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Schleppend ans Ziel

Eine Panne, nichts geht mehr. Bevor man sich privat - beispielsweise von einem Freund - abschleppen lassen darf, gilt es einige Voraussetzungen zu beachten.

 

02.07.2020

Das Ende einer langen Fahrt. Noch eine halbe Stunde, dann sind auch die letzten Kilometer geschafft. Dann das: Plötzlich geht der Motor aus und nicht mehr an. Technischer K.O. Ruft man jetzt besser den kostspieligen Abschleppdienst oder den guten Freund mit dem Abschleppseil im Kofferraum an? Es kommt darauf an.

Wer sein Fahrzeug abschleppen lassen muss, darf grundsätzlich selbst entscheiden, ob er dafür ein professionelles Unternehmen beauftragt oder einen Bekannten um Hilfe bittet. Neben den möglichen Kosten muss man dabei jedoch auch technische und rechtliche Voraussetzungen beachten.

Privates Abschleppen: Unter welchen Umständen ist es erlaubt?

Erste Bedingung: Es handelt sich um einen Notfall und das liegengebliebene Fahrzeug kann nicht vor Ort repariert beziehungsweise fahrtüchtig gemacht werden. Ein leerer Tank etwa ist hingegen kein Notfall, sondern eine vermeidbare Verkehrsbehinderung. Achtung: Wer wegen Spritmangels auf der Autobahn hält oder parkt, der riskiert ein Bußgeld und einen Eintrag ins Fahreignungsregister.

Damit das Abschleppen per Seil oder Stange rechtens ist, muss die Warnblinkanlage funktionieren und während des gesamten Vorgangs eingeschaltet sein. Bei Dunkelheit gilt das auch für die Fahrzeugbeleuchtung. Zudem muss die Lenkung noch intakt sein, beim Verwenden eines Abschleppseils auch die Bremse des defekten Fahrzeugs. Zulassung und Versicherung sind ebenfalls Pflicht. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, darf man das Pannenfahrzeug auf dem kürzesten Weg zur nächsten Werkstatt ziehen – allerdings nicht über die Autobahn. Wer dort liegenbleibt und abgeschleppt wird, muss sie an der nächsten Ausfahrt verlassen. Ist das nicht möglich, führt am Anruf beim Abschleppunternehmen kein Weg vorbei. Gegebenenfalls hebt der Profi den liegengebliebenen Pkw auf das Abschleppfahrzeug. Damit darf er auch längere Strecken auf der Autobahn zurücklegen.

2019 leistete der ADAC rund 3,76 Millionen Mal Pannenhilfe.

Abschleppen: Mit Seil oder per Stange?

Einen defekten Pkw darf man sowohl mit einem geeigneten Abschleppseil oder einer Abschleppstange ziehen. Beides hat Vor- und Nachteile. Ein Seil ist elastischer und dämpft so den Ruck beim Anfahren besser ab. Außerdem ist es günstiger und leichter zu verstauen als eine Stange. Am Seil befestigt, muss im Pannenfahrzeug relativ unabhängig gesteuert, gebremst und darauf geachtet werden, dass das Seil unterwegs straff bleibt. Das erfordert besondere Aufmerksamkeit des Fahrers im abgeschleppten Wagen. Um Auffahrunfälle zu vermeiden, muss die Bremse des abgeschleppten Wagens funktionieren.

Andernfalls darf man nur eine Abschleppstange verwenden. Sie stellt einen festen Abstand zwischen beiden Fahrzeugen her und minimiert das Risiko, auf das vordere Fahrzeug aufzufahren. Die Stange überträgt Brems- und Beschleunigungskräfte direkt auf das gezogene Fahrzeug. So kann dessen Fahrer einfacher auf Brems- und Lenkmanöver reagieren. Allerdings macht sich die mangelnde Dämpfung der Abschleppstange beim Beschleunigen und Bremsen stärker bemerkbar als beim Seil. Enge Kurven sind mit der starren Verbindung schwieriger zu durchfahren.

