. Deshalb steht zunächst der Check der Technik an – noch bevor man einen Waschplatz für die Rundum-Reinigung ansteuert.

  • Besitzt die Batterie noch ausreichend Spannung für den Motorstart? Gegebenenfalls nachladen.
  • Haben die Reifen noch ausreichend Luftdruck, Profil und sind frei von Rissen? Mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe sind vorgeschrieben, bei Sommerreifen sollten es drei, bei Winterreifen vier Millimeter sein. Die DOT-Nummer an der Reifenflanke verrät dessen Alter. Reifen, die älter als sechs Jahre sind, regelmäßig überprüfen. Nach zehn Jahren sollten sie spätestens erneuert werden, bei sichtbaren Schäden wie Abnutzung, Rissen, Beulen und Dellen entsprechend früher. Auch den Ersatzreifen prüfen, falls vorhanden.
  • Folgende Füllstände können auch Laien einfach selbst überprüfen und gegebenenfalls korrigieren: Bremsflüssigkeit, Motoröl, Kühlmittel, Scheibenwischwasser. Bei der Gelegenheit auch die Wischerblätter des Scheibenwischers begutachten und poröse oder beschädigte Wischerblätter austauschen.
  • Funktioniert die Fahrzeugbeleuchtung wie Abblend- und Fernlicht, Nebelscheinwerfer und -Schlussleuchte, Blinker und Warnblinkanlage? Die Überprüfung von Bremslichtern, Rückfahrleuchten und Rückfahrlicht übernimmt am besten eine zweite Person hinter dem Fahrzeug.
  • Wann steht die nächste Haupt- und Abgasuntersuchung an? Besonders bei nur saisonal genutzten Fahrzeugen gerät die Prüfplakette schnell in Vergessenheit. So liest man an der Plakette ab, wann das Wohnmobil zur nächsten TÜV-Prüfung muss: Die Zahl auf der Zwölf-Uhr-Position steht für den Monat, die Ziffer in der Mitte zeigt das Jahr an. 
  • Funktionieren die Bremsen einwandfrei? Zunächst sollte – falls möglich – eine Sichtkontrolle der Bremsscheiben erfolgen. Sie sollten glatt und frei von Riefen sein. Anschließend bei einigen vorsichtigen Manövern prüfen, ob die Bremsen richtig zupacken. Dabei sollten sie spürbare Vibrationen im Lenkrad verursachen. Treten solche Vibrationen auf, oder zieht das Fahrzeug bei stärkeren Bremsmanövern spürbar nach links oder rechts, ist der Weg in die Werkstatt unumgänglich. 

Die Außen- und Innenreinigung

Egal, ob der Camper während der kalten Jahreszeit genutzt wurde oder auf einem Stellplatz überwintert hat, sicher hat sich einiges an Dreck und Staub gesammelt. Darum steht nach dem Technikcheck eine gründliche Außenreinigung auf einem zugelassenen Waschplatz an.

  • Als Erstes das Fahrzeugäußere mit dem Hochdruckreiniger von oben nach unten vom gröbsten Schmutz befreien. Dabei einen Abstand von etwa 30 Zentimetern zwischen Dampfstrahler und Wohnmobil einhalten. Der harte Strahl kann sonst Schäden anrichten. Generell sollte er nicht direkt auf Dichtungen, Acrylglasfenster oder Lüftungsgitter am Fahrzeug gerichtet werden.
  • Auch unter dem Fahrzeug durchspülen. Am Unterboden und in den Radkästen gesammelter Schmutz speichert Feuchtigkeit und kann Rost- und Schimmelbildung verursachen.
  • Anschließend das Wohnmobil mit einem speziellen Reinigungsmittel einseifen und mit viel Wasser abspülen. Achtung: Die Acrylfenster nur mit Wasser und/oder einem speziellen Mittel reinigen. Alkohol und andere Lösungsmittel können das Material beschädigen. 

Die Innenreinigung erfolgt am besten bei geöffneten Fenstern und Türen. So kommt frische Luft an Polster, Matratzen und Textilien. Außerdem kann Feuchtigkeit entweichen und staut sich nicht im Fahrzeuginnern.

