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Runter vom Gas
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Ablenkung am Steuer

Unaufmerksamkeit ist die Hauptursache bei mindestens zehn Prozent aller Unfälle mit Personenschaden.

 

07.04.2016

Laut einer repräsentativen Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT), 2016, gehört Ablenkung während der Fahrt zu den häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr. Bei mindestens zehn Prozent aller Unfälle mit Personenschaden ist Ablenkung die Hauptunfallursache, bei rund 30 Prozent aller Unfälle spielt sie zumindest eine Rolle.

Die Autoren der Studie haben Autofahrer in Deutschland zu Tätigkeiten befragt, die sie während der Fahrt ablenken. Die Ergebnisse (Mehrfachnennungen waren möglich): 84 Prozent aller Fahrer sagen, dass sie schon einmal durch Stress mit dem Beifahrer, die Beschäftigung mit Kindern oder anderen Interaktionen abgelenkt gewesen seien. Fast jeder zweite Autofahrer (46 Prozent) gibt an, unterwegs am Steuer das Handy zu nutzen. 41 Prozent essen, trinken oder rauchen. Fast jeder Dritte (30 Prozent) schnallt sich erst nach dem Losfahren an oder stellt während der Fahrt den Spiegel oder den Sitz ein.

Dabei erhöhen selbst „scheinbar harmlose Aktivitäten“ die Unfallgefahr, so Jörg Kubitzki, Unfallforscher am AZT. Schon indirekte Ablenkung, etwa durch telefonierende oder im Internet surfende Beifahrer, könne die Aufmerksamkeit des Fahrers binden und nachweislich die Unfallgefahr erhöhen. Die Experten des AZT errechneten, dass etwa jeder zehnte Verkehrstote auf Ablenkung zurückgeht.

Eine Sekunde Ablenkung, viele Meter Blindfahrt

Bei Tempo 50 bedeutet eine Sekunde Ablenkung 14 Meter Blindfahrt.

Bei Tempo 100 bedeutet eine Sekunde Ablenkung 28 Meter Blindfahrt.

Bei Tempo 130 bedeutet eine Sekunde Ablenkung 36 Meter Blindfahrt. 

Junge Fahrer lassen sich besonders häufig ablenken

An der Untersuchung nahmen rund 1.000 Fahrer aus Deutschland teil. Der Vergleich von Fahrern, die Unfälle angegeben hatten und Fahrern ohne Unfälle, zeigt: Die befragten Autofahrer, die laut eigener Einschätzung öfter abgelenkt sind, hatten im Erhebungszeitraum auch häufiger Unfälle als die nach eigenen Angaben weniger abgelenkten Fahrer. Ein weiteres Ergebnis: Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren lassen sich besonders häufig im Straßenverkehr ablenken. Und: Männer nehmen im Straßenverkehr häufiger das Telefon zur Hand als Frauen. Während 58,7 Prozent der befragten Fahrer erklären, dass sie am Steuer niemals ein Handy in der Hand halten, behaupteten das nur 48,7 Prozent der befragten Männer. Mehr als jeder zweite männliche Autofahrer greift also verbotenerweise zum Telefon.

Die häufigsten Ablenkungsfaktoren

Ablenkung durch

Häufigkeit in Prozent

Interaktion mit anderen Personen im Auto

84

Benutzung von Fahrzeugtechnik außer Navi
(z. B. Radio, Bordcomputer, MP3-Player, Kamera)

74

Benutzung Navigationssystem

63

Telefonieren (Handy mit Freisprechanlage)

49

Mobiltelefon oder Tablet nutzen mit Verstoß gegen §23 Abs. 1a StVO

46

Autofahrer halten Mobiltelefone für größte Gefahrenquelle

Laut einer repräsentativen Umfrage mit 2.500 Teilnehmern über 18 Jahren in Deutschland, die das Meinungsforschungsinstitut Kantar TNS im August 2017 im Auftrag von „Runter vom Gas“ durchgeführt hat, stufen 92 Prozent der Befragten den Gebrauch von Mobiltelefonen im Straßenverkehr als gefährlich ein. Fast jeder Dritte (29 Prozent) hält das Bedienen von Mobiltelefonen am Steuer sogar für die größte Gefahrenquelle.

Ältere Autofahrer weniger von elektronischen Geräten abgelenkt

Mit zunehmendem Alter sinkt die Nutzung elektronischer Geräte während der Fahrt. Die AZT-Studie fand heraus: 27,5 Prozent der Befragten über 65 Jahre telefonieren am Steuer, bei den 25- bis 64-Jährigen sind es 54,3 Prozent und in der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren sogar 61,4 Prozent.

