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In sicheren Händen

Der Designated Driver bringt Fußballfans sicher nach Hause.

 

16.11.2018

Wenn am Wochenende der Ball rollt, machen sich viele tausend Sportfans auf den Weg, um ihr Fußballteam zu unterstützen. Viele bilden Fahrgemeinschaften und reisen mit dem Auto an. Beim Kampf um Tore und Punkte herrscht Partylaune, und meistens wollen sich die Anhänger den Spaß mit einem Schluck Bier versüßen. Damit es nach der Sportparty auf dem Nachhauseweg kein böses Erwachen gibt, ist es nötig, vorher einen „Designated Driver“ zu bestimmen. Also einen aus der Gruppe, der dafür verantwortlich ist, die Freunde nüchtern und sicher mit dem Auto nach Hause zu bringen. Warum das so wichtig ist, erfahren Sie hier.

Kein Siegesbier

Echte Fußballfans begleiten ihr Team überall hin, oft im eigenen Pkw. Laut Internetportal „fussball-spielplan.de“ müssen die Fans von Hertha BSC am weitesten fahren: Der längste Weg zu einem Auswärtsspiel führt die Berliner nach Freiburg, das sind mehr als 800 Kilometer oder rund siebeneinhalb Stunden mit dem Pkw. Damit die Fahrt nicht zur Qual wird, ist es wichtig, schon bei der Auswahl des Designated Drivers einige Grundregeln zu beachten: Der vorbestimmte Fahrer muss charakterfest sein und auch bei einem überraschenden Auswärtssieg in der Lage sein, dem „Siegesbier“ zu widerstehen. Auf längeren Fahrten sollten sich zwei Designated Driver abwechseln. Steht nur einer zur Verfügung, sollte er nicht schon den Hinweg fahren und auf dem Rückweg regelmäßig Pausen machen.

Unfallrisiko vermeiden

Null-Promille ist für den benannten Fahrer oder die ausgesuchte Fahrerin eine Selbstverständlichkeit. Denn selbst geringe Alkoholmengen beeinträchtigen die Fahrtauglichkeit. Deshalb gilt für Führerscheinneulinge in der zweijährigen Probezeit und Fahrer unter 21 Jahren striktes Alkoholverbot am Steuer, also 0,0 Promille. Verstöße dagegen werden mit mindestens 250 Euro Bußgeld und mindestens einem Punkt im Flensburger Fahreignungsregister geahndet. Zudem drohen weitere Auflagen wie die Teilnahme an einem kostenpflichtigen Aufbauseminar. Außerdem erhöht sich die Probezeit auf vier Jahre. Wer mit 0,3 Promille – dafür reicht je nach Konstitution schon ein Glas Bier – auffällig im Straßenverkehr oder in einen Unfall verwickelt wird, muss neben einer hohen Geldstrafe auch mit einem Fahrverbot und sogar einer Freiheitsstrafe rechnen. Das gilt auch für erfahrene Autofahrer. Ab 0,5 Promille drohen mindestens 500 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Der Fahrer muss dafür nicht einmal auffällig geworden sein, eine Polizeikontrolle reicht aus. Ab 1,1 Promille ist die sogenannte absolute Fahruntüchtigkeit erreicht. Die Wahrscheinlichkeit, einen Unfall zu verursachen ist mit diesem Blutalkoholspiegel zehnmal höher als nüchtern. Die strafrechtlichen Konsequenzen sind mindestens ein Bußgeld in Höhe von 3.000 Euro, drei Punkte in Flensburg, Führerscheinentzug (mindestens sechs Monate, unter Umständen auch lebenslange Sperre) und bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. Bei Wiederholungstätern fallen alle genannten Strafen deutlich höher aus, und es kann eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet werden.

231 Verkehrstote sind 2017 auf Alkohol-Unfälle zurückzuführen

So wirkt Alkohol am Steuer

Der Gesetzgeber geht aus gutem Grund so rigoros gegen Alkohol am Steuer vor. Die Auswirkungen berauschender Getränke sind am Steuer besonders fatal. Bei einem Wert von 0,5 Promille verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall verwickelt zu werden. Bei 0,8 Promille ist sie sogar schon viermal so hoch. 

