Bussonderfahrstreifen richtig nutzen: Wer darf drauf, was ist erlaubt?

Wer darf auf die Busspur und wer nicht? Die wichtigsten Regeln für alle Verkehrsteilnehmenden im Überblick.

18. August 2026
4 Minuten

Ein weißer Bus auf blauem Grund, dieses Schild haben die meisten Verkehrsteilnehmenden schon in Städten und Gemeinden gesehen. Doch was steckt genau dahinter? Das Verkehrszeichen weist auf den sogenannten Bussonderfahrstreifen hin. Die Busspur ist dabei keine Empfehlung: Sie ist ein rechtlich klar geregelter Sonderfahrstreifen, der dem öffentlichen Nahverkehr vorbehalten ist. Wer ihn unberechtigt nutzt, behindert nicht nur dutzende Fahrgäste im Bus, sondern gefährdet andere Verkehrsteilnehmende und riskiert Bußgelder. Was es zu beachten gibt.

Wie erkenne ich eine Busspur?

Ein Bussonderfahrstreifen wird durch das Verkehrszeichen 245 angeordnet – ein rundes, blaues Schild mit einem weißen Buspiktogramm. Auf der Fahrbahn selbst ist er häufig durch den weißen Schriftzug „BUS“ markiert. Achten Sie unbedingt auf Zusatzzeichen: Steht unter dem Schild ein Zeitfenster, etwa „Mo–Fr 7–9 Uhr“, gilt die Beschränkung nur in diesem Zeitraum. Außerhalb davon dürfen Sie den Fahrstreifen normal nutzen. Fehlt eine Zeitangabe, gilt das Verbot rund um die Uhr.

Wann darf ich auf der Busspur fahren?

Grundsätzlich sind Linienbusse des öffentlichen Personennahverkehrs sowie gekennzeichnete Fahrzeuge des Schüler- und Behindertenverkehrs berechtigt. Alle anderen Fahrzeuge dürfen die Busspur nur dann nutzen, wenn ein Zusatzzeichen dies ausdrücklich erlaubt. Je nach Beschilderung kann die Freigabe gelten für:

  • Taxis: mit dem Zusatzzeichen „Taxi frei“. Auch dann hat der Linienbus stets Vorrang. Taxis dürfen an Bushaltestellen halten, um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen, wenn dadurch kein Bus behindert wird.
  • Radfahrende: mit Zusatzzeichen „Fahrrad frei“. Busse dürfen nicht behindert werden.
  • Elektrofahrzeuge: wenn das Elektromobilitätsgesetz (EmoG) und ein entsprechendes Zusatzzeichen es erlauben
  • Einsatz- und Rettungsfahrzeuge: im Einsatz grundsätzlich berechtigt.

Für E-Scooter gilt: Sie unterliegen denselben Regeln wie Fahrräder und dürfen die Busspur nur mit explizitem Zusatzzeichen befahren. Ohne dieses Zeichen ist die Busspur tabu, auch wenn kein Bus in Sicht ist.

Welche Sanktionen drohen beim Fahren auf der Busspur?

Wer ohne Berechtigung auf den Bussonderfahrstreifen auffährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das Verwarngeld beginnt in der Regel bei 15 Euro. Bei Behinderung des Linienverkehrs kann es auf 35 Euro steigen. Wenn zusätzlich ein schwererer Verkehrsverstoß hinzukommt, etwa ein Rotlichtverstoß, eine Gefährdung, ein Unfall oder ein anderes besonders gefährliches Verhalten, dann können auch Punkte im Fahreignungsregister und Fahrverbote die Folge sein.

Halten oder Parken auf der Busspur

Für nicht berechtigte Fahrzeuge ist auch kurzes Halten verboten. Das Bußgeld für unzulässiges Halten oder Parken beginnt bei 55 Euro, bei Behinderung werden 70 Euro fällig. Es kann je nach Behinderung, Gefährdung oder Sachbeschädigung auf bis zu 100 Euro steigen. Hinzu kommen Abschleppkosten, wenn der Bus nicht mehr passieren kann.