Verfügbarkeit elektronischer Geräte im Auto in Prozent

 

18-24 J.

25-64 J.

älter als 64 J.

Mobiltelefon (insgesamt)

96

92

77

  Smartphone

77

70

29

   einfaches Handy

26

29

54

Freisprechanlage

55

45

23

Tragbare akustische Abspielgeräte

31

18

11

Eingebaute akustische Abspielgeräte

81

69

46

Navigationssystem

66

64

48

Bordcomputer (insgesamt)

38

40

23

   mit Touchscreen

28

26

14

   mit Drehregler

25

36

23

   mit Tasten

66

61

77

Autoradio

76

91

91

Fahrerassistenzsystem (Warnfunktion)

45

40

24

Kinder imitieren Verhalten ihrer Eltern

Die AZT-Studie zeigt außerdem, wie das Verhalten von Erwachsenen im Straßenverkehr Kinder beeinflusst. So haben die Autoren beispielsweise festgestellt, dass Kinder von Eltern, die sich erst während der Fahrt anschnallten, dieses Verhalten übernehmen. „Eltern sollten sich im Klaren sein, dass sie mit ihrem eigenen Verhalten auch das Sicherheitsbewusstsein ihrer Kinder beeinflussen“, so Kubitzki.

Das können Sie gegen Ablenkung tun

  • Viele ablenkungsbezogene Unfälle werden durch scheinbar harmlose Handlungen ausgelöst. Dazu zählen beispielsweise das Einstellen von Innen- und Außenspiegeln sowie der richtigen Sitzposition. Das sollten Sie alles erledigen, bevor die Fahrt beginnt. Gleiches gilt für das Anlegen des Sicherheitsgurts.
  • Geben Sie Ihre Route für den Tag inklusive aller Zwischenziele schon vor Abfahrt in das Navigationssystem ein. Beachten Sie: Das Hantieren mit Smartphones, MP3-Playern, Tablets und anderen tragbaren elektronischen Geräten während der Fahrt ist für den Fahrer verboten, weil es nachweislich vom Fahrgeschehen ablenkt.
  • Heben Sie während der Fahrt keine heruntergefallenen Gegenstände auf.
  • Kuscheltiere und Trinkflaschen von Kindern sollten Sie so unterbringen, dass sie nicht im Auto herumfliegen können. Üben Sie spielerisch das Anschnallen des Kuscheltiers, damit Ihr Kind die Regeln für Sicherheit im Auto früh erlernt.
  • Nehmen Sie sich die Zeit für eine Fahrpause, wenn Sie mit Ihrem Beifahrer oder einem Anrufer wichtige Dinge besprechen möchten. Auch das Telefonieren über eine Freisprechanlage lenkt ab. Das gilt insbesondere für emotionale Themen.
  • Schalten Sie Ihr Handy in den Flugmodus oder ganz aus, damit es Sie nicht ablenken kann.
  • Bitten Sie Ihre Beifahrer gegebenenfalls, Aktivitäten wie lautes Telefonieren, die Sie vom Fahrgeschehen ablenken können, zu vermeiden.

So werden Unfalldaten erhoben

Polizeibeamte tragen die Ursachen eines Verkehrsunfalls in ein sogenanntes Erhebungspapier ein. Dabei greifen sie auf ein seit 1975 geltendes Ursachenverzeichnis zurück. Wichtig: Die Beamten können pro Unfall zwei allgemeine Ursachen angeben, beispielsweise Straßenverhältnisse, Witterungseinflüsse oder Hindernisse. Ebenso können sie dem Hauptverursacher und einem weiteren Beteiligten jeweils bis zu drei personenbezogene Fehler zuschreiben. Dieses sogenannte personenbezogene Fehlverhalten umfasst beispielsweise das Missachten der Vorfahrt, Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit und falsche Straßenbenutzung. Pro Unfall sind demnach bis zu acht Unfallursachen möglich. Das erklärt, warum die Statistik 2017 mehr personengebundene Verfehlungen von Fahrern (360.736) als Unfälle mit Personenschaden (302.656) aufweist. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden erhält und erfasst alle Daten aus den Bundesländern und erstellt die bundesweite Verkehrs- und Unfallstatistik.

Weitere Informationen zum Thema Ablenkung im Straßenverkehr gibt es auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Verkehrswacht – und hier als Download:

https://www.runtervomgas.de/unfallursachen/artikel/ablenkung-am-steuer.html