Kaltes Wetter, heiße Öfen

Motorradfahren in Herbst und Winter ist möglich und macht Spaß, wenn man einige Tipps beachtet und sich gut vorbereitet.

19. November 2021
4 Minuten

Mit dem Herbstanfang endet die Motorradsaison? Nicht zwangsläufig! Schöne Touren sind auch noch möglich, wenn die Blätter fallen und die Tage kürzer werden – oft sogar noch bis weit in die Wintermonate hinein. Vorausgesetzt, Motorradfahrerinnen und -fahrer passen sich und ihre Fahrweise den Witterungs- und Straßenverhältnissen an. Mit welchen jahreszeitlichen Besonderheiten man rechnen muss, worauf es dabei ankommt und wann das Motorrad besser stehen bleibt, erfahren Sie hier.

Achtung, blendendes Wetter!

Jetzt sind die Tage kürzer und die Dämmerung setzt früher ein. Für Motorradfahrerinnen und -fahrer bedeutet eine tiefstehende Sonne doppeltes Risiko. Einerseits beeinträchtigt sie die Sichtweite der Zweiradfahrenden selbst, situativ kann das grelle Licht sogar blenden. Andererseits sind sie für andere Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer im Gegenlicht schlechter sichtbar – auch bei eingeschaltetem Scheinwerfer. Eine vorausschauende Fahrweise hilft, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen. Das Helmvisier sollte sauber und frei von Kratzern sein. Andernfalls droht bei tiefstehender Sonne gefährliches Streulicht, das die Fahrerin oder den Fahrer blenden kann. Mit einem beschlagfreien Pinlock-Visier behält man auch bei kalten Temperaturen den Durchblick. Die zweite Kunststoffscheibe birgt jedoch auch Nachteile, so zerkratzen diese Visiere beispielsweise leicht. Lassen Sie sich beraten und testen Sie den Helm ausgiebig, bevor es auf längere Touren geht.

In der Dämmerung steigt auch die Gefahr durch Wildwechsel. Im Herbst setzt sie früher ein, dadurch gehen Rehe und Wildschweine zu verkehrsstärkeren Zeiten auf Nahrungssuche. Besonders hoch ist das Risiko auf Landstraßen, entlang von Feldern oder in der Nähe von Waldgebieten. Deshalb sollten Motorradfahrerinnen und -fahrer in den Morgen- und Abendstunden die Fahrbahnränder besonders im Blick behalten – auch dort, wo keine Verkehrszeichen gesondert auf Wildwechsel hinweisen.

Dunkelheit und Nebel schränken die Sichtweite erheblich ein. Letzteres führt mitunter zu Wahrnehmungsschwierigkeiten: Die Entfernung zu anderen Fahrzeugen scheint größer, als sie tatsächlich ist. Bei diesen Bedingungen sollte man schon vorab überlegen, ob die Fahrt unbedingt notwendig ist. Tritt unterwegs plötzlich Nebel auf, muss die Fahrweise angepasst werden. Nebelscheinwerfer, wenn vorhanden, einschalten und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug vergrößern. Empfehlenswert ist: Die maximale Höchstgeschwindigkeit entspricht etwa der Sichtweite in Metern. Weniger ist sicherer. Beträgt sie etwa 50 Meter oder weniger, bedeutet das maximal Tempo 50. Mitunter ist eine Pause am Straßenrand oder auf einem Parkplatz sinnvoll, bis die Sicht wieder klar ist.

