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Runter vom Gas
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Multimedia im Cockpit: Was ist erlaubt, was verboten?

Unsere Autos werden immer multimedialer. Damit steigt auch die Ablenkungsgefahr. Was muss ich beachten? Was ist erlaubt?

 

04.11.2019

Moderne Fahrzeugcockpits ähneln immer mehr der Kommandozentrale eines Raumschiffs. Die vielfältigen Informations- und Vernetzungsmöglichkeiten in neuen Autos erhöhen aber auch die Ablenkungsgefahr.

Ablenkung ist eine der häufigsten Unfallursachen. Nach einer Studie des Allianz Zentrums für Technik lassen sich zehn Prozent aller Unfalltoten auf Ablenkung zurückführen – mehr als 300 Getötete jedes Jahr!



Ablenkung wächst

Ein großer Ablenkungsfaktor ist das Smartphone, viele Autofahrer können während der Fahrt buchstäblich nicht die Finger vom Handy lassen. Eine weitere Gefahr: immer mehr und größere Displays mit immer mehr Informationen in modernen Fahrzeugen. Dazu das Heer von unterschiedlichsten Assistenzsystemen, die einerseits das Fahren angenehmer und deutlich sicherer machen. Anderseits lenken sie mit Piepsen, Blinken und Meldungen auf Displays den Fahrer eventuell auch ab.

Über 300 Verkehrstote pro Jahr durch Ablenkung
Quelle: Allianz Zentrum für Technik 2016

Monitore bis zum Beifahrer

Die Monitore in Fahrzeugen sind inzwischen riesig, reichen vom Lenkrad bis fast zur Beifahrertür. Klar, auch die Mitfahrer wollen unterhalten werden. Doch Vorsicht, die großen Bildschirme und die akustischen Signale können die Konzentration des Fahrers empfindlich stören. Hinter dem Steuer muss die Konzentration ganz dem Straßenverkehr gehören.

Die Nutzung von elektronischen Geräten, die zur Bedienung weder aufgenommen noch gehalten werden, ist aber nicht grundsätzlich verboten. Der Gesetzgeber erlaubt die Verwendung allerdings nur, wenn lediglich „eine kurze, den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen angepasste Blickzuwendung zum Gerät bei gleichzeitig entsprechender Blickabwendung vom Verkehrsgeschehen erfolgt oder erforderlich ist“ (§ 23 StVO, Absatz (1a) 2.b)).

Was ist „kurz“?

Die Begriffe „kurz“ und „angepasst“ sind aber nicht näher definiert. Ein Blick in § 1, Absatz (2) der Straßenverkehrs-Ordnung hilft bei der Einordnung: „Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ Der kurze Blick aufs Navigationssystem kann bei Tempo 100 auf einer viel befahrenen Autobahn schon deutlich zu lang sein. Eine Sekunde Ablenkung bedeuten hier 28 Meter Blindfahrt. 

Eine Sekunde Ablenkung, viele Meter Blindfahrt

● Bei Tempo 50 bedeutet eine Sekunde Ablenkung 14 Meter Blindfahrt.

● Bei Tempo 100 bedeutet eine Sekunde Ablenkung 28 Meter Blindfahrt.

● Bei Tempo 130 bedeutet eine Sekunde Ablenkung 36 Meter Blindfahrt.

Ablenkung ist tödlich

Wer also während der Fahrt das nächste Ziel ins Navigationsgerät eintippt, eine Playlist fürs Autoradio zusammenstellt oder einen kurzen YouTube-Clip anschaut, handelt grob fahrlässig, gefährdet sich und andere. Bereits jetzt ist rund jeder zehnte Verkehrstote laut Studien eine Folge von Ablenkung am Steuer. Die tatsächliche Zahl dürfte sogar noch höher sein, denn bei vielen Unfällen lässt sich der Zusammenhang nicht eindeutig nachweisen.

Besonders gefährlich ist die Nutzung mobiler Geräte wie Smartphones während der Fahrt. Hier ist die Ablenkung besonders hoch, wenn Fahrer das mobile Telefon verbotenerweise in die Hand nehmen. Dann ist die Blickabwendung vom Verkehrsgeschehen nicht vermeidbar. Und das zumeist auch für einen relativ langen Zeitraum. Bei Tempo 50 bedeuten beispielsweise 7,5 Sekunden Ablenkung eine Blindfahrt von 105 Metern – die Länge eines Fußballfeldes.

Während der Fahrt verboten

Der Gesetzgeber hat deshalb die Bedienung und Nutzung von Smartphones mit der Erweiterung des § 23 StVO stark eingeschränkt. Zudem gelten die Einschränkungen seit der Verschärfung auch für andere mobile Geräte: Nach dem sogenannten Handy-Paragrafen darf ein Fahrer während der Fahrt ein elektronisches Mobilgerät (siehe Infobox) weder aufnehmen noch halten. 

Das sind elektronische Mobilgeräte

Geräte im Sinne des Gesetzgebers sind auch Geräte der Unterhaltungselektronik oder Geräte zur Ortsbestimmung, insbesondere:

● Mobiltelefone

● Autotelefone

● Berührungsbildschirme

● Tablets

● Notebooks

● Navigationsgeräte

Sprachsteuerung ist erlaubt

Erlaubt ist allerdings die Nutzung per Sprachsteuerung, da dabei der Blick weiterhin auf den Straßenverkehr gerichtet ist. Beide Hände können am Lenkrad bleiben, was beispielweise in plötzlichen Ausweichsituationen entscheidend ist. Da aber auch die Eingabe von Sprachbefehlen ablenken kann, rät „Runter vom Gas“, mobile Geräte während der Fahrt generell nicht zu nutzen und Smartphones vor Fahrtbeginn in den Flugmodus zu versetzen.

Das erlaubt § 23 StVO

Elektronische Geräte dürfen während der Fahrt mit diesen Einschränkungen benutzt werden:

● Das Gerät wird nicht aufgehoben oder gehalten.

● Der Fahrer nutzt eine Sprachsteuerung oder Vorlesefunktion

● Eine kurze Blickzuwendung zum Gerät ist nur erlaubt, wenn die Verkehrs- und Sichtverhältnisse dies gestatt

Tippen beim Ampelstopp? Verboten!

Die Fahrt beginnt übrigens schon mit dem Starten des Motors. Auch während eines kurzen Ampelstopps, bei dem die Start-Stopp-Funktion den Motor abschaltet, darf der Fahrer Smartphones und andere Mobilgeräte nicht benutzen.

Bilder: Shutterstock

https://www.runtervomgas.de/impulse/artikel/multimedia-im-cockpit-was-ist-erlaubt-was-verboten.html