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Verkehrsunfälle von Radfahrern

Am häufigsten kommen Radfahrer bei Unfällen mit Pkw-Fahrern zu Schaden. Wie beugen Radler Unfällen am besten vor?

 

09.11.2018

Radfahrer gehören zu den am stärksten gefährdeten Verkehrsteilnehmern. 2017 ereigneten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 79.826 Unfälle mit Personenschaden mit Fahrradbeteiligung. Damit waren Radfahrer nach Pkw-Fahrern am häufigsten in Unfälle involviert, bei denen Menschen zu Schaden kamen. 79.346 Radfahrer wurden verletzt, 382 getötet. Jeder fünfte Verletzte und fast jeder achte Verkehrstote im Straßenverkehr war 2017 demnach ein Radfahrer.

Deutlich mehr Unfälle innerorts

In den Städten hat sich das Fahrrad als Verkehrsmittel etabliert. Die Kehrseite ist: 2017 ereigneten sich 91 Prozent der Fahrradunfälle mit Personenschaden innerorts. Hier verzeichnete die Polizei 92 Prozent aller leichtverletzten, 83 Prozent aller schwerverletzen und 66 Prozent aller getöteten Radfahrer. Auf der Landstraße ereigneten sich hingegen nur neun Prozent aller Fahrradunfälle mit Personenschaden – die Polizei registrierte hier acht Prozent der leichtverletzten, 17 Prozent der schwerverletzten und 34 Prozent der getöteten Radfahrer. 

Hauptunfallgegner sind Autofahrer

Häufig hatten Radfahrer 2017 einen Unfall ohne Beteiligung eines anderen Verkehrsteilnehmers. So kamen bei 15.572 Alleinunfällen 99 Fahrradfahrer ums Leben – jeder vierte getötete Radfahrer. Deutlich häufiger waren bei einem Fahrradunfall jedoch andere Verkehrsteilnehmer beteiligt. Bei 46.153 Unfällen war jeweils ein Pkw-Fahrer involviert – dabei wurden 46.034 Radfahrer verletzt und 137 getötet. Zweithäufigster Unfallgegner war ein weiterer Radfahrer. Bei diesen Unfällen gab es 7.087 Verletzte und neun Getötete. Waren Fußgänger beteiligt, wurden 2.025 Radfahrer verletzt, drei kamen ums Leben. Laut Polizeiangaben waren 2017 knapp 43 Prozent der Radfahrer Hauptverursacher eines Unfalls mit Personenschaden. Waren Fußgänger verwickelt, lag bei 60 Prozent der beteiligten Radfahrer die Hauptschuld. Bei Unfällen mit einem Pkw waren 25 Prozent der Radfahrer hauptverantwortlich, bei Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen 20 Prozent. 

Schwerwiegende Folgen: Unfälle mit Lastkraftwagen

Unfälle zwischen Güterkraftfahrzeugen und Radfahrern nahm die Polizei 3.055 Mal auf. Dabei starben 76 Radfahrer, 2.981 wurden verletzt. Bei etwa jedem dritten Verkehrsunfall dieser Art handelte es sich um einen Abbiegeunfall. Trotz verhältnismäßig geringer Geschwindigkeiten starben dabei 37 Radfahrer, 961 wurden verletzt.

Die meisten getöteten Pedelec-Fahrer sind Senioren

Elektrofahrräder sind gefragt: Gab es 2014 in Deutschland 1,6 Millionen Modelle mit elektrischem Hilfsantrieb, waren es 2017 schon 3,1 Millionen. Mit der Beliebtheit steigen aber auch die Unfallzahlen. 2014 nahm die Polizei 2.245 Pedelec-Unfälle mit Personenschaden auf – 2017 stieg die Zahl auf 5.206. Dabei wurden 5.047 Pedelec-Fahrer verletzt, 68 getötet. Auffällig: Bei 30 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden, an denen Pedelec-Fahrer beteiligt waren, gab es keinen Unfallgegner. Damit ist die Quote der Alleinunfälle deutlich höher als bei nicht-motorisierten Fahrrädern (19 Prozent). 

Außerdem sind die Folgen bei Pedelec-Unfällen schwerer: Bezogen auf 1.000 Unfälle mit Personenschaden ist das Risiko eines tödlichen Pedelec-Unfalls mehr als dreimal so hoch wie auf einem herkömmlichen Fahrrad. Am häufigsten sind ältere Pedelec-Fahrer betroffen. Von den 205 zwischen 2014 und 2017 getöteten Pedelec-Fahrern waren 64 Prozent älter als 75 Jahre. Unter Radfahrern, die keinen Hilfsmotor hatten, waren es 34 Prozent.

Kinder verunglücken besonders häufig

Für Kinder ist das Fahrrad meist das erste Verkehrsmittel, mit dem sie dann später auch allein unterwegs sind und häufig den Schulweg bestreiten. Doch selbst mit 10 Jahren können sie noch nicht alle komplexen Verkehrssituationen und Gefahren ganz richtig einschätzen und auch nicht das Verhalten und die Geschwindigkeiten anderer Verkehrsteilnehmer. Wenn 10- bis 14-Jährige 2017 verunglückten, geschah das am häufigsten auf dem Fahrrad (49 Prozent). Meist fuhren die Unfallopfer auf der falschen Fahrbahnseite. Kinder unter 15 Jahren waren zudem am häufigsten an Fahrradunfällen beteiligt (zwölf Prozent), gefolgt von 15- bis 20-Jährigen (zehn Prozent) und 50- bis 54-Jährigen (neun Prozent). 

