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Horrorvorstellung: Reifenplatzer

Wie wahrscheinlich ist er? Und was ist zu tun, wenn es zum Ernstfall kommt?

 

12.05.2020

130km/h auf der Autobahn. Freie Straße, entspannte Fahrt. Plötzlich: ein dumpfes Geräusch. Das Fahrzeug gerät ins Schlingern, bricht seitlich aus – ein Reifenplatzer! Er ist zwar relativ unwahrscheinlich, für viele Autofahrer jedoch eine absolute Horrorvorstellung. Nach Angaben des ADAC kommt es durchschnittlich nur alle 150.000 Kilometer zu einer Reifenpanne - ein geplatzter Reifen bei voller Fahrt ist noch unwahrscheinlicher - dennoch sollten Fahrzeugführer wissen, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollten, um einen schweren Unfall zu verhindern.

Zu geringer Luftdruck und Überladung als Risikofaktoren

Zwei wesentlich Faktoren können das Platzen eines Reifens begünstigen: zu geringer Luftdruck und eine Überladung des Fahrzeuges. Beides kann dazu führen, dass sich vor allem bei längeren Fahrten die Reifenflanken - die Seitenwände der Reifen - stark erhitzen. Sind die Reifen dann schon etwas älter, kann es passieren, dass das Material an dieser Stelle nachgibt. In den meisten Fällen entweicht die Luft dann langsam. Es kann aber auch zu Rissen im Material und zu schnellem Luftverlust oder Platzern kommen.   

Eine weitere Gefahrenquelle sind Fremdkörper im Reifen: Schrauben oder Nägel können den Mantel beschädigen und zu einem schleichenden Luftverlust führen, der sich erst bei höherer Geschwindigkeit bemerkbar macht. Auch das Überfahren von harten oder scharfkantigen Gegenständen oder Hindernissen wie Bordsteinkanten kann die Reifen beschädigen. Um vorzubeugen, empfiehlt es sich, die Reifen regelmäßig und gerade vor längeren Fahrten auf Beschädigungen zu überprüfen. Reifen die älter als sechs Jahre sind, sollten regelmäßig überprüft werden. Spätestens nach zehn Jahren sollte ein Reifen ersetzt werden. Der Luftdruck sollte regelmäßig kontrolliert und auf die Anzahl der Insassen und die Beladung angepasst werden.

 

 

2019 kamen 17 Menschen bei Unfällen aufgrund von Mängeln an der Bereifung ums Leben, 360 wurden schwer verletzt.

Verhalten im Ernstfall

Kommt es trotz aller Vorkehrungen zum Ernstfall, gilt es, die Ruhe zu bewahren. Egal ob die Luft langsam oder schnell entweicht: Wenn der Druck sehr gering ist, merkt man das an der Vibration des Fahrzeugs, einem Klopf-Geräusch oder dem schwammigen Lenkverhalten. Bei schneller Weiterfahrt kann der Reifen zerreißen und sich von der Felge lösen. In jedem Fall muss das Gas weggenommen und das Lenkrad festgehalten werden, um kontrolliert und gefühlvoll gegen den Impuls des Fahrzeugs zu lenken. Keinesfalls sollte das Lenkrad schnell herumgerissen oder abrupt abgebremst werden. Der Wagen kann dann ausbrechen, herumschleudern und mit anderen Verkehrsteilnehmern zusammenstoßen. Besser ist es, gefühlvoll zu bremsen und den Wagen möglichst „ausrollen“ zu lassen.

Reserveräder bringen Sie sicher nach Hause

Nachdem der Wagen sicher und ohne Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer zum Stehen gebracht wurde gilt es zunächst, die Gefahrenstelle abzusichern. Motor aus-, Warnblinker und bei Dunkelheit Licht anmachen, Warnweste anziehen und vorsichtig aussteigen. Dabei muss auch an die Mitreisenden gedacht werden. Zunächst sich und die anderen in Sicherheit bringen. Auf der Autobahn hinter die Leitplanke treten. Danach das Warndreieck aufstellen. Innerorts im Abstand von 50 Metern zur Gefahrenstelle, auf der Landstraße bei 100 Metern und auf der Autobahn sollten es rund 200 bis 400 Meter sein. Befindet sich das Fahrzeug in oder hinter einer Kurve wird das Warndreieck vor dem Kurvenbereich platziert, um die anderen Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu warnen.

Wenn der Reifen stark beschädigt ist, ist es das Sicherste, einen Pannendienst anzurufen. Dieser kann den Reifenwechsel dann fachmännisch entweder auf der Straße oder nach dem Abschleppen an einem sicheren Ort vornehmen. Bei einfachem Luftverlust und wenig Beschädigung kann auch das Pannenset verwendet werden. Nur mit der entsprechenden Erfahrung und unter gesicherten Bedingungen sollte der Ersatzreifen oder das Notrad selbst montiert werden. 

 

Danach kann die Fahrt bis zu einer nahen Werkstatt oder nach Hause langsam fortgesetzt werden. Dort gilt es, ein neues Rad zu montieren. Ein Notrad ist klein und schmal. Beim Bremsen und Lenken muss man deshalb vorsichtig sein und  die Fahrgeschwindigkeit ist dementsprechend anzupassen.

Wunderlösung Runflat-Reifen?

Im Inneren eines Runflat-Reifen befindet sich ein zusätzliches Element, welches verhindert, dass der Reifen einfällt. So kann bei Luftverlust die Fahrt bei geringerer Geschwindigkeit trotz schadhaften Reifen fortgesetzt werden. Sobald die Fahrt beendet ist, sollte der Reifen ausgetauscht werden.

Bilder: shutterstock

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