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Runter vom Gas
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Tödlicher Leichtsinn am Bahnübergang

Kommt es an Bahnübergängen zu Unfällen, sind die Folgen meist fatal. Die Kampagne „sicher drüber“ sensibilisiert für richtiges Verhalten.

 

Ein etwa 1.000 Tonnen schwerer Zug, der 100 Kilometer pro Stunde schnell ist, hat einen Bremsweg von etwa einem Kilometer. Es ist daher unmöglich, dass er bei plötzlich auftauchenden Hindernissen rechtzeitig zum Stehen kommt. Fußgänger, Rad- und Autofahrer dürfen sich daher nicht leichtsinnig verhalten. Die Kampagne „sicher drüber“ zeigt, warum.

Bundesweit betreibt die Deutsche Bahn 16.871 Bahnübergänge. An diesen sensiblen Verkehrspunkten kommt es immer wieder zu folgenschweren Unfällen. In den meisten Fällen handeln Verkehrsteilnehmer fahrlässig und überqueren die Gleise, obwohl rote Blinklichter, Lichtzeichen und geschlossene Schranken deutlich machen, dass ein Zug naht. Die Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes belegt: Menschliches Fehlverhalten wie Unaufmerksamkeit, Leichtsinn oder Unkenntnis sind in 95 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen die Ursache.

Um die Unfallzahlen zu senken, reduziert die Deutsche Bahn gemeinsam mit den Gemeinden und Eigentümern der Straße die Anzahl der Bahnübergänge und fördert den Bau von Über- und Unterführungen. Eine weitere Maßnahme ist die 2002 gestartete Kampagne „sicher drüber“. Daran beteiligt sind die Deutsche Bahn, der ADAC, die Bundespolizei, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sowie die gesetzlichen Unfallversicherer UVB und VBG. Das gemeinsame Ziel: Kollisionen an Bahnübergängen mithilfe von Aufklärungsarbeit verringern.

Die meisten Unfälle an Bahnübergängen in Deutschland sind durch richtiges Verhalten vermeidbar.

Unfallzahlen sinken

In diesem Jahr feiert die Präventionskampagne ihr 15-jähriges Bestehen. Die Initiatoren können eine positive Bilanz ziehen: Zwischen 2002 und 2016 hat sich die Zahl der Unfälle an DB-Bahnübergängen von 294 auf 140 mehr als halbiert. Anlässlich des Jubiläums wurde die Kampagne dieses Jahr neu aufgelegt. Ein Video sowie Plakate und Postkarten für den Einsatz in Fahrschulen und bei Vor-Ort-Terminen kommunizieren die Kernbotschaft: „Bitte verhalte Dich nicht leichtsinnig am Bahnübergang!“

 

 

Allerdings kommt es nach wie vor regelmäßig zu Unfällen – oft an beschrankten Bahnübergängen: „Manche Autofahrer schrecken nicht davor zurück, bereits heruntergelassene Halbschranken zu umfahren“, sagt Claudia Münchow, Referentin Kommunikation Netz bei der Deutschen Bahn. „Leichtsinniges, aber vor allem lebensgefährliches Verhalten wie dieses belegt, dass unsere Arbeit noch nicht getan ist.“ 2016 sind bei Verkehrsunfällen an Bahnübergängen 29 Menschen gestorben.

Mit Schockeffekt wachrütteln

Glück im Unglück hatte eine 86-jährige Autofahrerin. An einem Bahnübergang hatte sie zunächst einen Unfall. Ihr Wagen überschlug sich und blieb auf dem Bahnübergang liegen. Passanten konnten die Fahrerin jedoch befreien – Sekunden bevor eine Regionalbahn mit dem Wagen kollidierte.

Ein Wrack mit einer Botschaft

Zurück blieb ein völlig zerstörtes Auto, das mittlerweile eine wichtige Rolle bei „sicher drüber“ spielt: Montiert auf einen großen Anhänger und eingebettet in die Nachbildung eines Bahnübergangs zeigt das Wrack, was bei Unfällen dieser Art passieren kann. Seit Frühjahr 2016 ist es als Präventionsmodul deutschlandweit im Einsatz und sensibilisiert für die Gefahren an Orten, wo Schiene und Straße sich kreuzen.

Gebaut hat das Modul die Jugendhilfe Johannesburg in der niedersächsischen Gemeinde Surwold. Mit dem Projekt verbinden die Jugendlichen ein persönliches Anliegen. Denn sie haben vor zwei Jahren einen schweren Verlust erlitten: „Zwei unserer Jungs sind bei einem Unfall am Bahnübergang ums Leben gekommen“, sagt Ausbildungsleiter Stephan Hövelmann. Die Beteiligten versuchten, die Schienen trotz geschlossener Halbschranken zu überqueren. Um genau das zu verhindern, dient das Präventionsmodul als Mahnung.

Von der einstreifigen Bake bis hin zu Lichtsignalen – Verkehrszeichen an Bahnübergängen

So kommt man sicher drüber

Grundsätzlich sollten die Gleise erst überquert werden, wenn sichergestellt ist, dass von beiden Seiten kein Zug kommt. Das Andreaskreuz räumt dem Schienenverkehr den Vorrang ein. Bei rotem und/oder gelbem Blink- oder Dauerlicht muss angehalten werden, auch bei geöffneten Schranken. Geschlossene Schranken dürfen nicht umfahren werden. Im Bereich des Bahnübergangs gilt außerdem Überholverbot.

https://www.runtervomgas.de/impulse/artikel/toedlicher-leichtsinn-am-bahnuebergang.html