Gefährliche Hitze im Auto: So kommen Sie sicher durch den Sommer

Wenn das Auto zur Sauna wird: So schützen Sie Kinder, Tiere, sensible Technik und Ihre Reifen vor extremer Hitze.

21. August 2026
5 Minuten

Unsichtbare Gefahr: wenn der Wagen zur Sauna wird 

Sommer, Sonne, Urlaubszeit – für viele Menschen ist das die schönste Zeit des Jahres. Während moderne Klimaanlagen während der Fahrt meist für angenehme Temperaturen sorgen, unterschätzen viele Autofahrende das massive Sicherheitsrisiko im stehenden Fahrzeug: die extrem schnelle Aufheizung des geparkten Innenraums. Bereits bei 20 Grad Außentemperatur heizt die Sonne den Innenraum eines geparkten Fahrzeugs innerhalb einer Stunde auf bis zu 46 Grad auf. Bei 36 Grad Außentemperatur sind es nach nur  
30 Minuten lebensbedrohliche 52 Grad und mehr. 

Für Kinder, hilfsbedürftige Personen und Haustiere kann sich das stehende Auto bei Hitze innerhalb kürzester Zeit in eine lebensgefährliche Falle verwandeln. In diesem Zusammenhang stellt sich häufig die Frage: Ist es erlaubt, Kinder im Auto zu lassen? Die klare Antwort lautet: nein, niemals – auch nicht für den schnellen Sprung in den Supermarkt! Denn schon wenige Minuten in der Sommerglut können verheerende gesundheitliche Schäden verursachen.  

In Deutschland gibt es zwar kein Gesetz, das das Zurücklassen von Kindern explizit verbietet. Wer jedoch seine Fürsorgepflicht verletzt (§ 171 StGB) oder ein Kind in eine hilflose Lage bringt, macht sich wegen Aussetzung (§ 221 StGB) strafbar. Hier drohen Freiheitsstrafen von mehreren Jahren. Erleidet das Kind einen Hitzeschaden oder kommt im schlimmsten Fall zu Tode, drohen zudem Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung (§ 229 StGB) oder fahrlässiger Tötung (§ 222 StGB). 

Wer einen Hund bei Hitze im geparkten Auto zurücklässt, riskiert nicht nur das Leben des Tieres, sondern macht sich auch der Tierquälerei schuldig und muss mit Geld- oder Freiheitsstrafen rechnen. Auch das Schlafen im Auto ist gefährlich, wenn die Temperaturen steigen und keine Frischluftzufuhr gewährleistet ist, da der Körper im Schlaf unbemerkt überhitzt. 

Konzentrationskiller Hitze: Gefahr während der Fahrt 

Beim Fahren leidet vor allem die Konzentration unter der Hitze im Fahrzeug und das kann schnell gefährlich werden. Wenn die Temperatur im Innenraum über 25 Grad steigt, nimmt die Aufmerksamkeit rapide ab und das Unfallrisiko erhöht sich um bis zu elf Prozent. Zudem kann Flüssigkeitsmangel am Steuer ähnlich viele Fahrfehler verursachen wie 0,8 Promille Alkohol im Blut.  

Nutzen Sie deshalb während der Fahrt gezielt Ihre Klimaanlage, um einen kühlen Kopf zu bewahren und sich voll auf den Straßenverkehr konzentrieren zu können. Stellen Sie die Kühlung dabei idealerweise so ein, dass die Temperatur im Innenraum maximal acht Grad unter der Außentemperatur liegt. Das schont Ihren Kreislauf beim Aussteigen und hält Ihre Aufmerksamkeit auf dem höchsten Niveau. 

Mehr als heiße Luft – so bewahren Sie am Steuer einen kühlen Kopf

Wie Sie sich vor der Fahrt richtig abkühlen, die Klimaanlage kreislaufschonend einstellen und warum Sommerhitze auch zu Gefahren auf der Fahrbahn führen kann, lesen Sie hier.

Wenn die Technik streikt: Materialermüdung durch Extremtemperaturen 

Die enorme Hitze im Innenraum belastet auch die verbaute Fahrzeugtechnik stark. Moderne Autos stecken voller empfindlicher Elektronik, die bei dauerhafter Sonneneinstrahlung Schaden nehmen kann.   

Gefährlicher Hitzestau

Bei sommerlichen Höchsttemperaturen kann es unter der Motorhaube im Extremfall sogar über 100 Grad heiß werden.

Auch die digitalen Touchscreens und Infotainmentsysteme im Innenraum stoßen bei direkter Sonneneinstrahlung an ihre Grenzen. Um sich vor irreversiblen Schäden durch Überhitzung zu schützen, schalten sich moderne Displays bei extremen Temperaturen vorübergehend selbst ab. 

Schützen Sie die sensiblen Armaturen daher beim Parken konsequent mit einem passgenauen Sonnenschutz fürs Auto – idealerweise einer reflektierenden Sonnenschutzmatte für die Windschutzscheibe. Sollte ein Bildschirm wegen Überhitzung ausfallen, bewahren Sie Ruhe. Parken Sie das Fahrzeug im Schatten und lassen Sie den Innenraum langsam abkühlen. In den meisten Fällen schaltet sich die Elektronik danach von selbst wieder ein. Wie der Automobil-Club Verkehr (ACV) hinweist, bietet selbst ein Schattenparkplatz keinen dauerhaften Schutz, da die Sonne wandert. Nach einer Stunde kann das Fahrzeug somit wieder in der prallen Sonne stehen. 

