Kinder im Auto richtig sichern – so gehts

Eine Studie zeigt: Fast die Hälfte aller Kinder wird im Auto falsch gesichert. Das sollten Eltern wissen.

07. April 2026
5 Minuten

Fahrten im Auto können für Kinder gefährlich sein. Im Jahr 2024 verunglückten in Deutschland 27.261 Kinder im Straßenverkehr. Dabei kamen 53 Kinder ums Leben, fast 40 Prozent davon (21) als Mitfahrende in Pkw. Insgesamt verunglückten 11.245 Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren als Insassen eines Autos. Erschreckend, denn viele dieser tragischen Ereignisse wären vermeidbar, würden die vorgeschriebenen Kindersitze korrekt zum Einsatz kommen. Leider ist das oft nicht der Fall: Rund die Hälfte aller befragten Erwachsenen hatten keine ausreichende Kenntnis über die korrekte Sicherung von Kindern im Fahrzeug, so das Ergebnis einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

Schwere Fehler beim Einbauen von Kindersitzen nehmen zu

1.042 Fahrende mit im Auto gesicherten Kindern erfasste die UDV 2018 bei ihrer Stichprobenstudie. In 496 Fahrzeugen (47,6 Prozent) stellten die Forschenden einen unsachgemäßen Gebrauch der Rückhaltesysteme fest. Alarmierend: Es kommt immer wieder zu falsch oder nicht ausreichend gesicherten Kindern, da Eltern und andere Betreuungspersonen häufig nicht ausreichend aufgeklärt sind. Zu den häufigsten Fehlern gehören ein zu locker eingestellter Gurt beim Transport, das Vertauschen vom Becken- mit dem Schultergurt oder ein nicht deaktivierter Airbag bei Babyschalen auf dem Beifahrersitz. „Das Hauptproblem ist, dass die Erwachsenen Fehler machen und es nicht besser wissen“, sagt der damalige UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Unter Fehlgebrauch versteht die UDV etwa einen dem Alter oder der Größe des Kindes nicht angepassten Kindersitz, eine falsche Gurtführung oder eine mangelhafte Montage des Kindersitzes im Fahrzeug.

Crashversuch mit fehlerhaft angeschnalltem Kind

Fehler beginnen oft schon beim Einbau

Wer glaubt, die Montage eines Kindersitzes sei ein Kinderspiel, irrt sich. „Rückhaltesysteme einbauen ist manchmal sehr herausfordernd. Und deswegen ist es wichtig, sich die Anleitung genau durchzulesen,“ erläutert Experte Brockmann. Schuld am falschen Einbau tragen jedoch nicht allein die Eltern. Auch bei den Herstellern sieht der Unfallforscher Verbesserungspotenzial, denn einige Rückhaltesysteme seien zu kompliziert zu montieren. „Und wenn der Einbau zu kompliziert oder die Anleitung nicht eindeutig ist, dann führt das automatisch zu groben Fehlern“, sagt Brockmann und fordert Nachbesserung.

Das größte Problem? Die falsche Gurtführung

Die meisten Fehler bei der Befestigung einer Babyschale oder eines Kindersitzes machen Eltern bei der Gurtführung. Beim Stichprobentest führten sie den Sicherheitsgurt entweder nicht durch die richtigen Öffnungen oder zogen ihn zu locker an. Erschreckend dabei: Knapp 50 Prozent der befragten Eltern wussten nicht, wie sie den Kindersitz korrekt bedienen. Wenn Sie mit der Anleitung nicht zurechtkommen und sich fragen: „Wie befestige ich einen Kindersitz mit Gurt?”, sollten Sie sich den Einbau von einer versierten Person in Ihrem Fahrzeug vorführen lassen.

Isofix-Kindersitzsysteme: Besonders sichere Kindersitze fest mit dem Auto verbinden

Rückhaltesysteme, die Sie nur mit dem Autosicherheitsgurt sichern, sind weniger stabil. Sie stehen instabiler auf dem Sitz; das Risiko eines Fehlgebrauchs durch falsche Gurtführung ist hoch. Isofix-Systeme sind dagegen optimal, da sie über eine Verankerung fest mit dem Auto verbunden sind und sich leicht montieren lassen. Am Isofix-Kindersitz befinden sich zwei Rastarme aus Metall. Diese klappen oder ziehen Sie heraus und haken sie in die dafür vorgesehenen Haltebügel im Fahrzeug ein.

Wichtig: Isofix ist nur sicher, wenn die Verankerungspunkte im Fahrzeug fachgerecht vorhanden oder mit einem zertifizierten System durch eine Fachwerkstatt nachgerüstet wurden. Nicht alle Nachrüstlösungen erfüllen die erforderlichen Sicherheitsstandards.