Am Stau rechts an wartenden Fahrzeugen vorbeifahren

Das ist einer der häufigsten Irrtümer: Viele Autofahrende glauben, bei stockendem Verkehr kurz über die Busspur ausweichen zu dürfen. Das ist falsch. Innerorts ist das Rechtsüberholen auf einem Bussonderfahrstreifen verboten, unabhängig davon, wie lang die Schlange links von Ihnen ist. Die Busspur ist kein Ausweichweg, sie ist ein Vorfahrtweg für den ÖPNV. Nur der Bus darf auf dem Bussonderfahrstreifen rechts vorbeifahren.

Abbiegen nur mit Vorsicht

Wer rechts oder links über eine Busspur abbiegt, muss dem geradeaus fahrenden Busverkehr unbedingt Vorrang gewähren, auch wenn der Bus von hinten kommt. Viele Unfälle entstehen genau hier: Ein Fahrzeug biegt ab, der Bus wird übersehen. Bei einem solchen Unfall drohen bis zu 170 Euro Bußgeld, ein Punkt und ein Monat Fahrverbot.

Wann darf ich die Busspur queren?

Es gibt Situationen, in denen das Überfahren einer Busspur erlaubt ist. Die Fahrbahnmarkierung gibt Ihnen den entscheidenden Hinweis:

  • Unterbrochene Linie auf der Fahrbahn: Hier dürfen Sie queren, zum Beispiel zum Abbiegen, Einparken oder Einfahren in eine Grundstückszufahrt. Denken Sie daran: Auch hier hat der Bus Vorrang
  • Durchgezogene Linie auf der Fahrbahn: Das Überfahren ist grundsätzlich verboten. Ausnahme: Wenn eine Grundstückszufahrt nur über die Busspur erreichbar ist, dürfen Sie auch bei durchgezogener Linie queren, aber nur zügig und mit Vorrang für den Busverkehr.

Im Zweifel gilt: Warten Sie, bis der Weg frei ist.

Warum Busspuren mehr sind als eine Fahrspur

Bussonderfahrstreifen sind kein bürokratisches Detail. Sie sind ein wirksames Mittel, um den ÖPNV schneller, zuverlässiger und attraktiver zu machen. Messbare Zahlen belegen das: In Frankfurt am Main etwa sank die Fahrzeit einer Buslinie durch eine neue Busspur im Berufsverkehr um 60 Prozent – von fünf auf zwei Minuten auf dem betreffenden Abschnitt. Die Pünktlichkeit stieg gleichzeitig von 67 auf 77 Prozent. Jeder Pkw, der unberechtigt auf der Busspur fährt, beeinträchtigt diesen Effekt – für alle, die im Bus sitzen.

Dos & Don'ts auf der Busspur – das Wichtigste auf einen Blick

Auto, Lkw- und Motorradfahrende

  • Busspur nur befahren, wenn Zusatzzeichen es erlaubt. Oft weist beispielsweise eine zeitliche Begrenzung für Wochentage darauf hin, dass die Spur nur in dem definierten Zeitraum als Busspur gilt. Außerhalb dieser Zeiten dürfen alle anderen Verkehrsteilnehmenden sie befahren
  • Beim Abbiegen über die Busspur hat der Bus immer Vorrang.
  • Nicht auf der Busspur halten oder parken – auch nicht kurz.
  • Nicht bei Stau rechts über die Busspur ausweichen.

Radfahrende

  • Busspur nutzen, wenn Zusatzzeichen „Fahrrad frei“ vorhanden.
  • Busse nicht behindern – im Zweifel rechts ranfahren und warten.
  • Ohne Freigabe: Busspur meiden.

E-Scooter-Fahrende

  • Radweg oder Radfahrstreifen nutzen – das ist die Regel.
  • Busspur nur bei explizitem Zusatzzeichen „Rad frei“ befahren.
  • E-Scooter dürfen ohne Freigabe die Busspur nicht nutzen – auch nicht, wenn kein Radweg vorhanden ist.
  • Nicht auf der Busspur halten oder warten.

Busspuren können ihren Zweck nur erfüllen, wenn alle Verkehrsteilnehmenden mitspielen. Wenn Sie die Busspur freihalten, ermöglichen Sie es Dutzenden von Menschen, pünktlich zur Arbeit, zu Arztterminen oder nach Hause zu kommen. Denken Sie daran: Jeder Bus, der auf der freien Busspur ungehindert fährt, ist ein Beitrag zu weniger Stau, weniger Emissionen und mehr Verlässlichkeit im Stadtverkehr.

Halten Sie die Busspur frei und kommen Sie sicher ans Ziel.

Bilder: BASt, Shutterstock