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Interview: Markus Lewe

Münsters OB Markus Lewe über das Radfahrern in seiner Heimatstadt

 

01.06.2016

Markus Lewe ist Radfahrer mit Leib und Seele. Im Interview erklärt der Oberbürgermeister von Münster, warum die Fahrradhauptstadt Vorbildcharakter hat – und wie er das Miteinander von Rad- und Autofahrern erlebt.

Markus Lewe: Interview Oberbürgermeister Münster

Münsters OB Markus Lewe über das Radfahrern in seiner Heimatstadt

 

Herr Lewe, statistisch gesehen besitzt jeder Münsteraner zwei Fahrräder. Wie viele besitzen Sie? 

Vier: ein Rennrad, ein Klapprad, ein Hollandrad und ein Tourenrad.

 

Kein anderer Oberbürgermeister wird von den Medien so oft auf dem Fahrrad fotografiert wie Sie. Fahren Sie wirklich so häufig Rad?

Ja, absolut! Als leidenschaftlicher Münsteraner ist mir das Fahrrad sozusagen in die Wiege gelegt worden. Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zum Stadthaus und zurück nach Hause – unabhängig von Wind und Wetter. Zudem nutze ich das Fahrrad für nahezu jeden Dienstweg. Es gibt einfach kein besseres Verkehrsmittel, um in der Stadt von A nach B zu gelangen. So kann man der Hektik und dem Staufrust nahezu komplett entgehen und gleichzeitig durch die Wahl dieses Null-Emissions-Verkehrsmittels einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wer Rad fährt, gewinnt an Mobilität und Lebensqualität!

 

Woher kommt die besondere Beziehung Münsters zum Fahrrad?

Münster besitzt ein mittelalterliches Stadtbild. Als man in den 60er Jahren allerorts über eine autogerechte Innenstadt nachdachte, ist Münster einen anderen Weg gegangen. Die Bestandserhaltung stand hier im Vordergrund. Das war der Beginn der Fahrradstadt, die seitdem kontinuierlich ausgebaut und gefördert wird. Heute werden in Münster 39 Prozent der Verkehrswege mit dem Rad bewältigt, nur 33 Prozent mit dem PKW – und der Rest mit Bus, Bahn oder anderen Verkehrsmitteln.

 

Wie sorgen Sie für Ihre eigene Sicherheit auf dem Fahrrad?

Ich halte mich an die Verkehrsregeln, ich trage einen Fahrradhelm, ich fahre rücksichtsvoll und ich bestehe nicht auf meinem „Recht“ – denn als Radfahrer hat man keine „Knautschzone“.

 

Sie singen im Lieder-Hörbuch „Tim, der kleine Fahrradhelm“ mit. Warum ist das Tragen eines Helms aus Ihrer Sicht richtig und wichtig?

Ich bin Helmträger aus Überzeugung. Mit einem Fahrradhelm kann ich zwar keinen Unfall vermeiden, aber den Kopf vor schweren oder gar tödlichen Verletzungen schützen. In Münster gab es in den vergangenen vier Jahren sechs tote Radfahrer. Fünf würden noch leben, hätten sie einen Fahrradhelm getragen.

 

In vielen Großstädten beschweren sich Verkehrsteilnehmer über rücksichtslose Radler. Wie ist das in Münster?

Das Verhältnis zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern in Münster würde ich grundsätzlich als gut beschreiben. Das liegt daran, dass die meisten Münsteraner sowohl mit dem Auto als auch mit dem Fahrrad fahren und zu Fuß gehen. Sie kennen das Verhalten aus dem Blickwinkel des anderen und können sich darauf einstellen. Dennoch kommt es auch vor, dass ältere Fußgänger sich erschrecken, weil sie einen Radfahrer nicht haben kommen hören, oder Autofahrer – insbesondere auswärtige – überrascht sind, wie selbstverständlich sich Radfahrer in Münster bewegen.

 

Welche Altersgruppen sind in Münster besonders häufig an Radunfällen beteiligt?

Besonders gefährdet ist die Gruppe der 18- bis 24-jährigen Radfahrer. Jedes Jahr kommen mehrere Tausend neue Studenten nach Münster. Diese sind oft lange nicht mehr Fahrrad gefahren und nutzen die Radverkehrsinfrastruktur in Münster intuitiv. Sie müssen das Radfahren dann quasi neu lernen. Das lässt sich an den Unfallspitzen jeweils zu Semesterbeginn direkt ablesen.

 

Was unternimmt Münster, um die Zahl der Fahrradunfälle zu senken?

Der Rat der Stadt Münster hat im Jahr 2009 ein Verkehrssicherheitsprogramm aufgelegt, welches bis 2017 mit entsprechenden Finanzmitteln und Personal ausgestattet ist. Das Verkehrssicherheitsprogramm fußt auf den drei Säulen Verkehrsüberwachung und Ahndung, Bau und Verkehrstechnik sowie Verkehrserziehung und Öffentlichkeitsarbeit. Ein Beispiel: Da Radfahrer ein hohes Verletzungsrisiko haben, legt die Verwaltung ein besonderes Augenmerk auf die Radverkehrsinfrastruktur. So wurden inzwischen sämtliche Radwege – also 468 Kilometer Strecke – auf ihre Sicherheit geprüft.

 

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für einen sicheren Radverkehr?

Radverkehrsplanung in Münster wird seit über 60 Jahren betrieben. Viele Radwege stoßen heute an ihre Kapazitätsgrenzen oder entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Deshalb müssen wir neue Ansätze entwickeln, um dem Radverkehr den erforderlichen Verkehrsraum zu geben. Hier sind Lösungen gefragt, die sicherlich auch zu Einschnitten bei anderen Verkehrsmitteln führen können. Dabei wollen wir uns an Beispielen aus den Niederlanden oder Dänemark orientieren.


Foto: fotolia

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