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Fehler beim Abbiegen

Vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer kommen zu Schaden.

 

18.08.2016

302.656 Verkehrsunfälle mit Personenschaden ereigneten sich 2017 in Deutschland. Häufigste Unfallursache war fehlerhaftes Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie Ein- und Anfahren (56.642 Fälle). Innerorts ging rund jeder vierte Unfall mit Personenschaden (25,9 Prozent) auf ein einbiegendes oder kreuzendes Fahrzeug zurück, dessen Fahrer die Vorfahrt missachtete. Dabei starben 155 Menschen. Das geht aus den Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Ablenkung und fehlender Schulterblick sind die Hauptfehler

Während die Zahl der Verkehrstoten 2017 um rund 0,8 Prozent auf 3.180 sank, stieg die Zahl der polizeilich erfassten Verkehrsunfälle auf insgesamt 2.643.098 – ein Plus von 2,2 Prozent gegenüber 2016. Für den Anstieg machen Unfallforscher mehrere Ursachen verantwortlich: Viele Verkehrsteilnehmer sind im Straßenverkehr abgelenkt, oft durch das Nutzen eines Smartphones. Trotz Verbots benutzen zahlreiche Autofahrer ihr Handy ohne Freisprechanlage. Außerdem missachten viele Fahrer grundlegende Regeln: So unterlassen sie beim Abbiegen den vorgeschriebenen Schulterblick. Das kann gerade in unübersichtlichen Verkehrssituationen fatale Folgen haben: Parkende Pkw und eine wachsende Zahl von Lieferfahrzeugen schränken innerorts vor allem an Kreuzungen und Einmündungen die Sicht zu Fußgängern und Radfahrern ein. Hinzukommt, dass auch Fußgänger oft unaufmerksam sind.

Abbiegeunfälle mit schwächeren Verkehrsteilnehmern

Radfahrer, Fußgänger und Motorradfahrer sind besonders durch Abbiegeunfälle gefährdet, da sie sich weitestgehend ungeschützt im Verkehr bewegen. Wie folgenschwer die Konsequenzen sind, belegt ein Blick auf Unfälle zwischen Radfahrern und Berufskraftfahrern: 2017 starben bei diesen Abbiegeunfällen 37 Fahrradfahrer und 961 Radfahrer erlitten Verletzungen. Insgesamt starben 43 Verkehrsteilnehmer im Jahr 2017 bei Abbiegefehlern nach rechts, 159 Personen kamen aufgrund von Abbiegefehlern nach links ums Leben.

Keine Altersgruppe sticht heraus

Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren: Verfehlungen dieser Art registrierte die Polizei 56.642 Mal bei Unfällen mit Personenschaden. Von diesen Fehlern gingen 10.058 auf das Konto der 45- bis 54-jährigen Fahrer. Allerdings repräsentiert diese Altersgruppe auch den größten Anteil in der Bevölkerung. An zweiter Stelle stehen die 25- bis 34-Jährigen (9.574), gefolgt von den 55- bis 64-Jährigen (7.993). Größere Unterschiede gibt es bei der Art der Verkehrsbeteiligung: So listet die Statistik bei Pkw-Fahrern die meisten Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren (45.203). 5.213 Fehler hat die Polizei bei Radfahrern registriert, 3.698 bei Fahrern von Güterkraftfahrzeugen.

Die drei häufigsten Fehler in dieser Kategorie waren 2017 bei Unfällen mit Personenschaden über alle Altersgruppen und Verkehrsmittel hinweg:

  • Abbiegen nach links (21.849)
  • Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr (15.591)
  • Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren (10.158)

So vermeiden Auto- und Lkw-Fahrer Abbiegeunfälle

  • Wenden Sie als Autofahrer beim Rechtsabbiegen stets den Schulterblick an. Achten Sie dabei auf Fußgänger sowie von hinten herannahende Radfahrer. Setzen Sie rechtzeitig vor dem Abbiegen den Blinker, damit hinter Ihnen fahrende Verkehrsteilnehmer bremsbereit sind. Denken Sie auch an abknickenden Vorfahrtstraßen und bei der Ausfahrt aus einem Kreisverkehr stets ans Blinken.
  • Bleiben Sie beim Abbiegen bremsbereit und rechnen Sie jederzeit mit herannahenden Radfahrern und Fußgängern.
  • Schauen Sie als Lkw-Fahrer vor jedem Abbiegen in alle Spiegel. Nehmen Sie beim Abbiegen an Kreuzungen Blickkontakt mit Fußgängern und Radfahrern auf. Ein elektronischer Abbiegeassistent kann Unfälle vermeiden, verlassen Sie sich aber niemals ausschließlich auf die Technik.
  • Vermeiden Sie das Wenden über mehrere Fahrspuren hinweg. Hierbei kommt es immer wieder zu Unfällen mit dem Gegenverkehr oder mit anderen geradeaus fahrenden Fahrzeugen.
  • Konzentrieren Sie sich auf den Verkehr. Der Griff zum Smartphone ist am Steuer verboten. 

So vermeiden Radfahrer und Fußgänger Abbiegeunfälle

  • Autofahrer und besonders Führer von Güterkraftwagen haben nur einen sehr eingeschränkten Rundumblick. Deshalb sollten Sie als Radfahrer vermeiden, sich im toten Winkel aufzuhalten bzw. im Zweifel auf die Vorfahrt verzichten. Sie sollten defensiv agieren und fahren erst an Fahrzeugen rechts vorbei, wenn Sie – möglichst durch Blickkontakt – sichergestellt haben, dass Sie wahrgenommen wurden. Das gilt auch für Fußgänger.
  • Benutzen Sie den Radweg und fahren Sie in der vorgegebenen Richtung. Autofahrer rechnen selten mit entgegenkommenden Radfahrern auf ihrer Seite.
  • Bei Dunkelheit und schlechter Sicht hilft Ihnen als Radfahrer oder Fußgänger Kleidung oder Zubehör mit reflektierenden und fluoreszierenden Materialien.
  • Auch als Radfahrer oder Fußgänger gilt: volle Konzentration auf den Verkehr. Lassen Sie Ihr Smartphone in der Tasche.

So werden Unfalldaten erhoben

Polizeibeamte tragen die Ursachen eines Verkehrsunfalls in ein sogenanntes Erhebungspapier ein. Dabei greifen sie auf ein seit 1975 geltendes Ursachenverzeichnis zurück. Wichtig: Die Beamten können pro Unfall zwei allgemeine Ursachen angeben, beispielsweise Straßenverhältnisse, Witterungseinflüsse oder Hindernisse. Ebenso können sie dem Hauptverursacher und einem weiteren Beteiligten jeweils bis zu drei personenbezogene Fehler zuschreiben. Dieses sogenannte personenbezogene Fehlverhalten umfasst beispielsweise das Missachten der Vorfahrt, Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit und falsche Straßenbenutzung. Pro Unfall sind demnach bis zu acht Unfallursachen möglich. Das erklärt, warum die Statistik 2017 mehr personengebundene Verfehlungen von Fahrern (360.736) als Unfälle mit Personenschaden (302.656) aufweist. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erhält und erfasst alle Daten aus den Bundesländern und erstellt die bundesweite Verkehrs- und Unfallstatistik.

Weitere Informationen zum Thema Abbiegen gibt es auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Verkehrswacht – und hier als Download:

https://www.runtervomgas.de/unfallursachen/artikel/fehler-beim-abbiegen.html