Häufigster Fehler: falsche Straßenbenutzung

Von den 360.736 Verfehlungen aller Fahrer, die 2017 zu einem Unfall mit Personenschaden führten, entfielen 53.286 auf Radfahrer. Damit ist für jeden siebten Fehler ein Radfahrer verantwortlich. Mit Blick auf die Verfehlung „falsche Straßenbenutzung“ ging sogar fast jeder zweite Fehler auf das Konto von Radfahrern. Das beinhaltet die verbotswidrige Benutzung der Fahrbahn oder anderer Straßenteile (6.586), Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot (2.810) oder die Benutzung der Fahrbahn entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung (Einbahnstraße) (1.949). In vielen Fällen setzten sich Radfahrer also wissentlich unnötigen Gefahren aus. Die drei häufigsten Fehler von Radfahrern bei Unfällen mit Personenschaden:

  • Falsche Straßenbenutzung (11.417)
  • Fehlverhalten beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Ausfahren (5.213)
  • Fehlverhalten beim Gewähren von Vorfahrt/Vorrang (4.904)

Wichtige Regelungen für Radfahrer im Straßenverkehr

An diese Vorgaben der Straßenverkehrsordnung (StVO) müssen sich Radfahrer halten. Ein Auszug:

  • Gekennzeichnete Radwege mit den Verkehrszeichen 237, 240 oder 241 müssen Radfahrer nutzen. Die Fahrbahn zu benutzen, ist dann für Radfahrer nicht erlaubt. Versperrt beispielsweise ein falsch parkendes Auto oder ein umgestürzter Baum den Radweg, müssen Radfahrer absteigen und ihr Rad schieben. Ist die Benutzung unmöglich oder unzumutbar, dürfen sie vorsichtig auf die Straße fahren, müssen vorbeifahrenden Fahrzeugen aber Vorrang lassen. Hinter dem Hindernis müssen sie sofort wieder auf den Radweg zurück.

  • Fahrradfahrer dürfen nur dann nebeneinander fahren, wenn sie den Verkehr dadurch nicht behindern. Mehr als 15 Radfahrer, die einen geschlossenen Verband bilden, dürfen zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren. Auf Fahrradstraßen dürfen Radler grundsätzlich nebeneinander fahren.
  • Ablenkung ist auch für Radfahrer gefährlich. Der Griff zum Smartphone während der Fahrt sowie zu laute Musik im Kopfhörer sind verboten.
  • Vor dem Abbiegen rechtzeitig Handzeichen geben, beim Abbiegen Schulterblick nicht vergessen.
  • Als Radfahrer müssen Sie auf Fußgänger Rücksicht nehmen; notfalls auf das eigene Recht verzichten.
  • In Einbahnstraßen müssen sich Fahrradfahrer an die vorgegebene Richtung halten, sofern nicht eigens aufgestellte Schilder das Fahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung erlauben.
  • Seit dem 1. Januar 2017 gilt für Radfahrer beim Überqueren einer Straße mit Lichtzeichenanlage: Fehlt eine spezielle Ampel für Radfahrer, sind die Lichtzeichen für den Autoverkehr zu beachten. Ist eine gesonderte Radfahrerampel vorhanden, muss diese beachtet werden. Das bedeutet, dass man bei „Rot“ auch dann stehen bleiben muss, wenn die Ampel für Autofahrer noch „Grün“ anzeigt.

So verhalten sich Radfahrer richtig

  • Ein Fahrradhelm ist zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben, kann aber schwere Unfallfolgen mindern und somit nachweislich Leben retten. Für „Pedelecs 45“, die per Motor bis 45 km/h unterstützen und rechtlich nicht mehr als „Fahrräder“ sondern als Kraftfahrzeuge behandelt werden, gelten andere Regeln: z.B. besteht eine Helmpflicht und sie dürfen weder innerorts noch außerorts Radwege benutzen.
  • Autofahrer und besonders Führer von Güterkraftwagen haben nur einen sehr eingeschränkten Rundumblick. Vor allem beim Abbiegen oder Spurwechsel sollten Radfahrer vermeiden, sich im toten Winkel aufzuhalten. Radfahrer sollten defensiv agieren und fahren erst an Fahrzeugen rechts vorbei, wenn sie – möglichst durch Blickkontakt – sichergestellt haben, dass sie wahrgenommen wurden.
  • Benutzen Sie den Radweg und fahren Sie in der vorgegebenen Richtung. Autofahrer rechnen selten mit entgegenkommenden Radfahrern auf der falschen Seite. Radweg also nicht entgegen der Fahrtrichtung benutzen. Ausnahme: beschilderter Zweirichtungsradweg.
  • Bei Dunkelheit und schlechter Sicht helfen Kleidung und Zubehör mit reflektierenden und fluoreszierenden Materialien, um von den motorisierten Verkehrsteilnehmern besser wahrgenommen zu werden. Ebenfalls auf funktionstüchtige Lichtsysteme, also die richtige Beleuchtung, Rückstrahler und Reflektoren achten.

  • Vorsicht bei parkenden Autos: Es könnte jemand unachtsam die Tür öffnen, um auszusteigen.
  • An Fußgängerüberwegen und in Fußgängerzonen absteigen.
  • Wer als Radfahrer die Promillegrenze überschreitet, riskiert seine Fahrerlaubnis.

Weitere Informationen über Radfahrer im Straßenverkehr gibt es auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Verkehrswacht und hier als Download:

https://www.runtervomgas.de/verkehrsteilnehmer/artikel/verkehrsunfaelle-von-radfahrern.html