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Unangepasste Geschwindigkeit

Zu schnelles Fahren bleibt Ursache Nummer eins bei Unfällen mit Todesfolge.

 

13.05.2016

Im Jahr 2017 kam es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland zu 302.656 Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Dabei starben 1.077 Menschen, weil Fahrer mit unangepasster Geschwindigkeit unterwegs waren. Damit geht jeder dritte Verkehrstote auf diese Unfallursache zurück. 

Auch wer sich an das Tempolimit hält, kann zu schnell sein.

Vielen Verkehrsteilnehmern ist es nicht bewusst: Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit bedeutet nicht nur, die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten. In vielen Fällen kann man ebenfalls zu schnell sein, obwohl man das Tempolimit einhält oder unterschreitet. Denn: Die zulässige Höchstgeschwindigkeit gilt nur bei idealen Bedingungen. Dazu heißt es in §3 der Straßenverkehrsordnung (StVO): „Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 Meter, darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist.“ 

Geschwindigkeit immer anpassen – vor allem wegen der schwächeren Verkehrsteilnehmer

Besondere Rücksicht verlangt der Gesetzgeber außerdem gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern: „Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.“ Im Verkehrsalltag kann also auch Schritttempo erforderlich sein – etwa, wenn der Fahrer ein Kind am Fahrbahnrand spielen sieht. 

34 Prozent der Verkehrstoten gehen auf unangepasste Geschwindigkeit zurück

Dass viele Fahrer zu schnell sind, belegen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes. So registrierte die Polizei 2017 in 45.058 Fällen unangepasste Geschwindigkeit als Ursache eines Unfalls mit Personenschaden. Lediglich 2.318-mal überschritten Fahrer dabei die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Deutlich häufiger waren Fahrer mit unangepasster Geschwindigkeit unterwegs, ohne dabei das vorgegebene Tempolimit zu überschreiten (42.740 Fälle). 2017 kamen insgesamt 1.077 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen ums Leben – jeder Dritte aller tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmer.

Mehr Unfälle innerorts, aber mehr Unfalltote außerorts

Insgesamt kamen 2.204 Verkehrsteilnehmer außerorts ums Leben. Das sind mehr als zwei Drittel aller Verkehrstoten (69,3 Prozent). Ein Grund dafür sind die deutlich höheren Geschwindigkeiten, mit denen Fahrer außerorts unterwegs sind. Während innerorts der „Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug, das einbiegt oder kreuzt“ mit 32,4 Prozent die häufigste Unfallart war, war es außerorts das „Abkommen von der Fahrbahn“ mit 30,5 Prozent bei Unfällen mit Personenschaden. In der Regel werden solche Unfälle durch eine nicht angepasste Geschwindigkeit verursacht. 27.342-mal war bei Außerorts-Unfällen mit Personenschaden das Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit eine Unfallursache – und damit die meistgenannte.

Unfälle mit unangepasster Geschwindigkeit vor allem in Frühjahr und Sommer

Die Statistik zeigt auch, dass sich besonders viele tödliche Unfälle nicht etwa in der kalten Jahreszeit mit schwierigen Sicht- und Straßenbedingungen ereignen, sondern in Monaten mit guten Wetterverhältnissen. Auto- und Motorradfahrer sind dann häufig schneller unterwegs. So gab es 2017 die meisten Unfalltoten in den Monaten Mai (336 Tote), Juni (320) und August (313), während im Wintermonat Februar 179 Unfalltote registriert wurden.

Unangepasste Geschwindigkeit ist Hauptfehler bei Fahranfängern

Fahranfänger im Alter zwischen 18 und 24 Jahren verursachten 2017 viele Unfälle mit Personenschaden. 12.540-mal war Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit dabei die Ursache – der häufigste Fehler in dieser Altersgruppe. Mit zunehmendem Alter verursachen Verkehrsteilnehmer immer weniger Geschwindigkeitsunfälle. So nahm die Polizei lediglich 3.315-mal unangepasste Geschwindigkeit als Fehler bei Verkehrsteilnehmern ab 65 Jahren auf, wenn sie in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt waren.

Wie das Tempo den Anhalteweg verlängert

Fahrzeuggeschwindigkeit

Reaktionsweg

Bremsweg

Gesamt (Anhalteweg)

30 km/h

8,3 m

5,3 m

13,6 m

50 km/h

13,9 m

14,8 m

28,7 m

100 km/h

27,8 m

59,3 m

87,1 m

130 km/h

36,1 m

100,3 m

136,4 m

150 km/h

41,7 m

133,6 m

175,3 m

So vermeiden Sie Unfälle aufgrund unangepasster Geschwindigkeit

  • Verlassen Sie sich im Straßenverkehr nicht nur auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Passen Sie Ihr Tempo stets an äußere Verhältnisse wie Nebel, Regen oder Schnee, Eis bzw. unübersichtliche Strecken- und Kurvenverläufe oder eine schlechte Straßenbeschaffenheit an.
  • Bei Sichtweiten unter 50 Meter dürfen Sie auch außerorts nicht schneller als 50 km/h fahren.
  • Nehmen Sie Rücksicht auf andere und rechnen Sie insbesondere bei Kindern und älteren oder hilfsbedürftigen Menschen damit, dass diese im Straßenverkehr unsicher sind.
  • Unfälle durch schlechte Sicht gibt es nicht nur im Winter. Die tief stehende Sonne oder plötzlich auftretender Nebel in der Nähe von Gewässern können Ihnen auch in anderen Jahreszeiten unvermittelt die Sicht nehmen. In allen Fällen gilt dann: „Runter vom Gas!“

Pedelec-Fahrer sind häufig zu schnell

Auch bei den populären Elektro-Fahrrädern mit Hilfsmotor ist zu schnelles Fahren eine häufige Unfallursache. Bei Pedelecs, die ohne Fahrerlaubnis gefahren werden dürfen, schaltet sich die Motorunterstützung zwar ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h ab. Dennoch ist jeder dritte erfasste Unfall mit einem Pedelec Folge unangepasster Geschwindigkeit.

So werden Unfalldaten erhoben

Polizeibeamte tragen die Ursachen eines Verkehrsunfalls in ein sogenanntes Erhebungspapier ein. Dabei greifen sie auf ein seit 1975 geltendes Ursachenverzeichnis zurück. Wichtig: Die Beamten können pro Unfall zwei allgemeine Ursachen angeben, beispielsweise Straßenverhältnisse, Witterungseinflüsse oder Hindernisse. Ebenso können sie dem Hauptverursacher und einem weiteren Beteiligten jeweils bis zu drei personenbezogene Fehler zuschreiben. Dieses sogenannte personenbezogene Fehlverhalten umfasst beispielsweise das Missachten der Vorfahrt, Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit und falsche Straßenbenutzung. Pro Unfall sind demnach bis zu acht Unfallursachen möglich. Das erklärt, warum die Statistik 2017 mehr personengebundene Verfehlungen von Fahrern (360.736) als Unfälle mit Personenschaden (302.656) aufweist. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erhält und erfasst alle Daten aus den Bundesländern und erstellt die bundesweite Verkehrs- und Unfallstatistik.

Weitere Informationen zum Thema unangepasste Geschwindigkeit gibt es auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Verkehrswacht – und hier als Download:

https://www.runtervomgas.de/unfallursachen/artikel/unangepasste-geschwindigkeit.html