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Mein Sohn ist auf dem Weg zu seinem Junggesellenabschied gestorben.

Cornelia K. | Mutter

 

Markus K. ist nur 33 Jahre alt geworden. Auf dem Weg zu seinem eigenen Junggesellenabschied verunglückte er als Beifahrer tödlich. Ein Freund hatte ihn abgeholt, um ihn mit seinem Sportwagen zur Feier zu chauffieren.

 

 

Im Jahr 2016 starben in Deutschland 3.214 Personen bei Verkehrsunfällen. Bei jedem Todesfall zerbricht mehr als ein Leben. 113 Menschen sind im Durchschnitt betroffen, wenn ein Mensch bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt: elf Familienangehörige, vier enge Freunde, 56 Freunde und Bekannte sowie 42 Einsatzkräfte wie Rettungssanitäter oder Polizisten. 

„Man weiß, dass man nie wieder seine Stimme hören wird, aber es bleibt unfassbar“, sagt Cornelia K. Die 61-jährige Ärztin aus München hat Tränen in den Augen. Sie sitzt in der Wohnküche ihres Hauses. Hier saß die Familie oft zusammen: zum Essen, zum Quatschen, zum Lachen. Cornelia K. hat fünf Kinder. Hinzu kommen in der Patchworkfamilie noch drei Kinder, die ihr Ehemann in die Familie gebracht hat. Markus war der Älteste. Seit dem Unfall steht in der Küche ein schwarz-weißes Foto von ihm.

„Der Tod von Markus hat sehr weite Kreise gezogen“, erinnert sich Cornelia K. Sie haben eine große Kiste, in der sie die Karten und Briefe, die ihnen gesendet wurden, aufbewahren. „Wir haben so viele Menschen um uns herum: Freunde, Lehrer, Patienten und Verwandte, die alle sehr betroffen waren“, erzählt sie, während sie mit den Fingern durch die Briefe streift. Viele haben gesagt, es hätte sie genauso treffen können.

Im Keller des Hauses ist ein kleines Musikstudio eingerichtet. Dieser Raum hat für Markus’ Schwester Christine eine besondere Bedeutung: „Wenn ich Markus nahe sein will, gehe ich hierhin“, sagt sie. „Er hat viel Musik gemacht, arbeitete nebenbei als DJ.“ Auf den Unterarm hat sich Christine „Minya“, den Künstlernamen ihres großen Bruders, stechen lassen.

Der 33-Jährige stand vier Wochen vor seiner Hochzeit. Richtete mit seiner Verlobten die neue Wohnung ein. Als ein Freund Markus an jenem Tag vor zwei Jahren zum Junggesellenabschied abholte, scherzte er noch: „Wird es wehtun?“ Dann ging es los.

Alkohol war bei dem Unfall nicht im Spiel. Markus’ Freund fuhr zu schnell. Es war nass auf der Straße, die Sicht war schlecht. Der Wagen geriet ins Schleudern, touchierte eine kleine Mauer, die an dieser Stelle der Autobahn statt einer Leitplanke in der Fahrbahnmitte stand. Die Mauer wirkte wie eine Rampe. Das Auto überschlug sich mehrfach und blieb schließlich als Wrack auf der Überholspur liegen. Zwei Brüder von Markus und sein Schwager waren in anderen Autos ebenfalls auf der Strecke zur Feier unterwegs. Genau wie vier Freunde, die direkt an der Unfallstelle vorbeifuhren, ohne zu wissen, dass es sich um Markus handelte.

Obwohl Cornelia K. sicher ist, dass „der Unfall hätte verhindert werden können, wenn der Fahrer eine den Wetter- und Sichtverhältnissen angepasste Fahrweise gehabt hätte“, hat sie dem Unfallverursacher verziehen. Sie gibt ihm keine Schuld am Tod ihres Sohnes.

Doch eine wichtige Botschaft möchte Cornelia K. weitergeben. Um andere Menschen vor diesem Schmerz zu bewahren, appelliert sie an alle Verkehrsteilnehmer, langsamer und bewusster zu fahren.

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Unangepasste Geschwindigkeit ist die Ursache Nummer Eins für Verkehrsunfälle mit Todesfolge. Im Jahr 2016 kamen rund 1.100 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen ums Leben. Außerorts gingen sogar rund 40 Prozent der Verkehrstoten auf Unfälle aufgrund unangepasster Geschwindigkeit zurück.

Quelle: Destatis 2017

https://www.runtervomgas.de/perspektiven-der-betroffenheit/cornelia-k.html