Kindersitze am besten im Fachmarkt kaufen

Das Angebot an Kindersitzen ist riesig. Im Internet finden Sie viele Informationen, z. B. in Testberichten. Doch es reicht nicht aus, einfach den Testsieger zu bestellen. Ob der Sitz wirklich passt, zeigt erst der Praxistest im Fachhandel. Denn Rückhaltesysteme sollten Sie immer in Ihrem Auto testen. Achten Sie dabei darauf, dass der Gurt lang genug ist und das System eben auf dem Autositz aufliegt. Wackelt der Kindersitz? Dann passt er nicht in Ihr Auto. Achten Sie auch auf die Breite. Montieren Sie den Kindersitz dicht am Gurtschloss, er darf es aber nicht berühren. Andernfalls könnte sich das Schloss während der Fahrt durch leichte Bewegungen öffnen.

Damit Kinder auch auf längeren Fahrten bequem sitzen, sollte der Kindersitz gut gepolstert sein und über einen atmungsaktiven Stoffbezug verfügen. Dies können Sie ebenfalls direkt beim Fachhändler prüfen. Dunkle Stoffe heizen sich im Sommer schnell auf und können für kleine Kinder zur Qual werden. Vor Flecken auf hellem Stoff müssen Sie sich nicht fürchten, denn bei hochwertigen Kindersitzen können Sie den Bezug abnehmen und waschen.

Achtung: Keine dicke Jacke im Kindersitz!

Dicke Kleidung wie Winterjacken oder klobige Pullover können im Kindersitz zur großen Gefahr werden. Sie erzeugt zu viel Spielraum zwischen dem Gurt und dem Körper Ihres Kindes. Bei einem Unfall kann der Gurt dann nicht optimal greifen und Ihr Kind nicht richtig zurückhalten. Ziehen Sie Ihrem Kind deshalb lieber dünnere Kleidung an und decken Sie es bei Bedarf mit einer Decke zu. So ist es warm und sicher.

Welcher Kindersitz ist für welches Alter geeignet? Die Gruppen im Überblick

Kindersitz-GruppeKörpergewicht des KindesAltersbereich
Gruppe 0/0+ (Babyschale)bis 13 kgbis 18 Monate
Gruppe 0/1bis 18 kgbis 3 Jahre
Gruppe 19 kg bis 18 kg1 bis 3 Jahre
Gruppe 2/315 kg bis 36 kg3 bis 12 Jahre
Gruppe 1/2/39 kg bis 36 kg9 Monate bis 12 Jahre

Babyschale, Kindersitz, Sitzerhöhung – Was für wen?

Für Neugeborene ist ausschließlich eine Babyschale der Gruppen 0 oder 0+ geeignet. Laut UDV sollten Sie Babys und Kleinkinder bis zum Alter von 18 Monaten in rückwärts gerichteten Babyschalen der Gruppen 0, 0+ und 1 befördern. Der Grund: Bei Kleinkindern ist der Kopf verhältnismäßig schwer und die Muskulatur noch zu schwach, um die Kräfte eines Frontalunfalls abzufangen. Babyschalen stützen Kopf und Rücken dagegen großflächig ab. Wechseln Sie deshalb nicht zu früh auf einen vorwärts gerichteten Kindersitz.

Die Babyschale ist das sicherste System für Ihr Baby. Sie ist erst zu klein, wenn der Kopf darüber ragt. Wenn Sie die Babyschale auf dem Beifahrersitz montieren – eine Position, die viele Eltern bevorzugen –, müssen Sie unbedingt den Beifahrerairbag deaktivieren! Ist er nicht ausgeschaltet, kann er die Babyschale zerquetschen. Im schlimmsten Fall kann dies zu schwersten, im Extremfall tödlichen Verletzungen führen. Wenn der Airbag nicht abschaltbar ist, muss Ihr Kind auf der Rückbank sitzen.

Hat der Kindersitz ein Ablaufdatum? Ein wichtiger Hinweis!

Es gibt zwar kein gesetzliches Ablaufdatum, doch die Materialien altern. Kunststoffe ermüden durch UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und Belastung. Dadurch kann der Schutz nachlassen. Hersteller empfehlen deshalb, Sitze nach sechs bis zehn Jahren ab Produktionsdatum auszutauschen.

Nach einem Unfall müssen Sie den Sitz immer sofort ersetzen, auch wenn keine sichtbaren Schäden vorliegen. Kaufen Sie gebrauchte Sitze nur, wenn deren unfallfreie Historie nachweislich vorliegt und Sie das Alter kennen. Prüfen Sie den Hinweisaufkleber am Sitz, um genaue Angaben zu erhalten. In der Regel gibt der Hersteller auch in der Bedienungsanleitung eine Empfehlung zur maximalen Nutzungsdauer.

Expertinnen und Experten raten: späterer Wechsel von der Babyschale zur Gruppe 1

Die meisten Kinder sind im Alter von zwölf bis 18 Monaten zu groß für eine Babyschale. Dann ist es Zeit für einen Sitz der Gruppe 1, der entweder einen integrierten Hosenträgergurt oder einen Fangkörper vor dem Becken hat. Dieser bietet einen guten Seitenhalt und lässt sich je nach Modell auch gegen die Fahrtrichtung montieren. Dies ist von Vorteil, da die rückwärtsgerichtete Platzierung die Sicherheit bei Unfällen erhöht. Fachleute raten deshalb dazu, diese sogenannten Reboarder-Sitze möglichst lange zu nutzen, aber nicht mehr, wenn Ihr Kind über 18 Kilogramm wiegt.

