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Erfahrung kommt an

Eine ehemalige BF17-Teilnehmerin und ihr Großvater zeigen: Unterschiedliche Generationen können auf der Straße voneinander profitieren.

 

06.03.2018

Die ehemalige BF17-Teilnehmerin Lucy (18) und Ihr Großvater Manfred (77) aus Meerbusch sind ein eingespieltes Team – trotz 59 Jahren Altersunterschied. Manfred hat seine Enkelin während ihrer BF17-Zeit begleitet. Davon haben Jung und Alt gleichermaßen profitiert.

Jung und älter – bei BF17 ein erprobtes Team

Die beiden sind ein erprobtes Team. Lucy darf seit ihrem 18. Geburtstag vor knapp sechs Monaten jetzt auch ohne Begleitung Auto fahren und hat „noch keine Beule in Opas Auto gefahren“, wie sie sagt. Vorher ist sie ein Jahr lang in Begleitung ihres Großvaters gefahren. Manfred hatte 1959 seinen Führerschein bereits nach nur drei Fahrstunden in der Tasche, der ehemalige Schlosser hat immer noch den grauen „Lappen“ von damals.

Lucy und Manfred bildeten ein Jahr lang ein gutes Team.

„Unglaublich, was Opa alles sieht.“

Manfred fühlt sich im Straßenverkehr sicher. Er fährt vorausschauend.

Manfred greift in die Hosentasche und holt den Autoschlüssel hervor: „Lass mich mal starten.“ Enkelin Lucy erklimmt den Beifahrersitz und erzählt: „Die ersten Kilometer ohne Fahrlehrer waren schon ungewohnt. Aber mit Opa neben mir habe ich mich sofort sicher gefühlt.“ Vor allem das vorausschauende Fahren habe sie von ihrem Großvater gelernt. „Unglaublich, was Opa alles am Straßenrand und weit vor dem Auto sieht“ – oder erahnt. Denn viele Situationen im Straßenverkehr wiederholen sich ständig: der Fußgänger, der noch schnell über die eigentlich rote Ampel huscht. Der Autofahrer, der ohne zu blinken links abbiegt. Die Kinder, die einem Ball hinterherlaufen. Der Opa rechnet ständig mit Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer. „Aber eigentlich sollst du ja zeigen, was du gelernt hast“, sagt da Manfred zu seiner Enkelin. Also Fahrerwechsel am Straßenrand.

Lucy hat viel von ihrem Großvater gelernt. Sie fährt entspannt und ruhig.

Senioren sind vorsichtiger und langsamer

In aller Ruhe stellt sich Lucy Sitz, Lenkrad und Spiegel ein. „Ein bisschen nervös bin ich schon“, bekennt sie. Merkt man aber nicht. In einer engen, zugeparkten Wohnstraße drosselt sie das Tempo erheblich. Gut so, denn es könnten ja plötzlich Kinder zwischen den geparkten Autos auftauchen und auf die Straße laufen. Aber nicht nur die Kleinen sind in Wohnstraßen besonders gefährdet, sondern auch Senioren. Oftmals bewegen sie sich aufgrund ihrer eingeschränkten Beweglichkeit oder verminderter Seh- und Hörfähigkeit unsicher und langsam im Verkehr. Ältere Fußgänger schauen häufiger auf den Boden, um nicht zu stolpern. Gut möglich also, dass ein Senior zwischen den geparkten Fahrzeugen auf die Straße tritt, weil er den Wagen von Lucy gar nicht wahrnimmt. Was sagt Manfred dazu? „Grundsätzlich richtig, aber alle Älteren in einen Topf zu werfen, wäre zu einfach. Viele sind fit und aufmerksam, andere haben hier und da ihre Einschränkungen.“ Er ergänzt: „Ich gehe jedenfalls regelmäßig zum Arzt und lasse meine Seh- und Hörfähigkeit testen.“

Unfallopfer mehrheitlich über 64 Jahre alt

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Betrug der Anteil der über 64-Jährigen 1990 noch 15 Prozent, liegt er heute bei mehr als 21 Prozent. Das heißt auch: Immer mehr Senioren nehmen am Straßenverkehr teil – als Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger. Und sie sind besonders gefährdet: Rund 58 Prozent der 2016 getöteten Radfahrer und Fußgänger waren über 64 Jahre alt.