Für Abschleppseil und -Stange gilt gleichermaßen: Der Abstand zwischen den Fahrzeugen darf höchstens fünf Meter betragen. Damit andere Autofahrer nicht dazwischen einscheren, muss das Seil beziehungsweise die Stange in der Mitte gut sichtbar markiert sein, etwa mit einem roten Tuch.

Unterwegs liegengeblieben – das richtige Verhalten

Bei einer Panne lautet die wichtigste Regel: Ruhe bewahren. Manövrieren Sie ihr Fahrzeug sofern möglich an den rechten Fahrbahnrand, auf der Autobahn auf den Seitenstreifen. Ziehen Sie vor dem Aussteigen die Warnweste an. Sichern Sie mit dem Warndreieck die Gefahrenstelle, wenn Ihr Wagen den Verkehr behindert oder auf der Autobahn zu stehen gekommen ist. Warten Sie möglichst hinter der Leitplanke, bis Hilfe eintrifft.

So hakt man sicher ein

Zunächst sollte der abschleppende Pkw möglichst nah vor dem Pannenfahrzeug parken. Das Abschleppseil oder die Abschleppstange muss sicher an beiden Fahrzeugen befestigt werden. Die dafür vorgesehenen Ösen befinden sich an der rechten oder linken Vorder- beziehungsweise Rückseite, meist auf Höhe des Kennzeichens. Bei modernen Pkw liegen sie mitunter etwas versteckter oder es gibt nur ein Gewinde, in das man eine mobile Öse einschraubt. Die genaue Position und Anweisungen sind in der Bedienungsanleitung beschrieben.

Wichtig: Um die Gefahr zu verhindern, dass das gezogene Fahrzeug ausbricht und ins Schleudern gerät, dürfen Stange oder Seil nicht diagonal befestigt sein. Sie müssen zwischen beiden Pkw eine gerade Linie, parallel zum Fahrstreifen, bilden.

Um möglicherweise gefährliche Missverständnisse zu vermeiden, sollten die Fahrer die genaue Route vorab besprechen. Im Pannenfahrzeug gilt es, die Handbremse zu lösen und in den Leerlauf zu schalten. Damit die Lenkung funktioniert und das Lenkradschloss nicht einrastet den Zündschlüssel auf Stufe I stellen. Bei Fahrzeugen mit Start/Stop-Button den Knopf ohne den Fuß auf der Bremse drücken. Erst dann vorsichtig losfahren.

Vorsicht bei Automatikgetrieben und Elektroautos

Bevor man einen Pkw mit Automatikgetriebe oder Elektromotor abschleppt, sollte man unbedingt in die Betriebsanleitung schauen. Dort stehen oft Hinweise, wie und ob solche Fahrzeuge überhaupt abgeschleppt werden dürfen. Das Problem: Sowohl bei Automatik-Getrieben als auch bei Elektroautos können schwere Schäden durch Hitzeentwicklung während des Ziehens entstehen. Kontaktieren Sie im Zweifelsfall lieber den Hersteller oder verzichten Sie auf privates Abschleppen.

Unterwegs das veränderte Fahrverhalten beachten

Unterwegs gilt es, besonders vorsichtig und vorausschauend zu fahren. Bei Geschwindigkeiten über 50 km/h ist es schwer, rechtzeitig zu reagieren. Zudem können Servolenkung und Bremskraftverstärker am defekten Pkw nicht wie gewohnt funktionieren. Weil die Warnblinkanlage während der gesamten Fahrt eingeschaltet sein muss, sind Richtungswechsel per Hand aus dem geöffneten Fenster anzuzeigen. Zum Rechtsabbiegen zeigen die Fahrer dafür mit den Fingern aus dem linken Fenster über das Wagendach nach rechts. So gelangen beide Fahrerzeuge samt Fahrer sicher zur nächstgelegenen Werkstatt.

Bilder: shutterstock

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