Wo der Wind oft stärker weht

Der Herbst kündigt sich oft mit kräftigem Wind an. Zweiräder bieten ihm eine große Angriffsfläche und können durch Windböen beeinträchtigt werden. Schlimmstenfalls weht es die Maschine aus dem Fahrstreifen, oder sie bricht aus. Zusätzliche Gefahr droht durch herabfallende Gegenstände wie zum Beispiel Äste. Auf dem Motorrad ist man weniger geschützt als unter einem Autodach. Besonders windig ist es oft auf Talbrücken, in Waldschneisen, an Tunnelausfahrten sowie an den Enden von Unterführungen und Lärmschutzwänden. Bei Fahrten auf kurvigen Straßen weht es aus wechselnden Richtungen. Motorradfahrerinnen und -fahrer sollten die Windvorhersage des Wetterberichts im Vorfeld genau beachten. Unterwegs deuten sich neigende Bäume und Sträucher auf starken Wind hin. Gegebenenfalls müssen Sie Ihre Geschwindigkeit entsprechend anpassen. Je schneller ein Motorrad gefahren wird, desto weiter wird es bei kräftigem Seitenwind seitlich versetzt. Bei Sturm sollte man den nächsten Rastplatz ansteuern, Ruhe bewahren und Schutz suchen.

Straßenglätte droht auch bei Plusgraden

Neben Nässe durch Regen gibt es einige weitere klassische Ursachen für herbstliche Glätte. Dazu gehören feuchtes Laub und Verschmutzungen durch Erntefahrzeuge, die sogenannte Bauernglätte. Sie entsteht, wenn sich Erdklumpen, kleine Steine und Staub mit Regen vermischen und eine glatte Schicht auf dem Asphalt bilden. Raureif kann auch bei Plusgraden auftreten, besonders morgens und in schattigen Senken oder auf zugigen Brücken. Nasses Kopfsteinpflaster, Markierungs- oder Bitumenstreifen sind besonders rutschig. Glätte verringert die Bodenhaftung der Reifen, die Sturzgefahr steigt. Dementsprechend müssen Motorradfahrerinnen und -fahrer ihre Geschwindigkeit und den Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmenden anpassen. Behutsames Bremsen verhindert, dass ein Reifen blockiert. Motorräder mit eingebautem ABS sind zu empfehlen. Erhöhte Vorsicht gilt in Kurven, bei starker Neigung rutscht die Maschine schneller weg, besonders bei kalten Reifen.

Warm anziehen und einen kühlen Kopf bewahren

Niedrige Temperaturen beeinflussen nicht nur das Fahrverhalten des Motorrades, sondern auch das Fahrvermögen von Motorradfahrenden. Wer friert, kann sich nicht gut konzentrieren und steuern, mit kalten Händen fällt die Bedienung der Maschine – insbesondere der Bremsen – schwer. Die Reaktionszeit verlängert sich. Wer einige Tipps beachtet, dem kann die Kälte nicht allzu viel anhaben. Kleiden Sie sich nach dem „Zwiebelprinzip“, also in mehreren wärmenden Schichten. Funktionsunterwäsche aus synthetischen Materialien oder Wolle wärmt besser als Baumwolle, da sie Feuchtigkeit vom Körper wegleitet. Die Motorradkluft sollte mindestens wind- und wasserdicht, gegebenenfalls mit einem Thermofutter ausgestattet sein. Besonders in Herbst und Winter erhöht Schutzkleidung in hellen Farben und mit reflektierenden und fluoreszierenden Applikationen die eigene Sichtbarkeit. Accessoires wie eine Sturmhaube oder Unterziehhandschuhe bieten zusätzliche Wärme, ebenso feste und gefütterte Stiefel. Sollte es unterwegs dennoch einmal frisch werden, wärmt man sich am besten bei einer Kaffeepause für die nächste Etappe auf.

Bei Eis und Schnee bleibt das Motorrad stehen

Grundsätzlich spricht nichts gegen das Motorradfahren im Winter – wenn das Wetter mitspielt. Bei winterlichen Fahrbahnbedingungen gilt für Motorradfahrende die sogenannte erhöhte Sorgfaltspflicht, sie müssen vor Fahrtantritt prüfen, ob die Fahrt nötig ist, oder ob andere, sicherere Verkehrsmittel zur Verfügung stünden. Denn bei Eis und Schnee auf den Straßen ist das Bike nur sehr eingeschränkt beherrschbar. Der Bremsweg ist deutlich länger, die Maschine rutscht schneller weg – oder kommt mangels Grip erst gar nicht vom Fleck. Darum bleibt das Motorrad bei Eis und Schnee am besten stehen.

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