Ein rücksichtsvoller Umgang im Straßenverkehr kommt allen zugute

Von der Wohnstraße biegt Lucy nach links auf die Hauptstraße ab. Tempo 50 ist erlaubt. Auf der Straße fährt eine ältere Dame mit ihrem Fahrrad. Statt zu überholen bremst Lucy und hält Abstand. „Gut erkannt“, lobt Manfred seine Enkelin. Senioren auf dem Rad sind meist ein wenig langsamer unterwegs und können deshalb nicht immer die Spur halten. Da sie häufig beide Hände am Lenker benötigen, besteht die Gefahr, dass sie ohne Handzeichen abbiegen. Der nötige Schulterblick und das Treffen schneller Entscheidungen fallen vielen Senioren schwer, deshalb stoppen sie auch schon mal unvermittelt. Autofahrer sollten grundsätzlich den Abstand vergrößern und beim Überholen deutlich mehr Seitenabstand halten. Falls das nicht möglich ist, sollten sie besser mit dem Überholen warten. 

Gelassen trotz Dränglern

Lucys Rücksichtnahme stößt aber nicht bei allen anderen Verkehrsteilnehmern auf Verständnis: Der Fahrer hinter ihr drückt auf die Hupe. Doch Lucy nimmt das gelassen: „Von Opa habe ich gelernt, mich beim Autofahren nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.“ Manfred ergänzt: „Als Turbinenmechaniker bin ich viel herumgekommen und habe berufsbedingt bestimmt zwei Millionen Straßenkilometer abgespult. Ich lasse mich nicht von Dränglern provozieren.“

So nehmen Verkehrsteilnehmer Rücksicht auf Senioren, die als Fußgänger, Radfahrer oder mit dem Pkw unterwegs sind

•    Geduld haben gegenüber langsameren Verkehrsteilnehmern
•    Verständnis zeigen für Unsicherheiten älterer Verkehrsteilnehmer (besonders in komplexen Verkehrssituationen)
•    Verhalten beobachten, um kurzfristig reagieren zu können
•    Fahrweise und Tempo anpassen, gegebenenfalls anhalten
•    Blickkontakt aufnehmen
•    Radfahrer nur mit ausreichend Abstand überholen
•    In der Dämmerung und bei Dunkelheit besonders auf schlecht sichtbare, zu Fuß gehende oder Rad fahrende Senioren achten

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Lucy profitiert von der Erfahrung ihres Großvaters Manfred.

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Andere im Blick: Lucy hat das rücksichtsvolle Verhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern verinnerlicht.

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Beinahe 60 Jahre liegen zwischen den Führerschein-Prüfungen von Manfred und seiner Enkelin Lucy.

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Es läuft rund: Lucy mit ihrem Großvater auf Tour.

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Alles im Griff: Manfred fährt auch mit 77 Jahren noch sicher Auto.

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Mit offenen Augen: Manfred überprüft regelmäßig seine Sehfähigkeit.

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Manfred sagt über Senioren: „Viele sind fit und aufmerksam, andere haben hier und da ihre Einschränkungen.“

Ältere Autofahrer sind schnell überfordert

Gelassenheit ist das richtige Stichwort. Lucy fädelt sich an einer mehrspurigen Kreuzung auf den linken Abbieger ein. Der Autofahrer schräg rechts vor ihr bremst, zieht ohne den Blinker zu setzen ebenfalls nach links. Und dann gleich wieder nach rechts. Beim Vorbeifahren sieht Lucy eine ältere Frau am Steuer. Der Blickkontakt zeigt ihr: Die Frau scheint ihren Fehler nicht bemerkt zu haben, offenbar hat sie den Überblick an der unübersichtlichen und stark befahrenen Kreuzung verloren. „Hier hilft nur Rücksicht“, weiß Lucy. „Wenn ich jetzt hektisch werde oder drängele, verunsichere ich die Dame nur noch mehr.“ Manfred ergänzt: „Bei Fahrzeugen mit auswärtigen Nummernschildern halte ich ebenfalls mehr Abstand. Man weiß ja nie, ob es sich die Fahrer in letzter Sekunde noch anders überlegen.“ 

Senioren im Straßenverkehr - mehr Geschädigte als Verursacher

Senioren sind nicht die Hauptverursacher von Verkehrsunfällen, sondern deren Hauptopfer. Denn sie haben im Vergleich zum Bevölkerungsanteil eine unterproportionale Unfallbeteiligung. Trotzdem zählen sie zu den am stärksten gefährdeten Verkehrsteilnehmern, besonders wenn sie zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Knapp 33% aller in 2016 Getöteten waren über 64 Jahre alt. Aber auch Senioren machen Fehler. Sind sie an einen Unfall beteiligt, lag es meistens an der Missachtung der Vorfahrt (17,6%) und an Fehlern beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (16,6%). 

Am Ende unserer Fahrt sind sich Lucy und Manfred einig: Fahranfänger können sich von erfahrenen Autofahrern vieles abgucken und profitieren stark vom Begleiteten Fahren ab 17 Jahren. Und: Wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen und Verständnis für die Einschränkungen der anderen zeigen, ist es im Straßenverkehr für alle sicherer und entspannter.

Fotos: Lucas Wahl

https://www.runtervomgas.de/unterwegs/artikel/erfahrung-kommt-an.html