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Mit Sicherheit ein Klassiker

Young- und Oldtimer werden immer beliebter. Doch die Technik entspricht oft nicht modernen Standards. Worauf zu achten ist.

 

19.11.2020

Ein schöner Oldtimer zieht viele Blicke auf sich und weckt Emotionen bei Fahrer und Betrachter. Wer sich für einen automobilen Klassiker interessiert, sollte jedoch nicht aus dem Bauch heraus entscheiden. Eine eingehende Prüfung des Wunschfahrzeugs vor Kauf ist unerlässlich, um im Straßenverkehr nicht sich selbst und andere zu gefährden. Im Zweifel hilft der Fachmann mit einer professionellen Einschätzung.

Ob lange gehegter Jugendtraum, Sammelleidenschaft oder Einstieg in ein neues Hobby: Immer mehr Menschen in Deutschland interessieren sich für klassische Fahrzeuge. Das spiegelt sich in steigenden Zulassungszahlen sowohl für Youngtimer (Fahrzeuge im Alter zwischen circa 20 und 29 Jahren) als auch Oldtimern (30 Jahre und älter) wider. Daten des Kraftfahrtbundesamtes bestätigen diesen Trend. Bei Oldtimern etwa stieg der hiesige Bestand im Zeitraum vom 01. Januar 2019 bis zum 01. Januar 2020 um 10,9 Prozent auf insgesamt 595.046 Fahrzeuge.

Am 1. Januar 2020 waren 595.046 Oldtimer in Deutschland zugelassen.

Anders sieht es bei den Unfallzahlen aus. Die Fahrer klassischer Fahrzeuge sind vergleichsweise selten an Verkehrsunfällen beteiligt. Ausschlaggebende Faktoren dafür sind unter anderem eine meist defensive und vorausschauende Fahrweise. Außerdem legen die „Schätzchen“ in der Regel nur wenige Kilometer pro Jahr zurück und diese meist bei guten Witterungs- und Sichtverhältnissen. Dennoch ist Vorsicht geboten. Gerade wegen ihres Alters mangelt es vielen Old- und Youngtimern an aus heutiger Sicht relevanter Sicherheitsausstattung.

Vor dem Oldtimer-Kauf: Macken kennen, Zustand prüfen

Der technische und optische Zustand hat nicht nur Einfluss auf den Wert des Fahrzeugs. Mangelnde Wartung und Pflege erhöhen das Unfallrisiko und gefährden schlimmstenfalls die Insassen oder andere Verkehrsteilnehmer. Bevor man einen Besichtigungstermin oder eine Probefahrt vereinbart, sollte man seine „Hausaufgaben“ erledigen und sich mit dem gewünschten Modell und typischen Macken vertraut machen. Vor Ort fällt es so leichter, etwaige Mängel zu entdecken. Gibt es sichtbare Schäden an der Karosserie? Läuft der Motor gleichmäßig? Verliert der Wagen Öl oder andere Flüssigkeiten? Hält er die Spur oder ruckelt das Lenkrad? Ist die Historie lückenlos dokumentiert? Antworten auf diese und weitere Fragen liefern wichtige Hinweise auf die Verkehrstauglichkeit. Wer unsicher ist, kann einen Fachmann hinzuziehen. TÜV und DEKRA etwa bieten auch für Old- und Youngtimer Gebrauchtwagen-Checks an. Die Experten der Prüfstellen erkennen auch verborgene Mängel und inspizieren kritische Teile wie die Bremsen besonders genau.

Die Sicherheitssysteme hängen von Modell und Baujahr ab

Bei der Entscheidung für ein klassisches Fahrzeug spielt auch dessen Sicherheitsausstattung eine Rolle. Generell gilt: Je älter das Fahrzeug, desto seltener sind Merkmale, die heute selbstverständlich sind. So sind Sicherheitsgurte oder Kopfstützen bei vielen Oldtimern aus den 1950ern und ’60ern nicht standardmäßig eingebaut. ABS und Airbag wurden erstmals 1978 beziehungsweise 1980 und zunächst nur in einzelnen Modellen verbaut. Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP kommt erst seit 1995 zum Einsatz. Die verfügbaren Sicherheitssysteme sind abhängig von Hersteller und Baujahr. Spätere Modelljahre sind häufig technisch ausgereifter, zuverlässiger und verfügen über eine bessere Serienausstattung. Bei manchen Ausstattungsmerkmalen sollte man jedoch keine Kompromisse eingehen. Auch wenn es den Originalzustand beeinträchtigt – ein nachgerüsteter Sicherheitsgurt ist im Falle eines Unfalls Lebensretter Nummer eins. Im Übrigen droht bei Umbauten, welche die Verkehrssicherheit erhöhen, in der Regel kein Verlust des H-Kennzeichens.

Das H-Kennzeichen bringt mitunter Vorteile

Liegen Erstzulassung oder Baujahr eines Pkw oder Motorrad mindestens 30 Jahre zurück, kann der Besitzer ein H-Kennzeichen (für „historisches Fahrzeug“) beantragen. Weitere Voraussetzung für diese Zulassung ist ein spezielles Gutachten, das den guten und erhaltenswerten Originalzustand des Fahrzeugs bestätigt. Dann gelten möglicherweise Steuer- und Versicherungsvorteile. Außerdem dürfen Oldtimer mit H-Kennzeichen Umweltzonen ohne Feinstaubplakette befahren.

Langsam an die Fahreigenschaften des Oldtimers gewöhnen

Neubesitzer eines Young- oder Oldtimers sollten sich behutsam mit dessen Fahreigenschaften vertraut machen. Viele ältere Fahrzeuge beschleunigen ungewohnt langsam, dafür ist der Bremsweg oft länger als gewohnt. Die Abwesenheit von Fahrerassistenzsystemen macht sich je nach Modell mehr oder weniger deutlich bemerkbar. Umso wichtiger ist eine vorausschauende und rücksichtsvolle Fahrweise. Als Besitzer ist man zudem zur regelmäßigen Wartung des Fahrzeugs verpflichtet. Für die Betriebserlaubnis müssen dessen Zustand bzw. die sicherheitsrelevanten Faktoren regelmäßig überprüft werden. Wie bei modernen Pkw ist die Hauptuntersuchung (HU) alle zwei Jahre fällig. Wer kritische Fahrzeugteile  auch zwischendurch häufiger überprüft, den Wagen gut pflegt und unterwegs im Zweifel anderen den Vortritt lässt, hat mit Sicherheit länger Spaß an seinem persönlichen Klassiker.

Bilder: shutterstock

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