Gruppe 2 und 3: Immer mit integrierter Rückenlehne sichern

Meist wird es Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren in Gruppe-1-Sitzen zu eng. Dann ist es Zeit für eine Sitzerhöhung mit Rückenlehne. Bei den Sitzen der Gruppen 2 und 3 sichern Sie die Kleinen mit dem Dreipunktgurt des Autos. In der Regel lassen sich Kopfstützen und Gurtführung verstellen und passen sich an die Größe des Kindes an. Bei Sitzerhöhungen sollten Sie die Rückenlehne so lange wie möglich nutzen, da sie einen optimalen seitlichen Kopf- und Körperschutz bietet. Sitzerhöhungen ohne Rückenlehne sind weniger sicher. Nutzen Sie diese nur im Notfall oder bei Platzmangel.

Das sagt der Gesetzgeber: Vorschriften für Kindersitze im Auto

Wenn Sie ein Kind ohne Rückhaltesystem im Auto mitnehmen, handeln Sie fahrlässig und verstoßen gegen die Vorschriften. Die StVO regelt eindeutig, dass Kinder bis zu einem Alter von zwölf Jahren und einer Körperlänge von unter 150 Zentimeter nur in geeigneten Rückhaltesystemen mitfahren dürfen. Verstöße gegen die Kindersicherungspflicht ahndet der Gesetzgeber mit Bußgeldern ab 30 Euro. Ist ein Kind gar nicht gesichert, erhöht sich das Bußgeld auf 60 Euro, bei mehreren völlig ungesicherten Kindern auf 70 Euro. In beiden Fällen kommt ein Punkt ins Flensburger Fahreignungsregister hinzu.

Wichtig: Es dürfen nur noch neue Kindersitze gemäß der UN-Reg. 129 (i-Size) verkauft werden. Sitze nach UN-ECE-Reg. 44 dürfen Sie weiterhin nutzen, aber nur noch gebraucht erwerben. Beachten Sie das Prüfsiegel!

Gefahr: Lasche Einstellung einiger Eltern

Zurück zur UDV-Stichprobenstudie: Rund jeder fünfte Erwachsene ist sich seiner Fehler bei der Kindersicherung bewusst. Eltern führen dafür Zeitnot oder eine kurze Fahrtstrecke an, nach dem Motto: „Das wird schon gut gehen, es ist ja nicht weit.“ Dass viele Eltern die Gefahr auf Kurzstrecken unterschätzen, belegen auch Untersuchungsergebnisse der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

Laut einer BASt-Studie waren innerorts 11 Prozent aller überprüften Kinder im Auto nicht altersgerecht gesichert. Bei Kleinkindern unter fünf Jahren waren es noch 2,7 Prozent. Dies ist ein alarmierendes Ergebnis, denn innerorts ist das Unfallrisiko aufgrund erhöhter Verkehrsdichte und oft unübersichtlicher Situationen besonders hoch.

Schnell mal eben losfahren? Mit Kindern? Bitte nicht!

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat empfiehlt: Nicht der Kindersitz allein schützt, sondern seine korrekte Nutzung. Eltern sollten deshalb vor jeder Fahrt kontrollieren, ob Sitz, Gurtführung und Einbau wirklich stimmen. Denn schon kleine Fehler können im Ernstfall große Folgen haben. Laufen die Gurte noch in den Führungen? Sind sie vielleicht verdreht? Liegt der Kindersitz eben auf der Sitzfläche des Autositzes auf? Ein kurzes Rütteln und Ziehen reichen meist aus, um festzustellen, ob alles in Ordnung ist. Auch bei einem Ampelstopp hilft ein kurzer Blick zu Ihrem Kind. Wenn ein Gurt locker in der Luft hängt, stimmt etwas nicht. Dann gibt es nur eine Lösung: Halten Sie an einer geeigneten, sicheren Stelle an und ziehen Sie den Gurt nach! So viel Zeit muss sein.

Bei Babys und Kleinkindern gilt: möglichst lange rückwärtsgerichtet sichern, den Einbau im eigenen Fahrzeug testen und bei Babyschalen auf dem Beifahrersitz den Airbag konsequent ausschalten.

Bilder: DVR, Video: GdV

Weiterführende Links

Weiterführende Links:

„Verwendung von Kinderschutzsystemen” der Unfallforschung der Versicherer

PDF-Broschüre zum Download

„Geschnallt? Kinder im Auto“

Bei der sicheren Mitnahme von Kindern im Auto ist einiges zu beachten. Diese Broschüre des DVR beinhaltet Tipps und Informationen rund um das Thema „Kinder im Auto mitnehmen“.

PDF Broschüre zum Download

„Kinder im Auto mitnehmen“

Tipps für den Straßen-Verkehr in Leichter Sprache

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