Zudem altert die Autobatterie bei extremen Temperaturen deutlich schneller. Da moderne Systeme wie Alarmanlagen oder Keyless-Go-Systeme auch im Ruhezustand permanent Strom ziehen, kann sich die Batterie durch die hitzebedingt beschleunigten chemischen Prozesse im Sommer entladen oder ihre Leistung verringern. 

Was sollte man an einem heißen Tag nicht im Auto lassen? 

Viele alltägliche Dinge vertragen extreme Temperaturen nicht und sollten an heißen Tagen nicht im Auto gelassen werden: 

  • Powerbanks und Akkus: Eine Powerbank bei Hitze im Auto zu lagern, ist riskant. Die Hitze schädigt Lithium-Ionen-Akkus dauerhaft. Im schlimmsten Fall droht die Batterie, sich selbst zu entzünden oder zu explodieren. 
  • Sprühdosen (Deo, Insekten- und Haarspray, Sonnencreme): Ab 50 Grad droht durch den steigenden Überdruck eine Explosion. 
  • Desinfektionsmittel: Die enthaltenen Alkohole bilden leicht entzündliche Dämpfe. 
  • Wasserflaschen: Liegen sie im prallen Sonnenlicht, wirken sie wie ein Brennglas und können die Sitzbezüge entzünden. Besonders Glasflaschen verstärken den Effekt. 

Stress für die Reifen: heißer Asphalt und Reifendruck im Sommer  

Die Kombination aus glühendem Asphalt, langen Urlaubsstrecken und schwerem Gepäck bedeutet puren Stress für Ihre Reifen. Bei anhaltender Sonneneinstrahlung heizt sich die Straße extrem auf. Das weicht die Gummimischung der Reifen auf und erhöht den Verschleiß drastisch. Wie wichtig Reifen für die Fahrsicherheit sind, betont Christian Koch, Reifenexperte bei Dekra: „Der Reifen überträgt alle wesentlichen Kräfte zwischen Fahrzeug und Fahrbahn in der Längs- und Querführung, beispielsweise beim Bremsen, Beschleunigen und Lenken. Wenn diese Verbindung nicht optimal funktioniert, wirkt sich das direkt auf den Bremsweg, die Fahrstabilität, das Aquaplaning-Verhalten, das Kurvenverhalten und die Traktion – und damit letztlich auf die Verkehrssicherheit – aus.“ 

Ein korrekter Druck ist wichtig, um gefährlichen Reifenplatzern vorzubeugen. Der Experte warnt vor den Folgen falscher Druckwerte: „Zu hoher Fülldruck reduziert die Aufstandsfläche und den Reibbeiwert, das heißt, der Reifen hat weniger Grip. Zu niedriger Druck führt zu verstärkter Walkarbeit, also zu stärkerer Verformung und Belastung. Das hat eine erhöhte Erwärmung, einen stärkeren Verschleiß und ein schwammiges Fahrverhalten zur Folge – und im Extremfall kann der Reifen versagen.“ 

Besonders wichtig bei vollgepackten Urlaubsautos ist, dass die unter Druck stehende Luft im Reifen das Fahrzeuggewicht trägt. Wird das Auto schwer beladen, müssen Sie den Druck unbedingt anpassen. Christian Koch erklärt: „Wenn auf den Reifen eine höhere Last wirkt, federt dieser stärker ein. Es kommt zu einer höheren Belastung der inneren Struktur des Reifens, die im Extremfall zerstört werden kann. Ein höherer Druck kompensiert das zusätzliche Gewicht und stabilisiert die Struktur des Reifens.“ 

Wann und wie wird der Reifendruck im Sommer gemessen? 

Viele Autofahrende machen den Fehler, den Druck erst während der Fahrt an einer Autobahntankstelle zu prüfen, wenn sich die Reifen bereits erwärmt haben. Der Dekra-Experte warnt ausdrücklich vor diesem Messfehler. „Der Reifendruck erhöht sich mit zunehmender Temperatur. Die Herstellerangaben für den richtigen Fülldruck beziehen sich aber auf kalte Reifen. Wird also der Druck im warmen Zustand gemessen, kommt es zu einem Fehler. Wird der Druck dann auf den vermeintlich korrekten Wert abgesenkt, liegt er unter den Vorgaben. Der Reifendruck ist deshalb im kalten Zustand, also am besten vor Antritt einer Fahrt, zu prüfen.“ 

Der Reifendruck sollte im kalten Zustand geprüft werden, am besten also vor Antritt einer Fahrt.

- Dekra-Reifenexperte Christian Koch

Messen Sie den Reifendruck im Sommer daher regelmäßig und ausschließlich, wenn die Reifen kalt sind. Passen Sie den Druck außerdem unbedingt an das Gewicht Ihres Urlaubsgepäcks an. So schützen Sie sich und andere Verkehrsteilnehmende effektiv vor schweren Unfällen.

Bilder: Shutterstock, Dekra