  • Den Innenraum mit möglichst wenig Wasser reinigen, um anhaltende Feuchtigkeit und Schimmelbildung zu verhindern. Staubsauger und feuchte Tücher reichen für die meisten Verschmutzungen. 
  • Auch technische Vorrichtungen und Bestandteile sollten von Staub und Schmutz befreit werden, damit sie einwandfrei funktionieren. Dazu gehören Leitungen, Heizung, Gaskasten, Kühlschrank, Abluftkanäle, Küchenoberflächen und das Fahrerhaus.
  • Funktionieren die Verschlüsse aller Türen und Schränke? Wenn sich unterwegs plötzlich Fächer öffnen und Gegenstände herausfallen, kann es gefährlich werden. 
  • Eine gute Rundumsicht ist unerlässlich für die Verkehrssicherheit. Darum die Windschutzscheibe, Seitenfenster und Spiegel reinigen. Besonders bei Gegenlicht erschweren Streifen und Verschmutzungen die Sicht.

Die erste Fahrt: langsam wieder eingewöhnen!

Besonders wenn das Wohnmobil in den Wintermonaten nicht bewegt wurde, sollte man sich zunächst behutsam wieder an dessen Fahreigenschaften gewöhnen. Dasselbe gilt, wenn man sich ein fremdes Fahrzeug mietet oder von Bekannten leiht. Die Fahrweise unterscheidet sich deutlich vom gewöhnlichen Pkw. Aufgrund der Bauweise ist die Sicht nach hinten eingeschränkt, Rückwärtsfahren, Einparken und Rangieren brauchen etwas Übung. Der erhöhte Schwerpunkt und die großen Seitenflächen machen das Wohnmobil anfällig für stärkere seitliche Neigungen in Kurven und Wind. Darum gilt erhöhte Vorsicht an Stellen, wo starke Seitenwinde auftreten können: Talbrücken, Waldschneisen, Tunnelausfahrten sowie die Enden von Unterführungen und Lärmschutzwänden. Auch wenn man zum Überholen aus dem Windschatten eines Lkw tritt, kann es plötzlich stark wehen.

Vorsicht bei Überholvorgängen

Gemäß Straßenverkehrs-Ordnung darf nur überholen, wer wesentlich schneller als die zu überholenden Verkehrsteilnehmenden fährt und sicherstellt, dass während des gesamten Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs und jede Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen sind. Darum sollte insbesondere auf Landstraßen nur überholt werden, wenn mindestens die doppelte dafür benötigte Strecke einsehbar ist. Wohnmobile benötigen ohnehin mehr Zeit und Strecke zum Überholen als ein Pkw. Sie beschleunigen nicht nur weniger schnell, auch der Bremsweg ist deutlich länger. Deshalb im Zweifel lieber auf Nummer sicher gehen und nicht überholen.

Sorgfältig beladen, nicht überladen

Art und Gewicht der Ladung beeinflussen die besondere Fahrphysik eines Wohnmobils zusätzlich. Schwere Gegenstände sollten möglichst bodennah verstaut werden, damit sich der Schwerpunkt nicht gefährlich nach oben verlagert. Wohnmobile ragen am Heck meistens sehr viel weiter über die Hinterachse hinaus als Pkw. Eine zu schwere Beladung in diesem Bereich (z. B. im Heckstauraum) führt zu ungleicher Belastung der Achsen. Das kann insbesondere bei Wohnmobilen mit Frontantrieb zu großen Problemen beim Fahrverhalten in Kurven oder auf nassen Straßen führen. Außerdem sollten Wohnmobilfahrende die maximal erlaubte Zuladung kennen. Diese ergibt sich aus der Differenz zwischen dem zulässigen Gesamtgewicht (in der Regel 3,5 Tonnen) und dem Leergewicht des Fahrzeugs. Sie ist in der Zulassungsbescheinigung vermerkt. Besonders mit vielen Vorräten, vollen Wassertanks, Gepäck und weiteren Insassen im Wohnmobil ist das maximal erlaubte Gesamtgewicht schnell erreicht.

Bilder: shutterstock

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