  • Alkohol hat eine enthemmende Wirkung. Der Fahrer agiert deutlich risikobereiter
  • Die Motorik ist zunehmend eingeschränkt
  • Die Reaktionszeit nimmt deutlich zu

Auch das Sehvermögen ist unter Alkoholeinfluss betroffen: 

  • Da sich die Pupillen bei Lichteinfall (Gegenverkehr nachts) nicht schnell genug verengen können, ist der Fahrer deutlich schneller geblendet, als wenn man nüchtern fährt.
  • Alkoholisierte Fahrer bekommen einen sogenannten „Tunnelblick“ und können Objekte aus dem Augenwinkel nur noch schwer wahrnehmen
  • Entfernungen können nicht mehr richtig eingeschätzt werden
  • Die Sehschärfe lässt ebenfalls nach und das Umschalten von nah auf fern (und umgekehrt) dauert deutlich länger
  • Das Farbempfinden der Augen lässt nach, also werden aufleuchtende Bremsleuchten nicht mehr als warnend empfunden.

Große Gefahr durch Müdigkeit

Ein weiterer Faktor bei den Fahrten zu einem Auswärtsspiel ist die Müdigkeit. Oft finden An- und Abreise am gleichen Tag statt. Also sind 1.000 gefahrene Kilometer keine Seltenheit. Dazu stehen die Fans oft sehr früh auf, um den Anpfiff ja nicht zu verpassen. Schließlich könnte es auf dem Weg zum Stadion noch den einen oder anderen Stau geben. Dementsprechend geschlaucht ist dann der ausgewählte Fahrer, wenn der Heimweg angetreten wird. Eine große Gefahr ist der Sekundenschlaf, der bis zu 15 Sekunden dauern kann. Wenn man sich vor Augen führt, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h rund 28 Meter pro Sekunde zurücklegt, dann ist dieser Blindflug bis zu 420 Meter lang. Wenn der Fahrer Müdigkeit spürt, gibt es nur ein Mittel: Bei der nächsten Möglichkeit sofort anhalten und einen „Turboschlaf“ von zehn bis 20 Minuten versuchen. Länger wäre kontraproduktiv, weil dann der Kreislauf zu sehr runterfahren würde. Damit es gar nicht so weit kommt, helfen Pausen und natürlich jede Menge Schlaf in der Nacht vor dem Spieltag. Am besten gibt es zwei Fahrer, die sich abwechseln können.

Finger weg von Aufputschmitteln

Aufputschmittel sind tabu. Gegen die eine oder andere Tasse Kaffee während der Pausen ist nichts einzuwenden, aber vermeintliche Helfer wie Koffeintabletten und der Dauerkonsum von Energydrinks sind tabu. Diese Mittel wirken zwar kurzfristig, beanspruchen den Kreislauf des Fahrers aber stark. Beim Nachlassen der Wirkung ist die Müdigkeit umso größer. 

Nicht zu emotional werden

Auch wenn der Designated Driver alle bisher genannten Aspekte beachtet, gibt es noch ein wichtiges Eignungskriterium für den besten und qualifiziertesten Fahrer: Er ist gelassen. War das Spiel spannend und hat das eigene Team in letzter Sekunde gewonnen, fließt das Adrenalin und man ist natürlich euphorisch. Dann wird man selbstsicherer, verliert die Selbstkontrolle und schätzt Gefahren großzügiger ein. Vor allem lässt die Aufmerksamkeit nach. Und natürlich sind auch Ärger und Wut – zum Beispiel nach einer Niederlage – keine guten Begleiter im Straßenverkehr. Dann agiert man schnell aggressiver und unbeherrschter, lässt sich auf Machtkämpfe mit anderen Verkehrsteilnehmern ein und nimmt oftmals höhere Risiken in Kauf. Das Resultat sind oftmals eine überhöhte oder unangepasste Geschwindigkeit sowie Verstöße gegen den Mindestabstand durch zu dichtes Auffahren auf den Vordermann. Am besten ist es, gelassen und souverän zu reagieren, sich nicht von dem Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer beeinflussen zu lassen. Hilfreich ist auch, nicht sofort nach dem Spiel ins Auto zu steigen und loszufahren, sondern die Emotionen und das Ergebnis erst einmal „sacken“ zu lassen.

Keine Ablenkung bitte

Je länger die Fahrt, desto größer die Gefahr durch Ablenkung. Sei es durch das eigene Smartphone oder die anderen Passagiere im Auto. Doch so groß der Wunsch auch sein mag, den Lieben daheim eine Nachricht zu schicken: Der Designated Driver macht dies natürlich niemals am Steuer, sondern legt für ein Telefonat oder eine Textnachricht eine Pause ein. Auch angeregte Unterhaltungen und Diskussionen mit den Mitfahrern können die Aufmerksamkeit des Fahrers vom Geschehen ablenken. Doch der perfekte Fahrer konzentriert sich auf den Straßenverkehr und übernimmt die Verantwortung für seine Mitfahrer. Beim nächsten Mal kann er sich dann ganz entspannt zum Spielort und zurückbringen lassen.

Bilder: istock Essentials/ Alf Snaiper ; fotolia/Blackday

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