Die Alltagshelfer

Fahrassistenzsysteme erhöhen die Sicherheit im Straßenverkehr. Doch wie funktionieren die technischen Helfer im Auto?

29. April 2022
4 Minuten

Bereits in der Fahrschule lernt man: Sicheres Fahren erfordert Aufmerksamkeit und ständige Vorsicht. Die Verantwortung liegt immer beim Fahrenden. Doch in den vergangenen Jahren kamen technische Helfer hinzu. Assistenzsysteme unterstützen den Menschen und können diesem bei Unachtsamkeit oder in komplexen Situationen dabei helfen, Fehler zu vermeiden. Sie warnen durch akustische, visuelle oder haptische Signale oder greifen aktiv in das Fahrgeschehen ein. „Runter vom Gas“ stellt vier Fahrassistenzsysteme für Pkw vor.

Der Bremsassistent (BA)

Der Bremsassistent gehört seit Februar 2011 zur Pflichtausstattung für neuzugelassene Pkw. Er erzeugt den maximal möglichen Bremsdruck bei einer Gefahrenbremsung. Wenn ein Kind plötzlich die Straße betritt, ein Reh aus den Büschen springt oder andere Gefahrensituationen aufkommen, müssen Autofahrende nicht nur schnell, sondern auch sicher reagieren. Bei der Vollbremsung entfaltet sich die komplette Bremswirkung nur, wenn das Pedal durchgedrückt wird. Der Bremsassistent unterstützt dabei. Er erkennt bei einer Vollbremsung eine hohe Betätigungsgeschwindigkeit des Pedals und intensiviert die Wirkung, sodass der Wagen schneller zum Stehen kommt.

Die Assistenten auf der Spur

In der Familie des Spurassistenten gibt es zwei Systeme, die Gefahren vorbeugen: der Spurhalteassistent und der Spurwechselassistent. Der Spurhalteassistent warnt beim versehentlichen Verlassen der Fahrspur durch ein Vibrationssignal, einen optischen oder akustischen Hinweis. Er kann darüber hinaus auch aktiv in die Querlenkung des Fahrzeugs eingreifen und das Fahrzeug in der Spur halten. Der Spurwechselassistent unterstützt Autofahrende beim Überholvorgang und Fahrspurwechsel. Sensoren erkennen seitlich fahrende Autos, die sich möglicherweise im sogenannten toten Winkel befinden, sobald sich ein Spurwechsel andeutet. Die Warnung erfolgt durch eine Anzeige im Seitenspiegel oder ein akustisches Signal oder eine haptische Warnung. Darüber hinaus gibt es auch Systeme, die den Fahrenden nicht nur warnen, sondern auch aktiv in die Lenkung eingreifen können, um eine drohende Kollision zu vermeiden. Der Spurwechselassistent kann andere Verkehrsteilnehmende wie Motorradfahrende schützen, die möglicherweise von den Autofahrenden beim Überholvorgang trotz eines Schulterblicks übersehen werden.

Der Stauassistent

Ein Stauassistent ist bei niedrigen Geschwindigkeiten und zähflüssigem Verkehr aktiv. Dieser Assistent kombiniert einen Spurhalteassistenten und einen Abstandsregeltempomaten. Dadurch hält das System automatisch den Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und stellt sicher, dass das Fahrzeug seine Spur nicht verlässt. Das System wertet die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge im Umfeld aus und passt das Tempo des eigenen Fortbewegungsmittels an, um Sicherheitsabstände einzuhalten. Dabei dient die Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeuges als Orientierung. Bremst das vorausfahrende Fahrzeug, reagiert das System und reduziert die Geschwindigkeit. Dabei muss die Fahrerin oder der Fahrer jederzeit bereit sein, einzugreifen und die Führung des eigenen Fahrzeuges zu übernehmen.

Der intelligente Geschwindigkeitsassistent (ISA)

Der intelligente Geschwindigkeitsassistent wird ab Juli 2024 zur Pflichtausstattung für Neuzulassungen gehören und unterstützt bei der Einhaltung des Tempolimits. Mithilfe von Kartendaten und optischen Sensoren erkennt das System ein durch Verkehrszeichen festgelegtes Tempolimit und kann die fahrende Person darüber informieren. Wird das Tempolimit überschritten, wird eine entsprechende optische oder haptische Warnung ausgelöst.

Neue Vorschriften ab 2022

Ab dem 6. Juli 2022 tritt in der EU die „Allgemeinen Sicherheitsverordnung“ oder „General Safety Regulation“ in Kraft, die bestimmte Fahrassistenzsysteme in neu entwickelten Fahrzeugen vorschreibt und für Neuzulassungen ab dem 7. Juli 2024 den serienmäßigen Einbau bestimmter Sicherheitsassistenzsysteme zur Pflicht macht. Darunter fallen für Pkw unter anderem der intelligente Geschwindigkeitsassistent, der Rückfahrassistent, der Notbremsassistent sowie der Notfall-Spurhalteassistent.

Fotos: Shutterstock

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